Die höchste Kaskade in Niederösterreich

23. Oktober 2009, 17:02
6 Postings

Eine Runde über den spektakulären Trefflingfall und das Hochbärneck

Bereits in den 1880er-Jahren hatte sich die Schönheit des Trefflingfalls herumgesprochen, sodass man daran ging, die Kaskade durch einen Steig zu erschließen, der - natürlich etliche Male erneuert - bis heute nichts von seiner Attraktivität eingebüßt hat.

Der Trefflingbach stürzt durch eine hundert Meter hohe Felsschlucht zur Erlauf hinab und bildet die höchste Kaskade in Niederösterreich. Besonders beeindruckend ist ein Abschnitt im obersten Teil, wo das Wasser ein tiefes Becken geschaffen hat, das als Ochsentumpf bezeichnet wird. In dieses Bassin soll einmal ein Ochse gestürzt sein, der den Fall heil überstand.

Der Trefflingfall mündet in den schönsten Teil der Vorderen Tormäuer mit dem Toreck, einer eindrucksvollen Engstelle, wo einst eine Staumauer geplant war. Zum Glück verhinderte ein massiver Protest der alpinen Vereine dieses Projekt, von dem noch immer die Spuren der Anfangsarbeiten zu sehen sind.

Auch der Weg flussabwärts entlang der Erlauf lässt an Romantik keinen Wunsch offen. Der Pfad verläuft teilweise auf der Trasse des alten Triftsteiges. Über die Erlauf - in früheren Zeiten als Erlaf bezeichnet - wurde der damals wichtigste Energieträger Holz zur Donau geschwemmt und auf Schiffen oder Plätten weiter nach Wien transportiert.

Trefflichbach und Erlauf weisen eine hervorragende Wasserqualität auf, denn dort ist noch die empfindliche Wasseramsel beheimatet. Noch einen Höhepunkt gibt es auf der Runde: Den Aussichtsturm auf dem Hochbärneck, der eine herrliche Sicht auf den Ötscher und auf die Brandmäuer bietet. Den Namen verdankt die Erhebung dem Umstand, dass dort ein Mädchen beim Gang zum Brunnen von einem Bären angefallen und getötet worden ist. Demnach ist die oft gebrauchte Schreibweise Hochberneck falsch.

Der Steig entlang des Trefflingfalls ist bestens mit Geländern gesichert, sonst bietet die Runde keinerlei Schwierigkeiten.

Die Route: Zufahrt von Puchenstuben zum Eingang Naturpark Ötscher-Tormäuer, dann folgt man - rot markiert - dem Trefflingbach, erreicht die Kaskade und steigt in einer Dreiviertelstunde zur Erlauf ab. Nun folgt nach rechts der romantische Pfad am rechten Flussufer. Vorbei an der Eibenmühle gelangt man nach einer weiteren Dreiviertelstunde zu einer asphaltierten Straße, auf der es nach rechts nach Obereiben hinaufgeht. Dort wechselt man auf die rote Markierung, um das Hochbärneck zu erreichen. Gehzeit ab Erreichen der Straße 1 bis 1¼ Stunden.

Es folgt der kurze Abstecher zum Aussichtsturm, dann wandert man weiter - größtenteils auf einer Forststraße - zum Ausgangspunkt. Gehzeit ab Hochbärneck eine Stunde. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/24./25.10.2009)

Gesamtgehzeit dreieinhalb bis dreidreiviertel Stunden, Höhenunterschied rund 500 Meter. Almgasthaus Hochbärneck durchgehend geöffnet (Montag Ruhetag). ÖK215V Blatt 4204-Ost (Ötscher), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Atlas Wiener Hausberge, Maßstab 1:50.000.

  • Wandern im Ötschergebiet, etwa hier in den Ötschergräben am Erlaufsee.
    foto: österreich werbung / diejun

    Wandern im Ötschergebiet, etwa hier in den Ötschergräben am Erlaufsee.

  • Artikelbild
    grafik: der standard
    Share if you care.