Libro ging laut Anklage mit frisierten Büchern an die Börse

23. Oktober 2009, 17:15
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Exmanager, Exkontrollore und ein Wirtschaftsprüfer von Libro werden vom Staatsanwalt schwer belastet

Untreue, schwerer Betrug, Bilanzfälschung: Exmanager, Exkontrollore und ein Wirtschaftsprüfer von Libro werden vom Staatsanwalt schwer belastet. Der Börsengang sei Betrug gewesen; sie bestreiten das.

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Wien - Der Wiener Neustädter Staatsanwalt Johann Fuchs fährt in der 54-seitigen Anklageschrift in der Causa Libro gegen die Exchefs André Rettberg und Johann Knöbl, die Librodisk-Exaufsichtsräte Kurt Stiassny, Christian Nowotny und gegen Wirtschaftsprüfer Bernhard Huppmann schwere Geschütze auf. Der Vorwurf lautet auf Untreue, schweren Betrug und Bilanzfälschung (bzw. Beihilfe) - die Beschuldigten weisen alle Vorwürfe zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung. Sollte die Anklage rechtskräftig werden, will allein der Staatsanwalt 60 Zeugen laden.

Sonderdividende als "Kern"

Die Causa Libro spielt zwischen 1996 und 2001; der Ankläger geht davon aus, dass der Börsengang des Unternehmens Betrug war. Er beleuchtet penibel die Zeit zwischen Ablösung der Librodisk AG von der Billa-Wlaschek-Gruppe über die Ausschüttung einer Sonderdividende an die Altaktionäre von 32 Mio. Euro (damals: 440 Mio. Schilling) über den Börsengang im Herbst 1999 bis zum Libro-Konkurs im Juni 2001. Die Sonderdividende war der Kern des "Tatplans" , heißt es in der Anklageschrift. Sie habe dazu gedient, Gesellschafterdarlehen und Kredite, die für den Erwerb von der Wlaschek-Gruppe nötig waren, rückzuführen.

Diese Sonderdividende habe die Librodisk AG "existenzbedrohend" geschwächt, trotzdem sollte sie " ein positives Eigenkapital ausweisen, um die Attraktivität für den geplanten Börsengang zu erhöhen" , begründet der Ankläger die daraufhin ergriffenen "Maßnahmen" . Sie sollten "dazu führen, ein zumindest um 214,6 Mio. Schilling überhöhtes Jahresergebnis vor Steuern auszuweisen" . Bei rechtmäßiger Bilanzierung wäre "die Ausschüttung einer Dividende von 31,9 Mio. Euro keinesfalls erlaubt" gewesen, so der Ankläger.

"Zu hoch bewertet"

Ermöglicht worden sei das durch "überhöhte Wertansätze" im Jahresabschluss 1998/99. Allein die "Einbringung der defizitären und nicht werthaltigen Librodisk Deutschland wurde um 8,4 Mio. Euro zu hoch bewertet" . Unter dem Bilanzansatz "Filiale99" seien "wertlose oder tatsächlich nicht vorhandene Lagerbestände mit mindestens 5,6 Mio. Euro bilanziert" worden. Verbindlichkeiten aus Franken-Krediten "wurden um 807.188 Euro zu niedrig" ausgewiesen. Dazu kamen "Scheinerträge aus Werbekostenzuschüssen und Boni von 697.086 Euro, die im Folgejahr wieder storniert wurden" . 363.364 Euro seien "vorausfakturiert und 1998/99 fälschlich als Ertrag realisiert" worden.

Und: Bei der Realisierung eines "Pre-Opening-Zuschusses für die Amadeus-Filiale im Wiener Kaufhaus Steffl wurde ein um 543.865 Euro überhöhter Ertrag ausgewiesen" . Die Beschuldigten bestreiten das. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25./26.10.2009)

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