Poutiainen vor Zettel, Hosp schwer verletzt

24. Oktober 2009, 16:02
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Finnin gewinnt Saison-Auftakt eine Hundertstel vor Österreicherin - Hosp erlitt bei Sturz Kreuzbandriss. Operation gut überstanden

Sölden - Um eine Wimpernschlag hat Kathrin Zettel am Samstag beim Weltcup-Auftakt in Sölden einen neuerlichen Erfolg verpasst. Die Vorjahressiegerin aus Niederösterreich musste sich trotz eines kapitalen Fehlers beim Damen-Riesentorlauf auf dem Gletscher nur der Finnin Tanja Poutiainen um eine Hundertstelsekunde geschlagen geben. Der Jubel im ÖSV-Damenteam fiel dennoch gedämpft aus. Nicole Hosp zog sich schon im ersten Durchgang einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu und fällt für den Olympia-Winter aus.

Empfangen wurden die 11.000 Fans auf dem 3.000 m hohen Rettenbachferner von blauem Himmel, plus 5 Grad sowie nächtens gerieseltem Neuschnee. Der  allerdings sorgte  für eine halbstündige Verschiebung des Saisonstarts. Außerdem war die Piste etwas in Mitleidenschaft gezogen, Starterinnen mit niedrigen Nummern waren klar im Vorteil.

Saison nach 13 Sekunden vorbei

Zunächst hatten die beiden Italienerinnen Denise Karbon und Manuela Mölgg das Tempo vorgegeben, Poutiainen und Zettel folgten dahinter. Doch die Stimmung  im vollen Zielstadion war dahin, als die mit Nummer 23 fahrende Hosp am Übergang zum Steilhang stürzte und mit schmerzverzerrtem Gesicht liegenblieb. Schon zwei Jahre davor war die Tirolerin nach einem wilden Sturz ebendort fast unverletzt geblieben. Diesmal jedoch lautet die Diagnose Kreuzbandriss, Operation und Saison-Aus nach nur 13 Sekunden.

Hosp wurde nach ärztlicher Erstversorgung per Hubschrauber nach Innsbruck geflogen und noch am Samstag vom Ärzteteam Christian Hoser und Christian Fink in der Privatklinik Hochrum operiert, der einstündige Eingriff verlief erfolgreich. Laut Informationen des ÖSV hat Nicole Hosp zumindest keine Meniskus- oder Knorpelschäden erlitten. "Sie hat die Nacht sehr gut verbracht und durchgeschlafen. Es geht ihr den Umständen entsprechend gut, es verläuft alles, wie zu erwarten", sagte Hoser. Für Montag ist in der Klinik eine Pressekonferenz mit Hosp, Hoser und Damen-Cheftrainer Herbert Mandl angesetzt

Erst im Jänner hatte sie sich beim Einfahren für den Slalom in Zagreb bei einem Sturz einen Riss des inneren Seitenbandes, einen Einriss des vorderen Kreuzbandes im linken Knie und eine Impressionsfraktur des Schienbeinkopfes zugezogen. Ihr Comeback sie überraschend schnell im Februar bei den Weltmeisterschaften in Val d'Isere mit einem 23. Platz im Riesentorlauf. Das Sommer- und Herbsttraining war für die 25-Jährige nach Wunsch verlaufen.

Nur Zettel unter den Top-Ten

Im zweiten Durchgang hatte vom deutlich verjüngten ÖSV-Damenteam nur Zettel die Chance, auf das Podium zu fahren. Von Platz vier aus aber mit bereits 88 Hundertstel Rückstand griff die Niederösterreicherin beherzt an und hätte sogar fast noch gewonnen, weil Mölgg stürzte und Karbon auf Platz drei zurückfiel. Ein Fehler im Steilhang verhinderte den Sprung ganz nach vorne.   "Ich war zu spitz dran und bin mit Ach und Krach ums Eck gekommen", berichtete die Göstlingerin. Angesichts von andauernden Knieproblemen und Trainingsrückstand war sie mit Platz zwei vollauf zufrieden: " Ich muss mich bei allen bedanken, die mir geholfen haben."

Poutiainen hat mit ihrem ersten Sölden-Erfolg eines ihrer Saisonziele bereits in der Tasche. "Endlich! Hier wollte ich immer schon gewinnen", jubelte die Finnin, die sich im Vorjahr nur Zettel geschlagen geben musste. Michaela Kirchgasser, sechste nach dem ersten Lauf, schied aus - damit schaffte keine weitere Österreicherin einen Rang unter den besten Zehn. Die junge Stefanie Köhle avancierte als Elfte zur zweitbesten ÖSV-Fahrerin und imponierte mit zweitbester Laufzeit im Finaldurchgang. "Ich will in einer Disziplin in die Top-15 und zu Olympia, strahlte die 23-jährige HSZ-Zeitsoldatin aus Tirol. Die Weltcup-Anwärterinnen Lindsey Vonn (9.) und Maria Riesch (18.) wurden nicht besonders auffällig.

ÖSV-Damenchef Herbert Mandl bilanzierte so: "Das mit Hosp ist natürlich Riesenpech. Kathrin hat mit einem Riesenfehler den zweiten Platz gewonnen und damit bestätigt, was sie zuletzt gezeigt hat. Leider haben sich die anderen nicht so geschlagen wie erwartet. Die Mannschaft kann mehr, mit der Umsetzung hapert es halt manchmal." (red/APA)

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    Fataler Sturz von Nicole Hosp.

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    Die Tirolerin fällt mit Kreuzbandriss Monate lang aus.

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    Unbeschadet im Ziel angekommen und am Stockerl: Kathrin Zettel (li/Zweite), Siegerin Tanja Poutiainen und Denise Karbon (re/Dritte).

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