"Es ist 30 Sekunden vor zwölf"

23. Oktober 2009, 17:34
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Quelle Österreich hat zwei Wochen Zeit, um einen Investor zu finden, sagt Vorstandschef Wolfgang Binder und spricht von einer Reihe an Interessenten

Quelle Österreich hat zwei Wochen Zeit, um einen Investor zu finden, sagt Vorstandschef Wolfgang Binder und spricht von einer Reihe an Interessenten. Verena Kainrath fragte nach.

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STANDARD: Wer soll Quelle in Österreich kaufen? Der erhoffte Retter Otto ist hier breit genug aufgestellt.

Binder: Otto hat schon im Juli Interesse an einzelnen Teilen von Primondo (die Versandhandelssparte der insolventen Arcandor-Gruppe; Anm.) gezeigt. Sie sahen sich das internationale Geschäft an, von Ös-terreich explizit war aber nicht die Rede. Wir haben dennoch ein Volumen, das für strategische und Finanzinvestoren interessant ist.

STANDARD: Läuft die Zeit davon?

Binder: Es ist bereits 30 Sekunden vor zwölf. Wir haben 14 Tage, um Investoren zu finden. Es gibt genug internationale Interessenten - aber auch das Risiko, dass es scheitert.

STANDARD: 1000 Mitarbeiter, riesige Logistikcenter, wie ist das zu retten?

Binder: Will wer nur Adressen und Marken, sind wir zu groß. Aber es gibt internationale Szenarien, wo Österreich die Funktion eines Mutterkonzerns übernehmen könnte.

STANDARD: Die deutsche Mutter wird liquidiert. Wie lange laufen die fürs Überleben nötigen Prozesse noch?

Binder: Quelle ist kein kleiner Laden, den man einfach schließt und den Schlüssel umdreht. Da ist ein Warenlager im Wert von 150 Millionen Euro, da geht es um 20 Millionen Artikel. Das alles muss erst einmal abgewickelt werden. Wie lange es weiterläuft, dazu gibt es in Deutschland keine Aussagen.

STANDARD: Wird noch geliefert?

Binder: Für Geld bekommt man alles. Zwei Tage wurde weniger geliefert. Aber der Geschäftsbetrieb funktioniert. Wer Ware bestellt, erhält sie, sofern sie vorrätig ist.

STANDARD: Bestellen Kunden noch?

Binder: Die Bestellungen in den ersten Oktober-Wochen waren um bis zu 18 Prozent über dem Vorjahr.

STANDARD: Im Falle einer Insolvenz wackeln hunderte Post-Jobs ...

Binder: Ein Aus wäre auch für andere Dienstleister dramatisch: Drucker, Papierlieferanten, Callcenter.

STANDARD: Sollen Quelle Staat und Politik unter die Arme greifen?

Binder: Wer braucht in dieser Situation keine Unterstützung? Investoren braucht es aber in jedem Fall. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25./26.10.2009)

Zur Person

Wolfgang Binder (45), Welser und Textilbetriebswirt, ist seit 2005 Chef der Quelle Österreich.

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    Wolfgang Binder: "Wie lange es weiterläuft, dazu gibt es in Deutschland keine Aussagen."

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