Elektrische Spannung entlarvt Gammelfleisch

26. Oktober 2009, 17:38
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Deutsches Forschungsprojekt schlägt die Impedanzspektroskopie für die Qualitätsbeurteilung vor

Chemnitz - Forschern der Mess- und Sensortechnik an der TU Chemnitz rund um Olfa Kanoun gelang es, mit der Impedanzspektroskopie eine Qualitätsbeurteilung von Fleisch durchzuführen. Das Unternehmen "BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH" hatte die Wissenschaftler für diese Machbarkeitsstudie beauftragt. In Zukunft soll damit ein Messverfahren gefunden werden, mit dem sich die Art und die Qualität von Fleisch einfach und kostengünstig bestimmen läßt.

"Wir haben gezeigt, dass man mit der Methode der Impedanzspektroskopie in der Lage ist, die Alterung von Fleisch genau zu bestimmen", so Elektrotechniker Uwe Tröltzsch, der gemeinsam mit Chris Stöckel am Projekt mitgearbeitet hatte. Zunächst sei es gelungen mit Hilfe der Methode verschiedene Fleischsorten voneinander zu unterscheiden und hinterher auch den Alterszustand festzustellen.

Hintergrund

"Bei der Impedanzspektroskopie wird eine Wechselspannung angelegt und der Wechselstrom bei verschiedenen Frequenzen gemessen", erklärte Tröltzsch. "Wenn Zellstrukturen intakt sind - wenn das Fleisch also frisch ist - weisen sie spezielle elektrische Eigenschaften auf. Wenn es alt wird, platzen die Zellwände auf." Dadurch gehe der Strom im Fleisch jeweils andere Wege. Diese Unterschiede lassen sich mit der Impedanzspektroskopie darstellen.

In Zukunft wollen die Industriepartner ein Gerät herstellen, mit dem der Kunde die Information erhält, ob es frisch ist oder nicht. Dieses könnte in Haushaltsgeräte eingebaut werden. "Wir möchten mit der Impedanzspektroskopie nicht das genaue Alter des Fleischs bestimmen. Aber wir möchten bestimmen, ob es noch essbar ist oder nicht", so Kanoun. Den Einsatz der Impedanzspektroskopie zur Qualitätsbeurteilung von Lebensmitteln hat die Firma übrigens zum Patent angemeldet.

Plan

Die nächste Aufgabe der Chemnitzer Techniker wird es sein, eine kompakte Elektronik zu entwickeln, die die Anforderungen an Kosten und Robustheit erfüllt. "Weitere Anwendungen der Impedanzspektroskopie zur Lebensmittelkontrolle sind ohne weiteres möglich. Etwa für Fisch, aber auch bei Obst oder Käse", so die Professorin. (pte/red)

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