Einsamer Mann im Mond

23. Oktober 2009, 17:41
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Duncan Jones’ verblüffendes Sci-Fi-Drama "Moon"

You are the One and Only, Chesney Hawkes Ohrwurm, dient in der gar nicht fernen Zukunft Sam Bell (Sam Rockwell) als Weckmusik aus den 1990ern - er holt ihn tagtäglich aus seinen erotischen Träumen zurück in die lunare Realität.

Der Refrain erinnert Sam an die Einsamkeit auf dem Erdtrabanten, in der Ein-Mann-Station Sarang (Liebe). Seine drei Jahre Solo-Bereitschaftsdienst finden nun ihr absehbares Ende. Ihn erwartet, nachdem er die Energiekrise von Mutter Erde mit Helium-3-Ernte-Maschinen gelindert hat, die lang ersehnte Heimkehr zu Frau Tess und Tochter Eve. Einzig Videobotschaften erhielten die in der Erinnerung verblasste, belastete Fernbeziehung am Leben.

Die Stunden, die ihn von seinem Heimflug trennen, genügen, um sein Weltbild wie ein Kartenhaus einstürzen zu lassen. Auch in der Zukunft zählt Profit mehr als ersetzbare "Kostenfaktoren" , die Mitarbeiter darstellen.

Sams einziger sozialer Kontakt in der unendlichen Monotonie der All-Tage ist der menschelnde Roboter Gerty. Der klopft Sam mitunter auf die Schulter. Doch Gertys Smiley-Face, das Empathie suggeriert (mit Kevin Spaceys Stimme), die 1980er-Jahre-Seifenoper Oh Mary im TV und mehr als 900 Stunden Modellbau können die quälende Untätigkeit in der Isolation der Mondbasis nur temporär überbrücken - bis sein Lebensretter und jüngeres Alter Ego Sam (Robin Chalk) Ablenkung mit Debatten zur Mondtracht ("Du siehst aus wie ein radioaktiver Tampon" ) und aggressive Herausforderungen bietet.

Regisseur Duncan Jones kreiert ein packendes klaustrophobisches Szenario. "Mit dem ersten Geld baute ich nur die Dekoration", sagte Jones beim Fantasy-Festival im spanischen Sitges, wo der Film vier Preise gewann: "Dann suchte ich Financiers." Mit Rockwell und Spacey an Bord konnte er die 1,3 Millionen Euro Extra für das Restbudget locker aufstellen.

Jones - Sohn von David Bowie - bleibt nach dem Kurzfilm Whistle (2002) der Science-Fiction treu, Mute ist schon im Entstehen. Moon markiert einen Genre-Lichtblick im Geiste Stanley Kubricks, der als Zukunftsvision greifbar bleibt: voll visueller Poesie, getragen von der großartigen Darbietung Rockwells. (Jan Marot, DER STANDARD, Printausgabe, 24.10.2009)

 

Moon: 26. 10., Gartenbau, 23.00 Uhr ; Wh.: 27. 10., Metro, 21.00 Uhr

  • Klaustro-phobischer All-Tag: Sam Rockwell, (fast) allein in seiner Mondbasis.
    foto: viennale

    Klaustro-phobischer All-Tag: Sam Rockwell, (fast) allein in seiner Mondbasis.

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