ESA liebäugelt mit bemannten Weltraum-Missionen

23. Oktober 2009, 16:50
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ESA-Generaldirektor: "Kein einziger EU-Bürger kann heute ohne das All leben - nur wissen das viele nicht"

Prag - Bei der ersten gemeinsamen Konferenz zur "Erforschung des Alls" von EU und Europäischer Weltraumbehörde ESA wurde der Wunsch nach der Durchführung eigener bemannter Weltraum-Missionen deutlich. "Bis jetzt ist die EU/ESA komplett abhängig von internationalen Partnern, um ihre Astronauten ins All zu schicken", sagte EU-Industriekommissar Günter Verheugen am Freitag bei Prag. Dort hatten Vertreter aus 29 Ländern über ihre Zukunftspläne zur Raumfahrt beraten.

Es sei wünschenswert, dass "Europa eigene Kapazitäten zum Transport von Menschen entwickelt", sagte ESA-Astronaut Frank De Winne, der von der internationalen Raumstation ISS per Video der Konferenz zugeschaltet wurde. Er hoffe auf eine Verwirklichung in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Der Belgier De Winne leitet derzeit als erster Europäer die ISS.

"Symbol für Leistungsvermögen und Prestige"

Verheugen verwies auf die Bedeutung der Raumfahrt für Klimaschutz, Sicherheit und Wissenschaft. Sie sei "Symbol für Leistungsvermögen und Prestige". Künftig würden bemannte und unbemannte Missionen bis hinter den Mond Richtung Mars reichen. Europa solle dabei seine eigene Rolle prüfen, sagte Verheugen: "EU und ESA sind herausgefordert, ihre Strategie in Hinsicht auf die menschliche Erforschung des Weltalls im 21. Jahrhundert zu definieren."

ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain sagte: "Kein einziger EU-Bürger kann heute ohne das All leben - nur wissen das viele nicht". Er nannte Navigationssysteme und Wettervorhersagen als typische Beispiel für den allgemeinen Nutzen der Weltraumforschung und schlug im Scherz vor, die entsprechenden Satelliten einen Tag lang auszuschalten, um das Interesse der Menschen zu gewinnen.

In einer gemeinsamen Abschlusserklärung hieß es, EU und ESA sollten nun einen Aktionsplan entwickeln, der sowohl Szenarien der bemannten als auch der von Robotern geführten Raumfahrt beinhalte. Offene blieben in Prag allerdings alle Finanzierungsfragen. 2010 wollen EU und ESA bei einer Folgekonferenz in Belgien über das weitere Vorgehen beraten. (APA/red)


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