Viele Sprachen im Kopf

23. Oktober 2009, 19:21
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Wer als Kind zwei Sprachen lernt, trainiert damit sein Gehirn - Allerdings tritt unter mehrsprachig aufgewachsenen Kindern Stottern etwas häufiger auf

Frage: Welche Vorteile hat es, wenn man schon als Kind zwei Sprachen lernt?

Antwort: Kinder, die zweisprachig aufwachsen, haben nicht nur den Vorteil, dass sie eine Sprache recht leicht lernen. Durch die Zweisprachigkeit wird auch ihre Fähigkeit gefördert, abstrakt zu denken. Eine israelische Studie hat außerdem gezeigt, dass das Altern des Gehirns durch das schon frühe Lernen und Sprechen verschiedener Sprachen womöglich verlangsamt wird.

Frage: Hat es auch Nachteile von klein auf zwei Sprachen zu lernen?

Antwort: Eine britische Untersuchung von Kindern, die stotterten, hat gezeigt, dass jedes fünfte von ihnen zweisprachig aufgewachsen ist - das gab den Forschern zu denken. Sie entdeckten bei der Studie, die sie mit 317 Kindern durchgeführt haben, auch noch etwas: nämlich dass es bei zweisprachig aufgewachsenen Kindern schwerer ist, den Sprachfehler zu korrigieren. Allerdings fanden sie auch eine Möglichkeit, das Stotter-Risiko zu minimieren: Wenn ein Kind eine zweite Sprache erst erlernt, wenn es bereits älter als fünf Jahre ist, dann soll das Risiko, dass es stottert, viel geringer sein.

Frage: Merken kleine Babys, ob jemand die Sprache wechselt?

Antwort: Kanadische Forscher haben dazu Erstaunliches herausgefunden: nämlich dass Babys, die zwischen vier bis sechs Monate alt sind, an der Mimik des Sprechers unterscheiden können, ob dieser gerade seine Muttersprache oder eine Fremdsprache spricht. Kinder, die einsprachig aufwachsen, verlieren diese Fähigkeit im Alter von zirka acht Monaten wieder. Babys, die zweisprachig aufwuchsen, konnten in den Tests des internationalen Forscherteams der University of British Columbia Sprachen auch später noch allein durch Ansehen des Sprechers auseinanderhalten.

Frage: Wie haben die Forscher das getestet?

Antwort: Den Babys wurden Videos (ohne Ton) vorgespielt, auf denen ein Sprecher in seiner Muttersprache einen Satz sagte. Dann wurde ihnen das gleiche Video oder das Video von demselben Sprecher, der den Satz in einer Fremdsprache sagte, gezeigt. Dabei wurde genau darauf geachtet, wie die Babys auf die Videos reagierten. Es zeigte sich: Die Babys beobachteten das zweite Video aufmerksamer, wenn der Sprecher darin den Satz in einer anderen Sprache sagte als zuvor.

Die nächste Ö1-Kinderuni am Sonntag um 17.10 Uhr widmet sich dem Thema "Was ist ein kreativer Kopf? Vom Ausdenken und Erfinden." Am Samstag im Standard. (Gudrun Springer, DER STANDARD Printausgabe, 24./25./26.10.2009)

 

der Standard Webtipp:

http://oe1.orf.at

www.kinderuni.at

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