Soziale Unterstützung und familiäre Normen helfen Schmerzpatienten - zu viel Fürsorge macht schmerzempfindlicher
Berlin - Bei Schmerzpatienten kann das Verhalten der
Angehörigen eine entscheidende Rolle spielen. Soziale Unterstützung
hilft im Kampf gegen den Schmerz, übermäßige Sorge oder Bestrafung
verschlimmern dagegen die Situation, wie Studien zeigen. "Die Rolle
des Partners ist lange vernachlässigt worden", sagt Rainer Sabatowski
vom UniversitätsSchmerzCentrum Dresden. "Dabei gibt es ganz einfache
Methoden, sie zu untersuchen und zu nutzen."
Der Einfluss von Angehörigen auf das Schmerzverhalten ist
erwiesen. Familiäre Normen prägen den Umgang mit einer Krankheit.
"Angehörige haben mit dem Patienten deutlich mehr zu tun als Ärzte
und Therapeuten, weshalb ihr Einfluss auf das Bestehen des Schmerzes
in der Regel stärker ist und oft trotz kurzfristiger Erfolge einer
stationären oder teilstationären Therapie zur Rückkehr zum
Ausgangszustand beiträgt", sagt Sabatowski.
Unterstützung hilft
Die Therapie der Patienten ist nach Angaben der Deutschen
Gesellschaft zum Studium des Schmerzes umso erfolgreicher, je mehr
sie von ihren Familien unterstützt werden. Aber wenn Angehörige
besonders fürsorglich sind, werden viele Schmerzpatienten
empfindlicher und haben stärkere funktionale Einschränkungen.
"Besorgte, stark fürsorglich und ausschließlich physisch
unterstützende Partner verstärken Schmerzverhaltensweisen in
ungünstiger Weise und können Patienten vom Aufbau günstiger
Verhaltensweisen abhalten", sagt die Psychologin Kati Thieme. (APA/AP)