Lösungsstrategien für steigenden Bedarf beim "Austrotransplant 2009"-Kongress Hauptthema
Seefeld (Innsbruck) - Als derzeit drängendstes Problem der
Transplantationschirurgie sieht Sir Roy Calne, britische Pionier auf
dem Gebiet der Transplantations-Chirurgie und ehemaliger Professor in
Cambridge, den wachsenden Mangel an Spenderorganen. Die Anzahl der
Patienten, die ein Organ benötigen, steige kontinuierlich.
Gleichzeitig werde auch der Kreis der Personen, die für eine
Transplantation infrage kommen durch den medizinischen Fortschritt
immer größer. Die Zahl der Spender nimmt allerdings ab, erklärte der
Brite am Rande der 23. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft
für Transplantation, Transfusion und Genetik in Seefeld.
Imageproblem
Einen Grund dafür sieht Calne darin, dass das gesamte Gebiet der
Transplantation mit einem schlechten Image belegt sei und
infolgedessen weniger zu diesem Schritt bereit seien.
Negativschlagzeilen rund um illegalen Organhandel oder Menschen die
ihre eigenen Organe aus der Not heraus zum Verkauf anbieten hätten
dazu beigetragen.
Aber auch gesetzliche Voraussetzungen schaffen erhebliche
Unterschiede. Lob gab es von Calne vor allem für das spanische
Modell. In Spanien würden jährlich 40 Organe pro Million Einwohner
gespendet. Dort können Verstorbenen Organe entnommen werden, sofern
sie zu Lebzeiten nichts anderes verfügt haben, was auch hierzulande
der Fall ist. Österreich halte derzeit bei 28 Spendern pro einer
Million Einwohner, was der Experte als "ziemlich gut" befand.
Großbritannien liege bei 20. Auch in Österreich gilt eine Regelung
wie in Spanien.
Lebensdauer verlängern
Verschiedene Lösungsstrategien für den steigenden Bedarf waren
beim "Austrotransplant 2009"-Kongress Hauptthema. Die Forschung gehe
derzeit in mehrere Richtungen. Beispielsweise werde versucht, die
Lebensdauer von gespendeten Organen zu verlängern. Gelingen soll
dies, indem man die Medikamente, die die Abstoßungsreaktionen
verhindern sollen, möglichst individuell auf den einzelnen Patienten
zuschneidet, führte Tagungspräsident Walter Mark von der Abteilung
für Transplantationschirurgie an der Innsbrucker Universität aus.
Hoffnungen setzt man aber auch in die Lebendspende. Noch
Zukunftsmusik, aber eventuell in etwa 20 Jahren Realität, könnte laut
Calne sein, dass man Organe, die nur einmal im Körper vorkommen, wie
das Herz einfach mit Hilfe von Stammzellen züchtet.
Als Höhepunkt der Veranstaltung wird der Innsbrucker
Transplantationschirurg Raimund Margreiter mit einem nach ihm
benannten Symposium geehrt. Der Chirurg von Weltruf emeritierte Ende
September dieses Jahres. Referenten aus ganz Europa wurden geladen. (APA)
Link
"Austrotransplant", 21. bis 23. Oktober, Olympia
Sport- und Kongresszentrum Seefeld: Programm