Verhalten der Banken hat sich nicht geändert

23. Oktober 2009, 14:08
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Die Notenbanken sehen "mit Skepsis", dass die Banken außerhalb ihres traditionellen Bereichs von Krediten und Sparen gleich agieren wie vor der Krise

Wien - "Das Verhalten der Banken hat sich nicht geändert", sagte OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny am Freitag bei der Gewinnmesse in Wien auf entsprechende Fragen. "Auf Einsicht zu hoffen ist Illusion" ergänzte er. Dafür sei eine starke Regulierung nötig.

Die Notenbanken hätten es geschafft, den Zusammenbruch der Geldmärkte in der Krise aufzufangen und die Wirtschaft zu stabilisieren. Allerdings gebe es noch ein Problem, "die Kreditvergabe in Gang zu bringen".

Bankenpaket großer Erfolg

Der Druck der internationalen Gemeinschaft auf das heimische Bankgeheimnis komme aus dem Wunsch, Steuerschlupflöcher zu schließen und die Umgehung von Regulierung zu verhindern. Österreich habe daher versucht, "die Tradition der Österreicher zu erhalten" und zugleich nicht international "Außenseiter" zu werden. Für Inländer ändere sich durch die Anpassung des Bankgeheimnisses nichts, erinnerte er.

Das heimische Bankenpaket sei ein großer Erfolg, unter anderem weil es so rasch geschnürt wurde. Nowotny geht davon aus, dass am Ende der Staat bei keiner Bank einsteigen wird, sondern alle staatlichen Mittel vorher bedient und zurückgezahlt werden. In den USA oder der Schweiz seien die Bankenpakete bereits ein gutes Geschäft für die Regierungen geworden, in Österreich werde es das auch werden. Weiterführen solle man das Bankenpaket auch dann, wenn es im Moment nicht abgerufen wird, weil es als "Sicherheitsnetz" diene.

EZB wird Prognose im Dezember kaum verändern

Die Europäische Zentralbank wird ihre nächste Konjunkturprognose im Dezember nicht wesentlich verändern, sagte Nowotny. Im September hatte die EZB für die Euro-Zone 2010 zwischen minus 0,5 Prozent und plus 0,9 Prozent vorhergesagt.

Nowotny geht auch nicht davon aus, dass es einen zweiten Wirtschaftseinbruch in naher Zukunft geben wird. Eine "double dip" Rezession sei unwahrscheinlich, weil Zentralbanken und Regierungen alles tun werden, um dies zu vermeiden. Einziges Risiko wäre es, wenn die Regierungen zu früh ihre Unterstützung für die Wirtschaft zurückfahren, aber davon gehe er nicht aus, sagte der österreichische Notenbankchef. Der "richtige" Zeitpunkt, die Konjunkturmaßnahmen zurückzufahren, hänge von der Entwicklung der Wirtschaft ab. Jetzt müsse man die Diskussion über die nötigen Maßnahmen führen, aber diese Maßnahmen noch nicht umsetzen.

Keine Inflationsgefahr

Auch die Inflation ist aus Sicht Nowotnys keine Gefahr. Mittelfristig werde die Teuerung der Verbraucherpreise wieder knapp unter zwei Prozent liegen, wie es Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) ist. Die großen Geldmengen, die in die Wirtschaft geflossen seien, seien Kredite gewesen, die Laufzeiten zwischen einem Tag und einem Jahr haben. Diese könnten daher - indem sie nicht verlängert werden - sehr rasch wieder zurückgeholt werden, wenn die Konjunktur anspringt oder sich Inflationsrisiken zeigen.

Ein anderes Thema ist die Aufblähung im Finanzsektor. Kapitalmärkte müssten aber von den Regulierungsbehörden unter Kontrolle gebracht werden.

Die OeNB habe eine Tradition, nur wenig Gold zu verkaufen und keine Absicht, diese Politik zu ändern, sagte Nowotny. (APA)

 

 

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    Ewald Nowotny: "Auf Einsicht zu hoffen ist Illusion"

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