Defensive Sektoren gesucht

23. Oktober 2009, 15:00
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Ein Kommentar von Stephan Lingnau aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Der europäische Aktienmarkt gab diese Woche trotz teils guter Unternehmenszahlen insgesamt leicht nach. Der Stoxx 600 sank um -0,43% auf 246 Punkte. Auf Monatssicht steht ein Plus von 1% zu Buche. Defensive Sektoren wie Lebensmittelproduzenten (+3,4%) sowie Telekoms und Öl- und Gasfirmen mit einem Plus von je 2% legten zu. Versicherer und Baumaterialhersteller verloren hingegen fast 4%.

Am Rentenmarkt blieben die 10- jährigen Bunds stabil bei 3,30% und der Bund Future steht unverändert bei 121 Punkten. Der VDax tendiert ebenso unverändert bei 24 Punkten. Am Rohstoffmarkt verzeichneten sowohl Kupfer (+6%) als auch Aluminium (+8%) starke Preisanstiege.

Fiat hat im dritten Quartal wieder die Gewinnzone erreicht. Die Erlöse sanken im Vergleich zum Vorjahr aber erneut um knapp 16% auf EUR 12 Mrd. Im zweiten Quartal war der Umsatz noch um mehr als ein Fünftel eingebrochen. Unter dem Strich schrieb man schwarze Zahlen und erreichte einen Gewinn von EUR 25 Mio. (Q2: EUR -179 Mio., Q308: EUR +440 Mio.). Peugeot gab für das dritte Quartal einen höher als erwarteten Umsatzrückgang bekannt. Die Erlöse gingen um 7,7% (Q1: 24,9 %, Q2: 18,9 %) auf EUR 11,8 Mrd. zurück. Der Marktanteil des Konzerns in Europa konnte von 12,9% auf 13,4% gesteigert werden. Der Lagerbestand war um 36% rückläufig. Die Aktie gab nach Bekanntgabe über 6% nach, konnte sich aber im Wochenverlauf wieder erholen und steht nun fast unverändert bei EUR 24.

Syngenta hat auch im dritten Quartal 2009 unter einem Umsatzrückgang gelitten. Der ausgewiesene Umsatz lag mit USD 2,0 Mrd. 12% unter dem Vorjahresquartal. Bei konstanten Wechselkursen sank der Umsatz um 8%. Syngenta strebt laut eigenen Angaben für das Gesamtjahr weiterhin einen Gewinn pro Aktie nahe am Rekordniveau von 2008 an. Das wurde an der Börse als sehr positiv aufgefasst und die Aktie legte diese Woche über 4% auf CHF 262 zu.

Faule Kredite in Osteuropa, insbesondere im Baltikum und der Ukraine bescheren der Swedbank weiterhin hohe Verluste. Die Folgen der eigenen Kreditvergabepraxis halten die Skandinavier weiter fest im Griff. Im dritten Quartal verbuchte das man einen Verlust von EUR 248,5 Mio. Die Commerzbank prüft derweil den Einstieg ins russische Privatkundengeschäft. Wenn alles nach Plan geht, will man schon 2010 in Russland präsent sein. Die Commerzbank
wäre damit das erste deutsche Institut, das den russischen Privatkundenmarkt ins Visier nimmt. Weiterhin sehr gut läuft das Geschäft für die Credit Suisse. Das Institut konnte mit einem Gewinn von CHF 2,4 Mrd. im dritten Quartal die Konsenserwartungen um rund 50 % überbieten. Im Investment Banking profitierte Credit Suisse unter anderem davon, dass sich krisengeplagte Konkurrenten aus manchen Geschäftsfeldern zurückziehen mussten Dennoch
sank der Aktienkurs, da viele Anleger offenbar daran zweifeln, dass die Bank im momentanen Marktumfeld ein solches Ergebnis wiederholen kann.

Novartis hat in den ersten neun Monaten des Jahres weniger verdient. Der Hauptgrund für ist die Schwäche des Dollars. Der Gewinn ging um 8% auf USD 6,1 Mrd. Gründe für den Rückgang sind neben Wechselkurseffekten die Kosten für die Übernahme des Augenheilmittelkonzerns Alcon und Sonderkosten. Bei konstanten Wechselkursen steigt der Reingewinn jedoch um 2%. Der Umsatz stagnierte bei USD 31,3 Mrd. In lokalen Währungen legte der Umsatz um 8% zu. Getragen wurde der Umsatz von der wichtigen Pharma-Sparte, diese legte in Dollar um 4% auf und in lokalen Währungen um 11% zu.

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