Brenner ermittelt auf der Bühne

23. Oktober 2009, 17:44
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Das ewige Leben, Hierzegger dramatisiert Haas für Graz

Graz - "Lustig samma - Lustig" verspricht ein Schriftzug aus hunderten Pappbechern im Bühnenbild von Monika Rovan. Wir befinden uns in Graz-Puntigam, genauer: in "Puntigam links" , wie der Volksmund die heutige Sigmund-Freud-Klinik gerne nannte. Simon Brenner, der Ex-Polizist und Detektiv, den Wolf Haas der Welt schenkte, sitzt in einem Rollstuhl auf der Bühne des Grazer Schauspielhauses. Dort sitzt Brenner nun, heimgekehrt in seine Heimatstadt, sich von einem Kopfschuss erholend.

Die Grazer Schauspielerin und Dramatikerin Pia Hierzegger adaptierte den Krimi Das ewige Leben äußerst bühnentauglich - mit Liebe zu den Details der Grazer Eigenheiten, wie der gescheiterten Bürgerwehr oder den slowakischen Bettlern. Regisseurin Christine Eder schafft mit einem starken Team von sechs Schauspielern, die fast das gesamte Roman-Personal geben, einen witzigen Abend: Franz Solar überzeugt als Simon Brenner, der sich von Blackout zu Lucidum intervallum weitertastet. Lange weiß er dabei nicht, ob er einen Selbstmordversuch überlebt hat oder ob ihn sein ehemaliger Kollege, der Grazer Polizeichef, Aschenbrenner, beseitigen lassen wollte, weil er seine dunkle Vergangenheit kennt. Dominik Warta spielt Aschenbrenner umwerfend machtbewusst. Andrea Wenzl fasziniert, wenn sie ohne Bruch von der naiven Krankenschwester zur verlebten Wirtin wechselt.

Thomas Frank erhält als empörter Retter des Abendlandes in Trainingshose nach einer Tirade gegen alles Fremde Szenenapplaus. Auch Sebastian Reiß, der mit einem erfundenen Österreichisch seine Figuren amüsant voneinander abgrenzt, und Susanne Weber als unschuldige Mörderin helfen mit, den Krimi ohne Wertverlust auf die Bühne zu stemmen. Nicht nur lustig, sondern auch böse. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD/Printausgabe, 24./25./26.09.2009)

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