EU-Projekt "Galileo" nimmt Gestalt an: Politisch und musikalisch

23. Oktober 2009, 13:54
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Offizielle Unterstützung durch EU-Kommissionspräsident - Verstärkte Zusammenarbeit Österreichs, Tschechiens, Bayerns und des Piemont bei Satellitennavigation

Das bisher pannenreich verlaufene Satellitennavigations-Projekt "Galileo", geplant als die europäische Antwort auf das US-System "GPS", scheint laut der Wissenschaftszeitschrift "Nature" an Boden zu gewinnen. Der Optimismus, den auch einige zitierte Experten teilen, speist sich daraus, dass EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso dem Vorhaben in der Vorwoche offiziell und öffentlich seine Unterstützung versicherte. Eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Satellitennavigation und Telematik streben indes Österreich, Tschechien, Bayern und Piemont an.

Die zwei Länder und zwei Regionen unterzeichneten diesbezüglich jüngst in München eine gemeinsame Erklärung ("Memorandum of Understanding"), wie das Infrastrukturministerium am Freitag in einer Aussendung mitteilte. Von der geplanten Kooperation erwarte man sich "zusätzliche Impulse für diesen Wachstumssektor", hieß es. Projekte dieser Art würden nicht zuletzt aufgrund des verstärkten Engagements Europas im Bereich der Satellitennavigation zunehmend an Bedeutung gewinnen. Auf österreichischer Seite werden die Aktivitäten auf Projektebene von der AustriaTech, einer Gesellschaft des Infrastrukturministeriums, koordiniert.

Das Satellitennavigationsprojekt "Galileo" wird am kommenden Dienstag (27.10.) bei einer Veranstaltung in Wien, organisiert von der Botschaft der Republik Mazedonien, präsentiert und mit einem "Galileo-Klavierkonzert" auch musikalisch geehrt. Vorgestellt wird das Satellitennavigationssystem von Bernhard Hofmann-Wellenhof der Technischen Universität (TU) Graz.

"Ohne Weltraum-Anwendungen wird es uns nicht möglich sein, den Klimawandel zu beobachten und ihm zu begegnen", zitiert die Kommentatorin Katharine Sanderson in "Nature" die jüngsten Aussagen des Kommissionspräsidenten bei einer Raumfahrt-Konferenz in Brüssel. Als ein "wirkliches Signal der Veränderung" wertete etwa Volker Liebig, Direktor der Erdbeobachtungsprogramme der Europäischen Weltraumagentur ESA, Barrosos Teilnahme an der Konferenz.

Die Abhängigkeit des ansonsten bestens bewährten amerikanischen Satelliten-Navigationssystems "GPS" vom Militär war eine der hauptsächlichen Triebfedern für Europa, mit "Galileo" ein eigenes, unabhängiges Pendant zu planen. Der erste Test-Satellit von Galileo ist seit Dezember 2005 im All. 30 Satelliten sollen im Endausbau im Orbit sein und private wie kommerzielle Nutzer mit den nötigen Daten für punktgenaue Ortsbestimmungen versorgen. Bis 2013 soll Galileo betriebsbereit sein. In der Vergangenheit geriet das Projekt mehrfach ins Trudeln, etwa bei den Verhandlungen zur Auftragsvergabe, bei der Finanzierung des milliardenschweren Vorhabens und rund um das zunächst für Aufbau und Betrieb des Satelliten-Navigationssystems vorgesehene Industriekonsortium. (APA)

 

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