Wall Street konsolidiert

23. Oktober 2009, 14:59
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Ein Kommentar von Ronald-Peter Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die US-Börsen gehen nahezu unverändert aus einer vergleichsweise volatilen Handelswoche. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gewinnt 0,18% und kann die 10.000 Punkte-Marke zurückerobern. Der breiter gefasste S&P 500 gibt 0,33% nach, der Index der Technologiebörse Nasdaq notierte bei 2.165 und somit 0,37 % tiefer. Der Ölpreis klettert 4,29% auf USD 80 je Barrel, Gold steigt 0,8% auf 1.058/Unze.

Die Häusermarktdaten lesen sich weiterhin katastrophal. Die Baubeginne lagen bei 590.000, der Konsens hatte mit 610.000 gerechnet. Das Verbrauchervertrauen fiel lt. Uni Michigan auf 69,4 vs. 73,5 im Vormonat. Volkswirte hatten mit einem unveränderten Stand gerechnet. Auch die Arbeitsmarktdaten zeichnen kein positives Bild. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe kletterten unerwartet stark auf 531.000. Das Beige Book der Federal Reserve meldete eine Stabilisierung bzw. leichte Verbesserung in allen 12 Distrikten. Der Aufwärtstrend werde in nahezu allen Berichten der Fed-Distrikte aber als klein und schwach beschrieben. Man wies zudem auf die weiterhin schwächelnden Konsumausgaben hin und warnte vor der angespannten Situation bei Gewerbeimmobilien.

Bank of America's Zahlen enttäuschten. Der Verlust im Q3 lag bei USD 1 Mrd. bzw. 26 Cent/Aktie. Insbesondere das Kreditkartengeschäft, das Investmentbanking und das Hypothekenbusiness schnitten im Vergleich zum letzten Quartal unerwartet schlecht ab. Morgan Stanley's Zahlen lagen deutlich über dem Konsens. Insbesondere im Investmentbanking konnte man deutlich schneller wachsen als der Markt. Für Boni wurden USD 5 Mrd. zur Verfügung gestellt. Wells Fargo legte einen Nettogewinn von USD 3,24 Mrd. bzw. 0,56/Aktie, was deutlich über dem Konsens lag. Man rechne mit dem Höhepunkt der Ausfälle im Immobiliensegment erst im 2. Quartal 2010. Nach der Übernahme von Wachovia ist man nun die viertgrößte US-Bank nach Assets.

General Electric enttäuschte. Der Gewinn knickte um 44 % auf USD 2,49 Mrd. bzw. USD 0,23/Aktie ein. Der Umsatz fiel um 20 % auf USD 37,8 Mrd. Die Auftragseingänge stiegen um 2 % auf derzeit USD 174 Mrd. GE Financial meldete einen 87%igen Gewinneinbruch, auch die Mediensparte enttäuschte. Caterpillar konnte hingegen positiv überraschen und hob zudem die Prognosen für das Gesamtjahr an. Man plane bereits für den Aufschwung und profitiere in erster Linie von den staatlichen Konjunkturprogrammen. Pfizer und Chemieriese DuPont legten Zahlen über den Konsenserwartungen. Pfizer werde weitere 15% der Belegschaft abbauen und erwarte sich aus der Übernahme von Wyeth zahlreiche weitere Kosteneinsparungen und Synergien.

Apple meldete phänomales Zahlenwerk, die Aktie reagierte mit einem Wochenplus von 7,7 %. Die Flüsterschätzungen lagen bei USD 1,60, der „echte" Konsens bei USD 1,44/Aktie. Das tatsächliche Ergebnis lag dann bei USD 1,82. Besonders positiv entwickelte sich der Absatz des MacBooks (+17%) und des iPhones (+7%), während um 7% weniger iPods verkauft wurden. Man hoffe auf die baldige Einführung des iPhones in China, allerdings dürfte es aufgrund des enormen Andrangs zu Lieferengpässen kommen. Für das Weihnachtsquartal rechne man nun mit einem deutlich höheren Umsatz und EPS, zudem erwarte man eine leicht geringere Bruttomarge von „nur" 34 %. Man wolle 2010 zahlreiche neue Produkte mit geringeren Margen - wie zB e-Book-Reader oder Tablet-PC's auf den Markt bringen.
Chiphersteller Texas Instruments konnte ebenfalls positiv überraschen und nährte somit die Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung des IT-Sektors. Für das 4. Quartal und das Gesamtjahresergebnis zeigt man sich nun deutlich optimistischer. Nachdem Intel in der Vorwoche ebenfalls positive Signale lieferte, profitierte der gesamte Sektor von gestiegener Zuversicht. IBM meldete davor einen Gewinnanstieg um 15 % auf USD 3,2 Mrd. Die vielbeachteten Auftragseingänge bei Serviceverträgen fielen allerdings um 7 %.

Google meldete ebenfalls überraschend gute Quartalszahlen, der Internetriese wuchs so schnell wie seit 2 Jahren nicht mehr. Konkurrent Yahoo! konnte das Ergebnis im 3. Quartal mehr als verdreifachen. Der massive Sparkus dürfte nun langsam Früchte tragen. Die Aktie klettert auf Wochensicht 6,7 %. In der nächsten Woche melden unter anderem Verizon, ConocoPhilips, MetLife, Exxon, Procter&Gamble oder Chevron Quartalszahlen. Zudem sollten der Case-Shiller-Index, das Verbrauchervertrauen und die Auftragseingänge für langlebige Wirtschafsgüter für Impulse sorgen. Nachdem in der abgelaufenen Handelswoche das überkaufte Szenario weitgehend abgebaut wurde, rechnen wir mit weiteren Kursgewinnen an der Wall Street. Für den S&P 500 dürfte wohl die 1.121 die nächste Zielmarke sein.

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