Karadzic dürfte im Gerichtssaal alte Bekannte als Zeugen wiedersehen

23. Oktober 2009, 16:55
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Früherer bosnisch-serbischer Justizminister Mandic im Zeugenstand

Belgrad - Der frühere Präsident der bosnischen Republika Srpska, Radovan Karadzic, dürfte im Laufe des Gerichtsprozesses vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien im Zeugenstand auch einige seiner alten Bekannten wiedersehen. Vor dem Beginn des Verfahrens am Montag hat die Anklage dem Tribunalssenat die Namen von ersten 30 Zeugen zugestellt, die bis Ende Jänner vorgeladen werden sollen.

Unter den Zeugen, die womöglich schon im November angehört werden, befindet sich auch ein einstiger Vertrauensmann des Angeklagten, sein ehemaliger Justizminister und späterer Vize-Innenminister Momcilo Mandic. Der 55-jährige war vor Jahren in Bosnien-Herzegowina selbst wegen Kriegsverbrechen angeklagt worden, um später von den Vorwürfen des Angriff auf eine Polizeischule in Sarajevo zum Kriegsbeginn im April 1992 freigesprochen zu werden.

Vier Stunden Anhörung

Die Haager Anklage hat vier Stunden für die Anhörung von Mandic vorgesehen, dessen Name auch in der Anklage gegen Karadzic vorkommt. Er war demnach einer der Teilnehmer der gemeinsamen Verbrechen, an denen unter anderem auch der weiterhin flüchtige Ex-Militärchef der bosnischen Serben Ratko Mladic, aber auch der ehemalige serbische Präsident Slobodan Milosevic beteiligt waren. Im Marathon-Prozess gegen Milosevic vor dem Haager Gericht, der nach seinem Tod im März 2006 vor dem UNO-Tribunal ohne Urteil abgeschlossen wurde, ging es auch um die Kriegsverbrechen in Bosnien-Herzegowina.

Unter den ersten Zeugen der Anklage befindet sich auch Herbert Okun, der Stellvertreter des früheren UN-Balkanbeauftragten Cyrus Vance. Er wohnte in den frühen 1990er Jahren wiederholt den Treffen führender bosnischer Politiker bei. Zu den ersten Zeugen der Anklage gehört auch der einstige Befehlshaber der UNO-Truppen in Bosnien (UNPROFOR), der britische General Michael Rose.

Karadzic benachrichtigte am Donnerstag das Tribunal, dass er den Prozessbeginn boykottieren werde, weil er nicht genug Zeit zur Vorbereitung gehabt habe. Karadzic wird sich vor dem UNO-Tribunal selbst verteidigen, allerdings rechnet er dabei mit Hilfe eines etwa 30-köpfigen Teams von internationalen Anwälten. Seit der Überstellung an das UNO-Tribunal hatte Karadzic immerhin die Zeit gehabt, an die 300 Anträge und Eingaben an das Gericht zu richten.

Die einleitenden Worte der Anklage sind für Montag und Dienstag geplant. Eine Woche später soll Karadzic die Gelegenheit bekommen, seine einleitenden Worte, ebenfalls am Montag und Dienstag, zu präsentieren. (APA)

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