Mineralölfirmen holen sich "Feiertagszuschlag"

23. Oktober 2009, 15:28
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Vor langen Wochenenden und Ferienbeginn steigen regel­mäßig die Treibstoffpreise. Weiterhin gilt: Abends tanken ist günstiger

Wien - Rechtzeitig vor dem verlängerten Wochenende holen sich die Mineralölfirmen wieder ihren "Feiertagszuschlag", kritisiert der Autofahrerklub ARBÖ. Auch von gestern auf heute seien die Treibstoffpreise weiter angestiegen: Diesel im Durchschnitt um 1,5 Cent auf 1,016 Euro, Eurosuper um 1,3 Cent auf 1,111 Euro. "Vor langen Wochenenden und Ferienbeginnen wird hierzulande erhöht, egal ob diese Erhöhung oder ihr Ausmaß durch die Entwicklung in Rotterdam gerechtfertigt ist oder nicht", kritisiert der ARBÖ.

Zwar seien die Preis auch in Rotterdam gestiegen, aber nicht so stark wie in Österreich. Seit dem 12. Oktober seien Diesel und Eurosuper in Rotterdam um 8,6 Prozent bzw. 11,16 Prozent gestiegen, in Österreich jedoch währungs- und steuerbereinigt um 11,1 Prozent bzw. um 13,9 Prozent.

Gängige Praxis

"Obwohl diese Praktiken von einer breiten Phalanx aus ARBÖ, AK, ÖAMTC, Wettbewerbsbehörde und Wettbewerbskommission wiederholt angeprangert wurde, schaut die Politik einfach tatenlos zu, wie sich wenige Multis auf Kosten der Bevölkerung bereichern", kritisiert der ARBÖ.

Bestätigt hat sich bei einer stichprobenartigen Erhebung der Preisentwicklung an Tankstellen durch den ÖAMTC die gängige Preispolitik der Mineralölfirmen, morgens mit hohen Preisen zu beginnen und diese im Verlauf des Tages leicht zu senken. Bis zu sieben Cent war Kraftstoff dabei am Tagesende billiger als zu Tagesbeginn. Üblicherweise betrugen die Preissenkungen drei Cent. Sowohl bei Diesel als auch bei Benzin wurden die Preise in der Früh eher hoch, nämlich bis zu fünf Cent höher als am Vorabend, angesetzt.

Abends tanken

"Wer abends tankt, tankt günstiger", lautet das Fazit des ÖAMTC. Das würden bereits sechs von zehn Österreichern beherzigen. Überhaupt am günstigsten fährt demnach, wer abends am Wochenbeginn tankt.

Das klassische Ost-West-Gefälle bei den Kraftstoffpreisen gibt es dagegen laut ÖAMTC nicht mehr. "Seit in Salzburg ein Diskonter ausgezogen ist, um hohen Spritpreisen den Kampf anzusagen, sind die Preise tatsächlich auch rings um dessen Standorte konstant niedrig", berichtet der Autofahrerklub.

Der ÖAMTC erneut auch seine Forderung nach einer einheitlichen Preisauszeichnung an den Tankstellen. So sollten die Kraftstoffe auf den Anzeigetafeln einheitlich gereiht werden, nämlich in der Reihenfolge Diesel, Superbenzin und Normalbenzin, um auch schon beim Vorbeifahren einen Preisvergleich möglichen machen zu können. Auch sollte die Schriftgröße einheitlich sein.

Mineralölindustrie wehrt sich

 

Der Fachverband der Mineralölindustrie (FVMI) wehrt sich gegen die heute geäußerte Kritik, die Mineralölfirmen würden die Treibstoffpreise regelmäßig vor Wochenenden und Ferienbeginnen übergebührlich erhöhen. "Wie schon in der Vergangenheit argumentieren die Autofahrerklubs mit Zahlenspielerei. Die internationalen Preise für Treibstoffe, insbesondere bei Benzin, befinden sich jedoch seit den ersten Oktobertagen in einer deutlichen Aufwärtsspirale. Dieser Entwicklung müssen auch die Spritpreise an den Tankstellen Rechnung tragen", entgegnet FVMI-Geschäftsführer Christoph Capek am Freitag.

Die internationale Preisentwicklung werde auch vom Treibstoffpreis-Monitor der Europäischen Kommission bestätigt, den das Wirtschaftsministerium heute veröffentlicht habe. Demzufolge würden in Österreich die Treibstoffpreise trotz steigender Tendenz nach wie vor deutlich unter dem EU-Durchschnitt liegen, bei Eurosuper um 11,67 Cent und Diesel um 4,55 Cent pro Liter.  (APA)

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