Stevens wünscht mehr "Schlitzohrigkeit"

23. Oktober 2009, 11:56
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Red Bull nach 1:0 gegen Lewski dennoch klarer Tabellenführer und vor Aufstieg - Janko könnte weiter ausfallen

Salzburg - Österreichs Fußball-Meister Red Bull Salzburg hat seinen überraschenden Europa-League-Siegen gegen Lazio Rom und Villarreal erst am Donnerstag ihren wahren Wert verliehen. Nach einem mühevollen 1:0 gegen Lewski Sofia halten die Salzburger in Gruppe G weiterhin beim Punktemaximum und stehen als einziges österreichisches Team knapp vor dem Aufstieg in die K.o.-Phase. Trainer Huub Stevens war mit der Leistung dennoch nicht wirklich zufrieden.

Mit neun Punkten ist Salzburg klarer Tabellenführer - drei Zähler vor Lazio und sechs vor Villarreal. Damit reicht den Bullen auf jeden Fall ein Punkt im letzten Gruppenspiel am 17. Dezember in Villarreal zum Aufstieg, selbst bei zwei Niederlagen in den kommenden Spielen. Mit einem durchaus möglich scheinenden Sieg in zwei Wochen in Sofia wäre der ÖFB-Champion sogar bereits vorzeitig durch, falls Villarreal nicht gegen Lazio gewinnt.

"Wir sind aber noch nicht qualifiziert"

Der Aufstieg in die Runde der letzten 32 wäre international der mit Abstand größte Erfolg in der Ära Red Bull (seit 2005). "Wir sind aber noch nicht qualifiziert. Wir haben noch drei Spiele zu gehen", erinnerte Stevens. Der Niederländer vermisste gegen Lewski vor allem die Abgeklärtheit in seinem Team. Nach der Führung durch Dusan Svento in der Nachspielzeit der ersten Hälfte hätte man das Spiel beruhigen müssen und sich damit eine Zitterpartie erspart.

"Wir hätten im Spielaufbau mehr Ruhe gebraucht, mehr Schlitzohrigkeit. Die haben wir nicht gehabt", erklärte Stevens. Schon beim Stand von 0:0 hatten die Salzburger gegen die sehr defensiv eingestellten Bulgaren kaum ein probates Mittel gefunden - bis Svento aus 20 Metern zuschlug. "Wir haben die Geduld gehabt. Die hätten wir aber auch nach der Pause haben müssen", sagte Stevens. "Die schnellen Aktionen haben uns gefehlt."

Janko in München

Zudem fehlte den Salzburgern ihr Stürmerstar. Bis kurz vor dem Start hatte man auf einen Einsatz von Marc Janko gehofft. Den ließ eine Muskelverletzung im Adduktorenbereich, die sich als hartnäckiger herausstellen könnte als vorerst angenommen, aber nicht zu. Janko reiste unmittelbar nach Spielende zur weiteren Behandlung nach München, ist auch am Sonntag in der Liga gegen Ried fraglich. "Wir hoffen, aber wir wissen es nicht", sagte Stevens.

Jankos Ersatzmann Alexander Zickler hatte die Durchschlagskraft des zuletzt so treffsicheren Schützenkönigs der Vorsaison vermissen lassen. Der 35-jährige Deutsche war immer wieder im Abseits zu finden, hatte als Solospitze einen schweren Stand. Stevens machte dafür auch die Spielanlage seines Teams verantwortlich. Für seinen Geschmack war zu viel mit langen Bällen operiert und der Ball zu wenig in den eigenen Reihen gehalten worden.

"Man muss den Ball schneller zirkulieren lassen"

"Ob mit oder ohne Janko, gegen so eine defensive Mannschaft muss man den Ball schneller zirkulieren lassen", meinte Stevens. "Ob Janko oder Zickler, das macht dann nicht so einen Unterschied." Tatsächlich hatten die kriselnden Bulgaren, mittlerweile seit acht Spielen sieglos, dem Favoriten das Leben mit einer Mauertaktik schwer gemacht und im Konter selbst ihre Chancen. Christo Jowow traf vor der Pause nur die Stange (20.) - ein Weckruf für die Bullen.

Was bleibt, sind drei weitere Punkte, die Salzburg in eine hervorragende Ausgangsposition bringen. Das Überwintern im Europacup wäre der größte internationale Erfolg für die Mozartstädter seit dem UEFA-Cup-Finale 1994. In der Red-Bull-Ära ist der aktuelle Erfolgslauf der Stevens-Elf sowieso unerreicht. Die 17.800 Zuschauer in Wals-Siezenheim dankten es dem Team trotz einer wenig glanzvollen Vorstellung gegen Lewski mit Standing Ovations. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Svento und Stevens beim Abklatsch.

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