Das qualitativ Neue an der Buwog-Affäre

23. Oktober 2009, 18:57

Ein Poster auf derStandard.at möchte zur Buwog-Affäre wissen, ob früher auch solche Sitten geherrscht hätten oder ob das KHG-Freunderlsyndrom neue Qualität besitzt

Ein Poster auf derStandard.at möchte zur Buwog-Affäre wissen, ob früher auch solche Sitten geherrscht hätten oder ob das KHG-Freunderlsyndrom neue Qualität besitzt.

Nun, politisch gedeckte oder sogar veranlasste Korruption hat es in der Zweiten Republik von Anfang an gegeben. In der Affäre Krauland (VP) knapp nach dem Krieg ging es um verstaatlichte Betriebe. Der verstaatlichte Sektor - der lange größer und wichtiger war als der Private - besaß überhaupt so etwas wie eine strukturelle Korruption. Die beiden herrschenden Parteien ÖVP und SPÖ bedienten sich beim öffentlichen Gut: durch direkte Parteifinanzierung, durch Besetzung von Posten mit Günstlingen. Nicht nur in Toppositionen. Die personelle Überbesetzung bei ÖBB, Post, Verbund, Vöest etc. war ein Wählerbestechungsinstrument der Parteien (meist der SPÖ).

Dann gibt es kriminelle Fälle wie die "Lucona" -Affäre. Der sowohl bunte wie düstere Typ Udo Proksch versuchte einen Großversicherungsbetrug mit einem Schiff, das er versenkte. Leider gingen dabei sechs Matrosen drauf. Der Darling der Wiener Schickeria mit Zugang zu Models wurde lange gedeckt: von der SPÖ (Außenminister Gratz), der mitregierenden FPÖ (Justizminister Ofner), von Polizei und Justiz. Auch die Krone hielt erstaunlich aktiv an der Unschuldsvermutung fest. Die ÖVP hatte ebenfalls ihre Affären, sie waren aber bescheidener als bei der lange Zeit alleinregierenden SPÖ. Macht korrumpiert, totale Macht korrumpiert total (Lord Acton).

Was also ist der Unterschied zu heute? Zunächst die Summen. Bei der Steuerhinterziehung, die dem damaligen Finanzminister Hannes Androsch vorgeworfen wurde (und wofür er rechtskräftig verurteilt wurde), ging es um sechs Millionen Schilling. Die durch nichts zu begründende und steuerhinterzogene Provision für die Grasser-Freunde Meischberger und Hochegger umgerechnet rund 130 Millionen Schilling.

Die wirklich neue Qualität besteht aber im ideologischen Ansatz. Politische Korruption war hauptsächlich dadurch bedingt, dass der Staat und damit die Parteien so viel Einfluss in der Wirtschaft hatten. Die Regierung Schüssel, also die ÖVP-FPÖ-Koalition, war mit dem Anspruch angetreten, mit der überbordenden Staatswirtschaft aufzuräumen.

Haider hatte als Oppositioneller erbarmungslos Postenschacher und Korruption der großen Koalition angegriffen. Und was taten sie, kaum an der Macht? FPÖ-Günstlinge kamen massenhaft zum Zug. Der Immobilienmakler Plech, ein äußerst rechter FPÖler, wurde in den Vorgang der Privatisierung eingeschleust. 62.000 Wohnungen wurden zu einem Stückpreis von durchschnittlich 15.000 Euro (!) an einen laut Zeugenaussagen vorherbestimmten Bieter (Es gilt die Unschuldsvermutung) verklopft. Es flossen zehn Millionen Euro Provisionen an Freunderln des Finanzministers.

Schüssel sah diesem und ähnlichem Treiben zu. Was er und die FPÖ als "neues Regieren" gerühmt hatten, bot enorm viel Filz, womit im Übrigen auch die grundsätzlich richtige Idee eines Rückbaus des Staatseinflusses auf die Wirtschaft diskreditiert war.  (Hans Rauscher, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25./26.10.2009)

Kommentar posten
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Schilcherfreund
02
27.10.2009, 14:41
Dimensionen (oder: Androsch versus Grasser-Freunderln)

Basis: VPI 1986 (verkettet):
1991: 113,1
2002: 143,80 (Quelle: Statistik Austria)
somit waren die ATS (!) 6 Mio. von Androsch inflationsbereinigt 2002 so an die ATS 7,63 oder rund EUR 550000.

1116er
01
27.10.2009, 12:03
hinter jedem großen vermögen steht ein verbrechen.

(mario puzo, der pate).

gut so, denn verbrechen ist auch eine leistung. und muss sich daher auch lohnen.

auch Briefträger brauchen Liebe..
00
18.4.2012, 09:15

d.h. jede Armut spiegelt Lauterkeit und Ehrlichkeit wider

Marquis de Venosta
00
18.4.2012, 09:30
Nein.

Gemäß Aussagenlogik lautet der korrekte Umkehrschluss "Kein Verbrechen => kein Vermögen" und nicht umgekehrt.

Nicht jeder Verbrecher wird reich. Also kann man aus geringem Vermögen auf gar nichts schließen.

donquichotesenior
01
27.10.2009, 11:16
Wozu die SPÖ Jahrzehnte braucht

schafft die ÖVP in zwei Jahren. Siehe Bundesministerium für Innere Angelegenheiten, Herr STRASSER. Und das Wesentliche dabei: Es gibt weder politische noch strafrechtliche Konsequenzen.

Michael Tfirst
 
01
26.10.2009, 18:48
Zu Buwog und Hochegger: Hat sich womöglich auch die katholische Kirche (speziell das Opus Dei) irgendwie durch den Buwog Skandal bereichert? Seit Jahren bringe ich in etlichen Postings Hochegger.com mit dem Opus Dei in Verbindung.

Würden meine Kommentare, die ich wie gesagt seit Jahren (auch im Standard) veröffentlichte nicht stimmen, hätte mich die Agentur Hochegger längst geklagt. Hochegger.com ist beim internationalen Netzwerk des amerikanischen PR-Giganten Burson-Marsteller und das bedeutet: Opus Dei.

Details auf Meiner Homepage „Der Wehrmann spricht“. Dieses Kapitel steht nicht ganz am Anfang, also ein wenig auf der Seite hinuterscrollen, aber nicht zu weit. Die Stelle ist leicht ersichtlich, wo ich diese Frage stelle und die Nähe zum Opus Dei untermauere:

http://kunstvonmichaeltfirst.blogspot.com/

MfG
Michael Tfirst

francesco100
01
26.10.2009, 16:54
politische Verantwortung

Seit der Schüssel-Regierung hat kein Regierungsmitglied die "verantwortung" übernehmen müßen und ist zurückgetreten. Alle Anschuldigungen und Untzersuchuchungen wurden abgewügt und nach blauer Diktion in das Reich des H.Nitsch verbannt. (Anschüttung, Anpatzen)
Der letzte war Kanzler Vranizki der aufgeräumt hat und dann die Wahlen Haushoch gewonnen hat.
Der schönste, aber unfähigste Finanzminister aller Zeiten, wird auch eine von schwarz auf weiß gefärbte Weste bekommen.
Das sind die Reformen die Schüssel durchgezogen hat.
Ich war 40 Jahre ein Schwarzer.

zithro max
19
26.10.2009, 16:16
Hallo Rau. Bitte die ganze Wahrheit

Warum werden in der Geschichte der Freunderln- und Selbstbedienungswirtschaft immer nur Verstaatlichte und SPÖ genannt und über das System Raiffeisen ausser acht gelassen, das ein Freunderlbewirtschaftungsystem allergrößten Ausmaßes aus Landwirtschafts(förder)gelderabschöpfung aufgebaut hat . Ist denn katholische Genossenschaft automatisch besser als rote Genossenwirtschaft? Oder liegt es daran dass die einen (SP) am Ende sind aber die anderen noch immer volle (Eigentümer)-Tröge für viele zu bieten haben (auch als Medienfinanzies).

Schüssel Biograf Walter Moers
02
26.10.2009, 14:35

Das Neue war der Auftritt von Finz!

Von da an wurde nicht einmal mehr versucht, den Anschein zu wahren. Kritik wurde nicht mehr kommentiert, geschweige denn zu entkräften versucht, sondern einfach als Vaterlandsverrat denunziert.

"Das lass ich mir nicht madig machen" - Der Stehsatz von Schüssel und Molterer.




viridisdens
04
26.10.2009, 13:09
der neue herr karl - khg

und seine freunde unterscheiden sich auch durch die geschwindigkeit, in der sie für sich und ihre freunde zugegriffen haben!

Trallali Trallala
01
26.10.2009, 17:38
Ja, schnell waren sie!

Werden sie jetzt auch "schnell" mit Verurteilung abgestraft? Ich bin skeptisch, ehrlich gesagt, dass KHG verurteilt wird. Er hat viele viele viele bedeutende und einflussreiche Freunde.

In Ö geht eigentlich in diesen Kreisen gar nichts ehrlich und mit rechten Dingen zu. Aber von unseren Steuern dürfen sich eigentlich viele bedienen.

Ingrid Goeschl1
02
26.10.2009, 11:07
Vielleicht können mir auch die Damen und Herren von FPÖ und BZÖ

zumindest nicht widersprechen, wenn ich die Meinung vertrete, dass Korruption immer bestraft gehört, egal aus welcher politischen Ecke sie kommt.

Gegenrechnen von Unrecht ist immer unsinnig.

Selbstverständlich sollte mensch sich bei der nächsten Wahl aber auch ein bissl überlegen, wo die meiste Korruption herrschte, der größte Schaden angerichtet wurde und Leute am unverschämtesten von der Staatsanwaltschaft geschützt wurden.

Nik M
01
26.10.2009, 11:42
Da werden ihnen wohl nicht nur FPOe/BZOe widersprechen,

sondern auch OeVP Vertreter. Strasser, dessen Amtsmissbrauchsanklage vergessen wurde, der also nicht in einem regulaeren Gerichtsverfahren fuer nicht schuldig befunden wurde, nach all den Emails "er ist zwar ein Idiot, aber ein Schwarzer", "Du bist ein bisserl farbenblind", "Danke fuer die Intervention", ist zum Lohn fuer seine gute Arbeit als OeVP-Delegationsleiter nach Bruessel geschickt worden.

dr mike
40
26.10.2009, 10:39

Androsch 6 Mio Schilling
Grasser 130 Mio Schilling

Wenn man die Teuerungsrate Geldentwertung bedenkt so ergibt sich kein Unterschied zwischen beiden.

Trallali Trallala
01
26.10.2009, 17:41
Nein das ist bitte nicht lustig.

Ich glaube, dieser Poster meint es bitter ernst.

Idefix der zweite
 
01
26.10.2009, 17:11

Soll das jetzt lustig sein?

kapitän nemo
01
26.10.2009, 16:50
ein bisserl rechnen sollte man schon können, wenn man mit den erwachsenen mitposten möchte!

inflation mal faktor 21 seit 1980 ist natürlich unsinn!
oder glauben sieman hat damals einen mittelklassewagen um 13.000 Ös bekommen? ( es waren wohl eher 100.000ös)
oder eine wurtsemmel um 35groschen? (es waren ca 5 schilling)

weiters konnte man bei androsch zumindest davon ausgehen, dass er die 6 mio legal verdient hatte, er hatte das geld bloß nicht verteuert

beim buwogskandal ist die provisionszahlung von 10 Mio eur durch nichts gerechtfertigt, und ZUSÄTZLICh nicht versteuert
der wahre skandal besteht aber darin dass hier volkseigentum zu unverschämt niedrigen preisen verschenkt wurde, nämlich eine wohnung für 15.000eur

Poldi Fesch
01
27.10.2009, 13:22
um genau zu sein,

kostete mitte der 70er der Einsergolf mit 70 PS, ca. ATS 70.000.- der GTI mit 110 PS 110.000.- u. die kleinste S-Klasse, 280 SE, eben 250.000.- das war leicht zu merken

Antony Buntspecht
00
26.10.2009, 10:34
Um Objektivität bemüht, aber

leider hat Herr Rauscher auch einige blinde Flecken auf dem SPÖ-Auge. Androschs Millionen sind heute auch mehr wert, er darf ruhig eine 0 anhängen. Grasser hat nicht Steuern unterschlagen sondern einige seiner Bekannten. Wenn Österreich Jahrzehnte unter schwarz/rot aufgeteilt war und Schüssel/Haider das aufbrechen wollten, müssen ja andere Leute zum Zug kommen, sonst hätte sich ja überhaupt nichts geändert. Darunter leidet das früher total rote Innenministerium ja noch heute und man ist Strasser besonders böse, dass er da ein wenig (über die Methoden lässt sich streiten) aufgeräumt („umgefärbt“, wie die Linken sagen) hat.

Idefix der zweite
 
02
26.10.2009, 17:21

Eine Null anhängen, das wäre der Faktor 10, und das ist lächerlich.

Wer mit dem Anspruch antritt, "aufzuräumen", und dann nachweislich (siehe Strasser Emails) wissentlich Posten an unfähige Leute mit dem richtigen Parteibuch vergibt, ist noch um einiges übler als jemand, der das einfach macht, weil es jahrzehntelange Tradition war - wobei ich keinesfalls meine , dass letzteres auch nur im Entferntesten in Ordnung wäre.

t-bonesteak
00
27.10.2009, 12:40
faktor 10 dürfte bei einrechnung der jährlicheninflation seit damals wohl angemessen sein

Poldi Fesch
01
27.10.2009, 13:25
dann muesste das

Einsteigermodell in die S-Klasse € 185.000 bzw. in den Golf € 52.000.- kosten

Nik M
01
26.10.2009, 09:57
"die grundsätzlich richtige Idee eines Rückbaus des Staatseinflusses auf die Wirtschaft diskreditiert"

Das konnte nicht anders ablaufen. Der Wirtschaftsliberalismus, wie viele Ismen, mag in der Theorie ganz nett klingen, fuehrt aber in der Praxis im besten Fall zu Freunderlwirtschaft, im schlimmsten Fall zu totalitaeren, moerderischen Regimen wie Franco in Spanien, Pinochet in Chile oder Hitler in Deutschland.

Haette Schussel Geschichtsbuecher konsultiert, haette er gewusst, dass der Wirtschaftsliberalismus zwar gut gemeint ist, aber eine wichtige Konstante in der Rechnung vergessen hat - den Menschen! Der Mensch ist einfach nicht reif fuer einen wirtschaftsliberal-rechtsfreien Raum. Naiv zu glauben, es wuerde sich schon alles von selbst gut regeln, wenn man die demokratischen, staatlichen Kontrollmechanismen ausschaltet.

silent_trust
 
01
26.10.2009, 09:54
Was ist eigentlich mit dem Brief vom Teflonkarli

an die Justizministerin ? Warum wird hier darüber nicht berichtet?

Geheimer Hofrat
05
26.10.2009, 06:53
Institutionalisiertes System

Solange in Österreich Parteispenden anonym möglich sind, wird sich an diesen Zuständen mit Sicherheit nichts ändern.

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