Militärputsche keine Seltenheit

23. Oktober 2009, 16:50
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Honduras war die längste Zeit ein US-Verbündeter - Gestürzter Präsident Zelaya wandte sich den Linken Lateinamerikas zu

Wien - Gewaltsame Regimewechsel sind in Honduras, wie in zahlreichen anderen Staaten Mittel- und Südamerikas, keine Seltenheit, eher vergleichsweise unblutige wie die jüngste Entfernung Manuel Zelayas aus seinem Amt durch die Armee. Seit der Erlangung der Unabhängigkeit, vor allem aber im 20. Jahrhundert, war die Diktatur - unter wohlwollender Duldung US-amerikanischer Großkonzerne wie der "United Fruit Company" - jahrzehntelang eher die Regel-Regierungsform denn die Ausnahme, bis dem Land zu Beginn der 80er Jahre der Rückkehr zur Demokratie gelang. In der Folge eine kurze politische Chronologie:

  • 1502 - Christoph Columbus landet in Honduras, in der Folge blutige Eroberung durch die Spanier.
  • 1821 - Unabhängigkeit von Spanien, aber Teil Mexikos.
  • 1840 - Volle staatliche Unabhängigkeit. Eine wirtschaftliche Dominanz der USA breitet sich aus - die United Fruit Company kontrolliert zeitweise zwei Drittel des Bananenexports.
  • 1932-49 - Diktatur unter General Tiburcio Carias Andino und seiner rechtsgerichteten Nationalen Partei Honduras'.
  • 1963-74 - Nach Putsch herrscht Oberst Osvaldo Lopez Arellano, der nach Gerüchten über US-Schmiergelder zurücktritt. 1969 Krieg mit El Salvador wegen Grenze und Masseneinwanderung.
  • 1975-78 - Oberst Juan Alberto Melgar Castro herrscht, ehe er nach einem Putsch von General Policarpo Paz Garcia abgelöst wird.
  • Frühe 80er Jahre - Roberto Suazo Cordova von der zentristischen Liberalen Partei Honduras' zum Präsidenten gewählt; erste Zivilregierung im 20. Jahrhundert, aber Armeechef General Gustavo Alvarez hat weitreichende Macht. Die USA unter Präsident Ronald Reagan nutzen Honduras als Basis für den Kampf der Contras gegen die linken Sandinisten in Nicaragua, das Land erhält dafür Wirtschaftshilfe. Die Verfolgung Linker durch Todesschwadronen führt zu Unruhen und der Absetzung Alvarez', der 1989 schließlich von linken Guerilleros ermordet wird. Menschenrechtsverletzungen auf beiden Seiten.
  • Späte 80er Jahre - Liberaler Jose Azcona del Hoyo Präsident (nur eine Amtszeit möglich). Allgemeine Amnestie für Armee und linke Kämpfer. 1989 Demobilisierung der Contras in Honduras beschlossen und durchgeführt.
  • 1990-93 - Präsident Rafael Callejas führt neo-liberale Wirtschaftsreformen durch. Regierungskommission zu Untersuchung der Menschenrechtsverletzungen durch das Militär.
  • 1993-97 - Bürgerrechtler und Liberaler Carlos Reina Präsident; erste Anklagen ranghoher Offiziere.
  • 1997-2001 - Carlos Flores (Liberale) Präsident. Polizei und Armee kommen unter zivile Kontrolle, aber weiter Berichte über massive Menschenrechtsverletzungen und Morde u.a. an Hunderten Straßenkindern durch von der Polizei gedeckte Todesschwadronen. Oberstes Gericht hebt die allgemeine Amnestie auf.
  • 2002-2005 - Ricardo Maduro Präsident. Teilnahme am Irak-Krieg.
  • 2006-2009 - Manuel Zelaya (Liberale) Präsident. Freihandelsabkommen mit den USA tritt in Kraft. Zelaya wendet sich aber mangels anderer internationaler Hilfe zur Armutsbekämpfung in Honduras an Venezuela, der langjährige US-Verbündete tritt der Washington-kritischen Bolivarischen Alternative für Amerika (ALBA) bei, einer Allianz von linksgerichteten Politikern geführter Staaten Lateinamerikas unter Führung des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez.
  • 25.6. 2009 - Zelaya wird nach Protesten gegen eine Verfassungsänderung für eine zweite Amtszeit, wofür ein Referendum organisieren wollte, und Absetzung der Armeeführung vom Militär entmachtet.
  • 28.6. - Zelaya wird nach Costa Rica gebracht, Parlamentspräsident Roberto Micheletti wird vom Nationalkongress zum Staatschef ernannt. Der Putsch wird internationale verurteilt.
  • 2.7. - Die EU-Staaten mit Botschaftern in Honduras ziehen diese zwischenzeitlich ab.
  • 5.7. - Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) setzt die Mitgliedschaft Honduras' aus. Es kommt zu Massendemonstrationen für und gegen Zelaya, der Plan einer zweiten Amtszeit inzwischen aufgegeben hat.
  • 9.9. - Bisher vergebliche Vermittlungsversuche beginnen zunächst unter dem Präsidenten von Costa Rica und Friedensnobelpreisträger Oscar Arias.
  • 21.9. - Zelaya gelingt nach zwei gescheiterten Versuchen die Rückkehr nach Honduras. Er sitzt in brasilianischer Botschaft in Tegucigalpa fest. Die international isolierten Machthaber schränken die Bürgerrechte ein.
  • 7.10. - Erneute Vermittlungsgespräche zwischen Zelaya-Vertretern und Übergangsregierung beginnen.
  • 23.10. Der Knackpunkt, die geforderte Wiedereinsetzung Zelayas, bleibt weiterhin ungelöst. (APA)
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