Die Uni bleibt besetzt

25. Oktober 2009, 08:14
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Auch Uni Graz bleibt bis Sonntag besetzt - Noch kein Gesprächstermin mit Wissenschaftsminister Hahn - 100.000 Euro geschätzer Schaden durch die Proteste

Wien - Das Audimax der Uni Wien wird schon den vierten Tag in Folge von StudentInnen besetzt. Sie protestieren gegen den "Bildungsabbau". derStandard.at berichtete auch am Samstag von 9 bis 22 Uhr live von den Vorgängen an der Uni. Nachlese: Was bisher geschah

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UPDATE 21:41: Das letzte Plenum für Samstag ist zu Ende gegangen. Sonntag Früh gehts mit der Diskussion weiter. Nun schreitet man zum Abendprogramm. Noch immer sind sehr viele Besetzer im und vor dem Audimax.

UPDATE 21:13: Im Plenum werden Vorschläge zur weiteren Vorgangsweise laut: Dienstag bis 10 Uhr findet ein Streikfrühstück statt, dann um 10 Uhr ein Plenum, das um 12 Uhr in eine Kundgebung münden soll. Der Vorschlag ist, einen mobilen Aktionstag zur Mobilisierung zu organisieren und so zu versuchen die Besetzung in großer Menge fortzuführen. Mittwoch um 17 Uhr soll es eine Groß-Demonstration geben. Zur Organisation dieser soll eine eigene Arbeitsgruppe gebildet werden.

UPDATE 20:56: Alarm ist schon wieder aus. Nach kurzer Absprache mit dem Sicherheitsdienst gehts weiter. 

UPDATE 20:54: Ein paar Minuten Pause des Plenum wegen dem ohrenbetäubenden Feueralarm.

UPDATE 20:52: Erneut Feueralarm im Audimax.

UPDATE 20:38: Sonntag um ca. 14 Uhr soll ein SchülerInnenvernetzungstreffen stattfinden. Unter tosendem Applaus spricht der Schulsprecher einer Wiener Schule, der an der Besetzung teilnimmt. Denn Bildung und die damit verbundenen Forderungen beginne schon vor der Uni.

UPDATE 20:27: Heute um 21 Uhr findet eine Veranstaltung der Gruppe "Verstand mit Widerstand" statt. Thema: Jedem Bürger sein Bildungskonto. Treffpunkt: infopoint

Morgen sind drei Workshops geplant: 14 Uhr "Gewaltfreie Kommunikation" um 16 Uhr zu "Praxis und Geschichte von StudentInnen-Bewegungen" und parallel "Bachelor angreifen"
Ideen und Organisation weiterer Workshops sind willkommen.

Die IG LektorInnen hat sich mit der Besetzung solidarisiert. Es ist angedacht zu dessen Vollversammlung am Dienstag eine Delegation zu schicken.

UPDATE 20:02: Eine Strassentheateraktion wird organisiert. Treffpunkt: Morgen nach dem Plenum am Infopoint. Nur eines wird vorerst verraten: Warnwesten werden gebraucht.
Abendprogramm für Heute: Keine Party. Zwei Filme werden gezeigt: Pretty Cool System und Summer of Resistance, mit anschließender Diskussion. Und Musiker haben sich angekündigt.

UPDATE 19:56: Die Volxküche gibt bekannt: Es gibt für zwei Tage Essen, die Besetzung kann weiter gehen!

Die Gruppe Mobilisierung bastelt an einem Schneeballeffekt und sucht Flyervorschläge: unibrennt.flyer@gmail.com

Die Forderungen (siehe Update um 16 Uhr), Audimaxbesetzung und die Freiebildung.at-Homepage sollen darauf erwähnt sein.

UPDATE 19:51: Riesiger Applaus nach dem Vorschlag, dass der Verband gehörloser Studierender nächste Woche in den Audimax kommt, sich mit der Besetzung solidarisiert und seine Forderungen (etwa: Dolmetscher in allen Lehrveranstaltungen) formuliert. In den Hauptforderungskatalog der Besetzung wird außerdem aufgenommen, dass an allen österreichischen Hochschulen der Behindertengleichstellungsgrundsatz und barrierefreies Studieren realisiert wird.

UPDATE 19:45: Von den Organisatoren kommt der Aufruf zwischen sechs und zehn Uhr früh noch mehr Leute zu organisieren, hier gab es die letzten Tage ein Manko an Besetzern, man will das Risiko einer Räumung eindämmen.

Eine Gruppe hat sich mit Fehlern bei vergangenen Streiks beschäftigt und will aus diesen für die aktuelle Besetzung lernen. Betont wird die Wichtigkeit ein positives Bild nach Außen zu tragen, die Gunst der Bevölkerung zu gewinnen und die Vernetzung mit anderen Protestgruppen. Es wird empfohlen einen Streikrat zu gründen, der mit dem Plenum eng verbunden ist.

Der Salat der Volxküche schmeckt ausgezeichnet und hält hungrige Besetzer bei Laune.

UPDATE 19:44: Der Hauptsaal des Audimax ist während des Plenums rauchfrei erklärt worden. Zum Rauchen soll auf die Galerie gegangen werden.
Eine Arbeitsgruppe rund um Studierende der Internationalen Entwicklung hat Montag eine Demo gegen den Nationalfeiertag geplant: "Mehr Geld für Bildung als für Waffen."
Der Protest wird systematischer und organisierter: internatinale Studierendenvertretungen werden kontaktiert. Die Arbeitsgruppe Presse ist voll beschäftigt, auch mit internationalen Medien: Le Monde interessierte sich für die Besetzung. RTL wird erwartet.
Der Livestream ins Plenum hat bereits 500 Zuschauer.

UPDATE 19:11: Das Plenum hat begonnen. Punkte der Tagesordnung: Vandalismus (schlechtes Außenbild) und Sexismus, das Rauchen während des Plenums im Audimax, Ergebnisse der Arbeitsgruppen sollen vorgestellt und abgestimmt werden, Perspektive: Was geschieht die nächsten Tage. Es soll die Anfrage auf Solidarisierung von den Metallern diskutiert werden. Dann soll eine Reflexion über das Plenum stattfinden, bevor die Diskussion zum "open micro" übergeht: jeder kann eine bestimmte Redezeit seine Position kundtun.

UPDATE 18:46: Skype-Verbindung nach Graz ist geglückt. Die Besetzer - ca. 50 Leute - bleiben. Kommenden Dienstag ist eine große Versammlung an der Uni Graz geplant. Bands haben sich dazu bereits angekündigt. Nun wird im Audimax das Plenum organisiert.

UPDATE 18:27: Das Audimax ist wieder voll. Auch auf dem Gang ist viel los: die Volxküche voll bei der Arbeit.

Im Saal selbst wurde gerade eine Skype-Schaltung in die besetzte Akademie der Bildenden Künste aufgemacht. Es gibt einen Austausch über das Streikprogramm: Heute Abend gibt es an der Akademie ab 20 Uhr Filmabend: Arbeiterfilme aus den 30er-Jahren, mit abschließender Diskussion.

Am Montag: 11:00 Treffen vor dem Unterrichtsministerium, wo man Schmidt eine aktuelle Stellungnahme zum Lehramt abnehmen will.

Dienstag: 13:00 Großes Plenum, wo alle aufgerufen sind zu kommen: "Was momentan in der Bildung alle angeht."
Nun wird versucht eine Skype-Verbindung zu den Besetzern nach Graz aufzubauen. Die Protestgruppen arbeiten an der Vernetzung.

Anschließend gehts im Audimax mit einem großem Plenum weiter.

UPDATE 18:19: Livestream zum Plenum, das in Kürze beginnen sollte. Es soll auch Liveschaltungen nach Graz geben. Die Reihen im Audimax sind wieder besser gefüllt als noch am Nachmittag.

UPDATE 17:00: Nachdem die Aktivitäten auf der Uni Wien am Nachmittag ein wenig abgenommen haben, sollte das Audimax sich gegen Abend hin aber wieder füllen. Um 18 Uhr findet das nächste Plenum statt. Möglicherweise wird eine Skype-Konferenz zwischen dem Audimax, der Grazer Vorklinik und der Akademie der Bildenden Künste stattfinden.

Für die Versammlung am Dienstag sind schon diverste Bands an die Besetzer herangetreten, die Solidaritäts-Konzerte spielen wollen.

Auf Facebook haben sich mittlerweile auch Anit-Besetzungs-Gruppen gebildet. Eine davon ist beispielsweise die "Studieren statt Blockieren"-Gruppe

UPDATE 16:45: Auch die TU Wien hat begonnen, zu "brennen".

UPDATE 16:30: Das Grazer Plenum will bis morgen, Sonntag, eigene, Graz betreffende Forderungen formulieren. Dafür nehmen sie sich eine ganze Nacht lang Zeit und tun es den Wiener Hörsaalbesetzern gleich: Sie wollen die Vorklinik auch diese Nacht besetzen. Für Dienstag ist eine große Versammlung geplant.

UPDATE 16:15: Das Plenum an der Uni Graz ist übrigens vorbei. Um 17 Uhr wollen die Studierenden nochmal zusammenkommen und in Arbeitsgruppen gehen.

UPDATE 16:00: Die Liste der Forderungen wurde aktualisiert. Diese wären:

- Ausfinanzierung der Unis
- Demokratisierung der Unis und Stärkung der studentischen Mitbestimmung
- Schluss mit prekären Dienstverhältnissen für Lehrende, Forschende und Arbeiterinnen
- Freie Masterzugänge und keine verpflichtenden STEPS
- Abschaffung der immer noch bestehenden Studiengebühren (auch für Migrantinnen)
- Keine Studienbeschränkungen EU-weit
- Weg mit fixen Erweiterungscurricula; für freie Wahlfächer
- Weg mit Vorraussetzungsketten
- Weg mit Punkte-Anmeldesystem
- Schluss mit dem Bolognaprozess bzw. dem Bachelor-Master-System
- Für die Einführung einer Frauenquote in der Universitätsverwaltung

UPDATE 15:30: Auch auf der Uni Innsbruck soll demonstriert werden. Donnerstag ist anberaumt. In der Zwischenzeit haben auch Lehrlingsvertreter ihre Solidarität bekundet. Die Piratenpartei unterstützt ebenfalls die Anliegen der Besetzer.

UPDATE 15:00: Laut eines Sprechers von Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) ist noch kein Gesprächstermin mit den Besetzern vereinbart worden, weil auch kein Gespräch angefragt wurde. Man wäre aber "jederzeit gerne" zu Gesprächen "mit den offiziellen ÖH-Vertretern" bereit, heißt es auf derStandard.at-Anfrage.

UPDATE 14:30: In Graz haben sich ca. 70 Leute versammelt, bis 15:00 Uhr sollen es aber noch mehr werden. Man erarbeitet die Positionen.

UPDATE 14:00: Das Plenum in Graz ist in Gange.

UPDATE 13:45: Das Kollektiv Kindergartenaufstand solidarisiert sich mit den Besetzern - "anderen im Bildungssystem Aktiven, die für Verbesserungen auftreten" - und sieht Gemeinsamkeiten. "Wir fordern mehr Geld für Bildung - vom Elementarbereich bis zu den Universitäten", heißt es in der Erklärung. Auch der Wiener Gemeindebau Am Schöpfwerk solidarisiert sich mit den Besetzern.

UPDATE 13:30: Das erste Plenum geht zu Ende. Die Arbeitsgruppen formieren sich und machen sich an die Arbeit. Die nächste gemeinsame Diskussion im Plenum gibts um 18 Uhr, wo die Ergebnisse präsentiert und das genaue Abendprogramm besprochen werden soll. Bis dahin gibts einige selbstverwaltete, offen zugängliche Workshops.

UPDATE 13:15: Die Mehrheit im Plenum ist dagegen, heute Nacht wieder eine Party zu machen. Das Alternativprogramm: Ein gemeinsamer Filmabend. Alles deutet also darauf hin, dass die Studierenden nicht daran denken, am Samstag den Hörsaal zu räumen und den Protest zu beenden.

UPDATE 13:00: Die Koordination zwischen Arbeitsgruppen und Plenum wird besprochen. Denn die Diskussion zwischen so einer großen Menschenmenge gestaltet sich schwierig. Gerade ist gegen eine Diskussionspause entschieden worden. Ein nächstes Plenum um 18 Uhr ist bereits fixiert.

Unterdessen bearbeiten viele Freiwillige die beschmierten Wände und Bänke mit Aceton, das Chemiestudenten aufgestellt haben.

UPDATE 12:30: Im Plenum wird die Lebensmittelversorgung besprochen, die für alle gesichert sein soll. Es gibt schon Frühstück und vom gesammelten Geld sind noch etwa 300 Euro übrig. Versucht wird eine "Volxküche" aufzubauen. Großer Solidaritätsaufruf an die Bevölkerung: gebraucht werden Kochutensilien, Besteck und Lebensmittelspenden jeder Art.

Noch eine Anmerkung zum Vandalismus: Die Runde ist sich darüber einig, dass dies ein politischer Protest ist und keiner, der die Uni beschädigt. Gespraytes wird, soweit es geht, abgewaschen.

UPDATE 12:15: Plena werden um 13:00 Uhr auch in der besetzten Vorklinik und von der IG Publizistik um 14 Uhr am Institut für Publizisitk und Kommunikationswissenschaften abgehalten.

UPDATE 12:00: Das Plenum im Audimax in Wien ist voll im Gange. Während der Saal in der Früh noch spärlich besetzt war, ist die Zahl der Menschen mittlerweile auf ca. 200 angestiegen. Diskussionspunkte sind: die nächtliche Party, die Sachbeschädigung (offenbar ist in der Nacht einiges zerstört worden, s. u.) und die weitere Vorgehensweise, was die Tagesordnungspunkte betrifft.

UPDATE 11:30: Auch auf der Uni Graz wird ein Plenum abgehalten. Beginn 13 Uhr. Die Grazer haben eine lange Nacht hinter sich: Bis 4 Uhr in der Früh hatten sie musikalische Unterstützung. Ein DJ vom Elevate-Festival wurde abgezogen, um unter den Studenten gute Stimmung zu verbreiten.

UPDATE 11:00: Das Plenum hat begonnen.

UPDATE 10:45: Nach Angaben des Vorsitzteams der ÖH-Wien findet gerade ein Organisationstreffen statt, in Vorbereitung auf das Plenum um 11 Uhr in der großen Runde. Davor hatten sich ca. 30 Studenten freiwillig erklärt, den Saal aufzuräumen. Ungefähr 70 Studierende sind im Audimax. Zu Mittag, um 12 Uhr, finden weitere Proteste statt.

UPDATE 09:30: Einige dutzend Studierende der Uni Graz haben die ganze Nacht über im Gebäude ausgeharrt. Nach zögerlichem Beginn kommen die Uni-Proteste auch in der steirischen Landeshauptstadt in Fahrt.

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Audimax, Tag 3: 

Ursprünglich hätte am Samstag Vormittag im Audimax eine Prüfung für das Aufnahmeverfahren in der Psychologie stattfinden sollen. Die Ironie dabei: Damit haben die gegen Platzbeschränkungen kämpfenden Besetzer Studienanfänger verdrängt, die um einen Platz in der Psychologie kämpfen.

Die Uni-Leitung hat die Prüfung kurzfristig in mehrere Hörsäle im Alten AKH verlegt und auf zwei Termine aufgeteilt.

Große Schadenssumme

Der Schaden für die Uni dürfte mittlerweile in die Hunderttausende gehen. Allein der erste halbe Besetzungstag und die erste Nacht hätten Kosten von rund 100.000 Euro verursacht. Diese Summe beinhalte etwa die Zusatzkosten für den Sicherheitsdienst, verstärkte Reinigungsdienste sowie diverse Schäden wie etwa kaputte Lampen oder beschmierte Wände.

Dazu kommen nun noch die Zusatzkosten für die Prüfungsaufsicht, da die Prüfungen nun in mehreren Hörsälen sowie in mehreren Durchgängen abgehalten werden müssen. In der vorlesungsfreien Zeit waren außerdem Baumaßnahmen vorgesehen, die nun verschoben werden müssen.

Solidaritätsbekundungen und Kritik

Unterdessen kommen von diversen anderen Unis Solidaritätsadressen, aber auch Kritik. Die Hochschülerschaft an der Technischen Universität Wien unterstützt in einer Aussendung die Proteste und will am Dienstag selbst eine Hörerversammlung abhalten. Die VP-nahe AktionsGemeinschaft sowie die von ihr dominierten Hochschülerschaften an den Medizin-Unis Wien und Innsbruck forderten zwar ebenfalls mehr Mittel für die Unis, distanzierten sich aber von "Vandalismus" und "Protesten zur Durchsetzung studentischer Forderungen, die für Sachbeschädigungen und Partys missbraucht werden". (APA, Julia Grillmayr, Marijana Miljkovic, Colette M. Schmidt, derStandard.at, 24. Oktober 2009)

  • Der größte Hörsaal der Uni Wien, noch immer der zentrale Ort der Proteste. Andere Uni-Städte folgen.
    foto: chv

    Der größte Hörsaal der Uni Wien, noch immer der zentrale Ort der Proteste. Andere Uni-Städte folgen.

  • An der Uni Graz haben sich ungefähr 70 Studierende zum Protest versammelt.
    foto: colette m. schmidt

    An der Uni Graz haben sich ungefähr 70 Studierende zum Protest versammelt.

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