"Immer wieder, immer wieder Österreich"

23. Oktober 2009, 18:58
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Die Uno-Mitarbeiter und ihre Familien bleiben nur für eine begrenzte Zeit – Wurzeln schlagen ist deshalb schwer

Wien - Das Foto des Monats prangt gegenüber der Cafeteria im C-Gebäude der Wiener Uno-City. Diesmal ist es eine rosa Blüte in Nahaufnahme, Wassertropfen auf den Blättern, davor eine Knospe, das alles unter dem Titel Open Theme, der Fotograf stammt aus Chile und lebt in Österreich. "Sponsored by the UN Photo Club" ist zu lesen.

Der Club ist einer der beliebtesten der Wiener Uno-City. Doch bei weitem nicht der einzige: 60 listet das dafür zuständige Komitee auf, von der African Women Association, dem Badminton und dem Bible Club über Schach, türkische Kultur und den Gartenfreunden bis hin zum Club Filipino, den Amateurfunkern und den Toastmastern. Viel Sport. Jüngster Neuzugang: der Indische Club. Eigentlich, sagt eine UN-Diplomatin, brauche man in Wien nur ein Bett. "Alles andere kann man in der Uno-City machen, sogar duschen."

Die Uno auf der anderen Seite der Donau gilt vielen als abgeschlossener Kosmos, der kaum mit dem Leben in Österreich in Berührung kommt - wenngleich zumindest die Hobbyclubs für jedermann offen sind.Im VIC-Supermarkt können die Mitarbeiter einkaufen, es gibt eine Apotheke, die Bibliothek, Banken, den DVD-Verleih, den Kindergarten. "Eine Welt für sich" , sagt ein Diplomat aus Indien.

Anders als die Wahl-Österreicher, die sich hier niedergelassen haben, sind die Uno-Mitarbeiter und ihre Angehörigen meist nur für einen begrenzten Zeitraum im Lande, bevor dann ein neuer Posten an einem neuen Standort kommt oder sie zurückgehen in ihr Heimatland. "Es ist deshalb sehr schwierig, hier Wurzeln zu schlagen" , sagt die Südafrikanerin Ann Heard. Heimat - das sei für viele eben auch ihr Herkunftsland.

Wie schwierig es sein kann, neu in Österreich zu sein, das erfährt Ann Heard in ihrer täglichen Arbeit. Sie ist nicht Diplomatin, sondern die Ehefrau eines UN-Mitarbeiters und Präsidentin der UN-Frauengilde (UNWG). Der Verein engagiert sich für soziale Anliegen und hilft Neuankömmlingen, sich zurechtzufinden. "Unsere Männer sind überwiegend in einer englisch-sprachigen Umgebung" , sagt Heard über die Situation der Gattinnen. "Aber wir haben es direkt mit der Gemeinde zu tun."

Neben ganz praktischen Tipps für die Neo-Wienerinnen - Heard: "Einkaufen. Wo finde ich was." - bemüht sich UNWG auch um Kontakt mit der österreichischen Gesellschaft. "Das ist wichtig, wir leben hier." Höhepunkt: Der UNWG-Basar im Austria Center mit Produkten aus aller Welt und tausenden Besuchern, in diesem Jahr am 28. November. Das Geld geht an Kinder-Projekte, zuletzt auch an ein österreichisches zur Behandlung traumatisierter Jugendlicher.

Vieles ist einfacher geworden: Mehr Menschen in Österreich sprächen heute Englisch als noch vor zehn Jahren, sagt die Südafrikanerin Heard, die 2001 erstmals nach Österreich kam. Doch die Sprache bleibt eine Barriere, um sich integriert zu fühlen und sich nicht abzukapseln, wie Stefano Berterame aus Italien weiß. "Wer sich nicht die Mühe macht, Deutsch zu lernen, neigt dazu, isoliert zu bleiben" , so der Diplomat und Personalvertreter beim UN-Drogenbüro, der seit 1992 hier lebt. Und die mache sich eben nicht jeder, der wisse, dass er Österreich in vier oder fünf Jahren wieder verlässt.

Anders der Nachwuchs der Uno-Mitarbeiter und Diplomaten. "Für meine Kinder ist Italien eindeutig nicht die Heimat" , sagt der aus Rom stammende Berterame, der seine Frau, ebenfalls eine Italienerin, in Österreich kennengelernt hat. Zu Hause wird zwar italienisch gesprochen, "aber wenn sie miteinander spielen, sprechen sie deutsch" . Und das, obwohl seine vierjährige Tochter den - öffentlichen - Uno-Kindergarten besucht und sein Sohn, acht Jahre alt, die Vienna International School, wo er vor allem Englisch spricht.

Einmal, im Urlaub in der Türkei, erzählt Berterame, sei sein Sohn gefragt worden, woher er komme. "Da sagte er: aus Wien." Und: "Ich hab ihn auch schon singen gehört: ‚Immer wieder, immer wieder, immer wieder Österreich." (Julia Raabe /DER STANDARD, Printausgabe, 24.10.2009)

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    Die internationale Wiener Uno-City: Mehr als 4000 Menschen aus mehr als 100 Ländern arbeiten hier.

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