Eine Hütte im Wald

23. Oktober 2009, 16:46
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Er ist ganz und gar unauffällig. Ein langweiliger Mann mit einem langweiligen Job mit einer langweiligen Frau und zwei unsympathischen Stieftöchtern

Ante Valdemar Roos (59) würde wohl bis zu seiner Pensionierung mit seiner öden Routine weitergemacht haben, hätte ihn nicht ein Schicksalsschlag in Form eines Totogewinns ereilt. Roos sagt seiner Familie nichts, kündigt sofort und kauft sich ein kleines Häuschen im schwedischen Wald. Da will er nichts anderes tun, als vor der Hütte zu sitzen und seinen Jugenderinnerungen nachzuhängen. Pünktlich kehrt er abends nach Hause zurück und übt sich im Doppelleben.

Davon handelt der erste Teil von Hakan Nessers neuem Roman. Ganz gemächlich entwickelt sich aus der kleinen Flucht des Valdemar Roos ein Krimi. Denn sein geheimes Paradies bleibt nicht ungestört. Im zweiten Teil quartiert sich eine junge Frau, die aus einer Drogenentziehungsklinik ausgebrochen ist, in seiner Hütte ein. Die vorsichtigen Annäherungsversuche zweier Außenseiter erfahren eine dramatische Wendung, die beide zum Verlassen des Landes zwingt. Das wird ein Fall für Inspektor Gunnar Barbarotti, dem man als Leser von ganzem Herzen einen Misserfolg wünscht. Nesser erzählt das voll Zuwendung zu seinen Figuren; eigentlich ist das ein Entwicklungsroman, bei dem die innere Emanzipation des Helden in wenigen Wochen vonstattengeht. Eine schöne, für dieses Genre eher ungewöhnliche Geschichte. ( Ingeborg Sperl, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 24./25./26.09.2009)

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www.krimiblog.at

Hakan Nesser, "Das zweite Leben des Herrn Roos" . Deutsch: Christel Hildebrandt. € 22,60 / 526 Seiten. btb, München 2009

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