Interkulturelles

Lost in Translation

23. Oktober 2009, 18:11
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    foto: johanna hanno

    Lisa Bjurwald über Wiener Straßen und Keller.

Österreich, seine Bewohner und seine Sitten sind eigentlich japanisch

Eine schwedische Autorin machte sich daran, die Codes zu entziffern und eine Übersetzung zu finden.

***

Ich bin schon herumgekommen, war in Los Angeles und der Dominikanischen Republik. Die Vorstellung, dass mir ein Journalismus-Stipendium in Wien einen Kulturschock bescheren könnte, kostete mich einen Lacher. Also stieg ich in den Flieger und dachte, dass ich in einer besser gelegenen Version von Stockholm landen würde: sauber und kultiviert mit einer Million und noch ein paar Einwohnern.

Meine Neugier war geweckt, als ich im Bordmagazin der Austrian Airlines blätterte. Eine große Geschichte beschäftigte sich mit einem österreichischen Charakterzug: dem Jammern. Seltsam, dachte ich. Welche Nation will sich so darstellen? Es war mein erster Einblick in die österreichische Mentalität, aber nicht mein letzter.

Eigentlich sollte es für eine ordentliche Schwedin keine Lektion in Gehorsam geben. Ich bekam eine - beim Versuch, die Mariahilfer Straße zu überqueren. Zu meiner Linken: ein leergefegter Boulevard, das nächste Auto hunderte Meter entfernt. Zu meiner Rechten: dasselbe. Und doch bewegte sich niemand. Waren wir kurz davor, von der Tour de France überrollt zu werden? Nein, man wartete nur auf das Grün der Ampel. Und es war nur einer von mehreren Aspekten, die mich an Japan erinnerten. Ausgerechnet. Österreichische Männer hören sich eher aus Höflichkeit denn aus Interesse an, was Frauen zu sagen haben, während die Frauen fast Geisha-artig sind in ihrer Unterwürfigkeit. Sie sind immer auf einer masochistischen Diät, etwa der Stängel-Diät: eine Zigarette zum Mittagessen, eine Karotte zu Abend. Gutes Essen ist ein Vorrecht der Männer. Berufstätige Frauen, die nicht im Traum daran dächten, ihr Einkommen als Kellnerinnen zu verdienen, beeilen sich, ihre bedürftigen männlichen Kollegen zu bedienen. Der Gesichtsausdruck eines Österreichers, dem ich erklärte, dass mein Freund das Kochen besorgt, war, als hätte ich ihm gesagt, dass ich meinen Schatz soeben hätte kastrieren lassen.

"Wie viele F.-Witze kann ich in einem Text machen?" , fragte ich einen älteren österreichischen Bekannten. Seine erste Reaktion: "ha ha" , dann ernster: "Äh, nur einen." Also: Wie ist das nun mit den Österreichern und ihren Kellern? Ich ging in ein exklusives Fitnessstudio im sechsten Wiener Bezirk. Alle Oberflächen waren so makellos wie die Frisuren der Mitglieder. Die Angst vor Schweiß, Körperkontakt und schwerer Atmung war fühlbar (da braucht man keine Freud'sche Analyse mehr), die Duschen waren mit superstarken Fuß-Desinfektionsmitteln ausgestattet. Es reichte, um eine Besucherin aus dem Land der Bergman-Neurotiker zu irritieren. Und was um Himmels willen sollte ich für den Sauna-Bereich anziehen? Ich wickelte mich in ein großes Badetuch und fühlte mich irgendwie nackt, als ich die Stufen nach unten nahm - wo ich, unten angekommen, auf das unbedeckte Gemächt eines Mannes starrte. Konichiwa, Wien!

Österreichische Freunde behaupten, dass diese Art von aufwärts/abwärts, unterdrückt/befreit total normal ist. Eine junge Frau kann splitternackt zusammen mit zehn gleichfalls splitternackten Männern in einer geschlossenen Sauna sitzen, ohne um ihre Sicherheit fürchten zu müssen. Weiß nicht sowieso jeder, dass Männer ab einer gewissen Temperatur keine Erektion bekommen? Nun, ich bin nicht lang genug geblieben, um das herauszufinden. (Lisa Bjurwald, DER STANDARD/Printausgabe, 24./25./26.09.2009)

Zur Person:
Lisa Bjurwald (30) ist Journalistin in Stockholm. Sie ist Trägerin des Milena-Jesenská-Stipendiums am Wiener Institut für die Wissenschaften vom Menschen.

Übersetzung: Bettina Stimeder

Kommentar posten
18 Postings
Jake Gittes
01
26.10.2009, 10:43

Die österreichische Herablassung Frauen gegenüber kann man in den Postings gleich direkt studieren.

Einsamer Mensch
00
26.10.2009, 01:02
"Eine große Geschichte beschäftigte sich mit einem österreichischen Charakterzug: dem Jammern."

Und das Gelesene gleich umgesetzt. Bravo.

Miss Austria 2010
01
25.10.2009, 21:53
Prost Frau Bjurwald!

viele männer beleidigt... :D

Rene Stangeler
03
25.10.2009, 13:20
War wohl nie in Japan, die Dame

Japan - Strassen und Gehsteige blitzsauber, ebenso Öffis, Pünktlichkei und Höflichkeit eine Selbstverständlichkeit, selbst die Besoffenen verhalten sich diszipliniert, Dienstleistung hat hohen Stellenwert, Verkaufspersonal ist so bemüht und freundlich dass man als gelernter Österreicher anfangs peinlich berührt ist, keine Handyplärrer in den Öffis oder auch sonstwo, Autofahrer diszipliniert, Körperhygiene und tadellose Kleidung eine Selbstverständlichkeit
usw und so fort.

Also genau das Gegenteil von Österreich.

Was Geishas (eine aussterbender Beruf, hat übrigens nichts mit Sex zu tun) und deren Tätigkeiten sind dürfte die Dame auch nicht wissen.

Ziemlich Schmarrn der ganze Artikel.




manfred666
00
26.10.2009, 23:05
ganz recht

klischees und gegenklischees.
worin besteht bei derartigen artikeln der unterschied zwischen raunzen, besserwisserei und - ähem - "dekonstruktion"?

Zenon
00
25.10.2009, 11:10

Ich denke, das fundamentale Problem bei dem Artikel ist, dass man Schweden kennen müsste, um ihn zu verstehen.

Was ist daran seltsam, in einer Sauna einen nackten Mann zu Gesicht zu bekommen?

Was ist ein F.-Witz?

kibi
00
24.10.2009, 21:10
lustig!! :-))

Silke1979
01
24.10.2009, 10:23
wien IST österreich

das mädchen ist tapfer...

Gabel
00
24.10.2009, 00:27
Recht interessant...

solche Blicke von Außen zu lesen.
Angenehmer, leichter Artikel.

johngillis
05
23.10.2009, 20:47

seltsame erzählung. wert gleich 0

Rene Stangeler
01
25.10.2009, 13:32
Reine Prosa

Die Paralellen zu Japan hat sie sich wohl ausgedacht. Gemischte Badehäuser oder Sauna in Japan? Die Badehäuser in Japan trennen streng nach Geschlechtern.
Geishaartiges Verhalten? Geishas sind selbstbewusste. hochgebildete und bestbezahlte (bis zu 6000 Euro pro Abend) Gesellschafterinnen (kein Sexgewerbe) die in Politik, Kunst usw bewandert sind und keine devoten Tussies.

Auf den anderen Unsinn ('Stängel-Diät, österr. Männer kochen nicht usw) gehe ich lieber nicht ein.

Vielleicht sollte es ja Satire oder Provokation sein - dann aber mit bravour misslungen.

tietokone
00
27.10.2009, 15:58
Stimmt wirklich

Wieso soll das Unsinn sein? Österreichische Frauen sind nun mal nicht gerade emanzipiert, und für überqueren einer leeren Straße habe ich auch schon mehrmals eine Strafe bekommen.

amorphus
00
24.10.2009, 12:46

seh ich auch so

Yhoshi
30
23.10.2009, 19:24
WIEN IST NICHT ÖSTERREICH

nur eine stadt im osten des landes.

im Standard interessiert das wohl niemanden. eh wurscht oda

Außerirdischer
11
24.10.2009, 11:18
Die Grazer mögen mir verzeihen, aber Wien ist die einzige Großstadt in Österreich!

Was Österreich gewaltig fehlt sind Städte so rund um die 500.000 Einwohner. Wir hätten mehr davon, wenn es 3-4 so große Städte gäbe als nur eine Millionen-Metropole im Osten.

p.S.: Im gesamten deutschprachigen Raum ist Wien die drittgrößte Stadt, hinter Berlin und Hamburg, aber noch vor München!

karlFranz
10
24.10.2009, 11:31
Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck

sind die österreichischen Großstädte nach internationaler Definition (Städte mit über 100.000 Einwohnern).

berni berni1
00
25.10.2009, 17:27

dann kannst gleich Klagenfurt auch dazu zählen...(120.000), obwohl meiner Meinung nach echt keine Großstadt.

profiler
00
29.10.2009, 22:06

klagenfurt ist nicht österreich....;-)

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