Wie Weidlinger der Mara­thon-Rekord passierte

26. Oktober 2009, 18:07
59 Postings

Günther Weidlinger hat in Frankfurt eine österreichische Marathon-Bestzeit aufgestellt - In 2:10:47 Stunden wurde der Rekord von Gerhard Hartmann förmlich weggefegt

Wien - Es ist ja nicht so, dass man nach einem 42,195 Kilometer langen Lauf, und sei es auch ein Rekordlauf, automatisch gut schläft. "Eineinhalb Stunden waren es", sagt Günther Weidlinger. Dass die Regenerationsphase derart kurz ausfiel, daran war weniger bis gar nicht die Party schuld ("Ich war am Sonntag schon um halb elf im Bett"), sondern die exorbitant großen und schmerzhaften Blasen an den Zehen. "Aber nach so einem Rennen, nach so einer Zeit kann man das verkraften."

Günther Weidlinger spricht von den 2:10:47 Stunden, die er am Sonntag und in Frankfurt für seinen zweiten Marathon benötigt hat. Dabei war der 31-jährige Oberösterreicher gar nicht darauf aus gewesen, den 23 Jahre alten Rekord von Gerhard Hartmann zu unterbieten, den der Tiroler anno 1986 in Wien in 2:12:22 Stunden aufgestellt hatte. "Eigentlich wollte ich mich nur für die EM Ende Juli 2010 in Barcelona qualifizieren", sagt Weidlinger. Da hätte eine Zeit um 2:15:00 Stunden auch gereicht.

Bei seinem Marathon-Debüt im April diesen Jahres in Wien war das noch ganz anders gewesen. Da wurde monatelang auf den österreichischen Rekord hintrainiert, das Rennen selbst bis ins kleinste Detail geplant, öffentliche Erwartungen wurden dementsprechend geschürt. Sein Einbruch kurz vor dem Ende machte aber einen Strich durch die ganze Rechnung.

"Ich hatte schon ein wenig Angst, dass es wieder passieren könnte. Aber dieses Mal bin ich locker an die Sache herangegangen", sagt Weidlinger. Der Rekord stand nämlich nicht im Fokus. Eine hartnäckige Verletzung hatte sich im Frühsommer nach mehreren Fehldiagnosen als eine Muskelansatzentzündung im Becken herausgestellt. Was folgte, war eine mehrwöchige Pause, für die Vorbereitung zum Frankfurt-Marathon blieben nur neun Wochen über.

"Natürlich wäre ich den Rekord lieber in Wien gelaufen", gibt der Heeressportler zu. Optimale Wetterbedingungen und eine "flache Strecke mit wenigen Straßenbahnschienen" haben Frankfurt aber quasi in die Hände gespielt. Außerdem konnte Weidlinger schon von den in Wien gemachten Marathonerfahrungen zehren. "Dieses Mal hab ich mehr getrunken und auch ein Power-Gel genommen."

Weidlinger, der nunmehr alle österreichischen Bestzeiten auf den olympischen Distanzen zwischen 1500 m und dem Marathon hält, ist es nicht schwergefallen, sich neue Ziele zu setzen. "Jetzt, wo ich den Rekord habe, kann ich auch riskieren. Ich muss nicht mehr pedantisch Kilometer-Zeiten rennen, sondern kann auch einmal mit einer Führungsgruppe mitlaufen. Eine Zeit unter 2:10:00 Stunden sollte einmal drinnen sein."

Vor allem das tolle Finish des Oberösterreichers in Frankfurt nährt den Glauben daran. Den vorletzten Kilometer lief er etwa in 3:01 Minuten. Nach dem Zieleinlauf durfte er sich als Zehnter und bester Europäer bejubeln lassen, seine Zeit bedeutet Platz neun in der europäischen Jahresbestenliste. Was das für die EM Ende Juli 2010 in Barcelona bedeuten kann? "Da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Dazwischen liegen noch tausende Trainingskilometer." Die nächsten folgen aber erst in den kommenden Tagen. "Jetzt muss ich einmal auf meine lädierten Zehen hören." (David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe, 27.10.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Günther Weidlinger nach vollbrachter Tat, die insgesamt 2:10:47 Stunden dauerte.

Share if you care.