Teheran will erst nächste Woche antworten

23. Oktober 2009, 20:33
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Washington, Paris und Moskau stimmten zu

Teheran/Wien - Der Iran lässt die internationale Gemeinschaft warten. Nach Meldungen des iranischen Fernsehens, dass Teheran sein niedrig angereichertes Uran doch nicht zur Umwandlung in Brennstoff dem Ausland übergeben, sondern lieber fertigen Brennstoff kaufen wolle - dass also der in Wien angestrebte Atom-Deal geplatzt sei -, kam am Abend die Relativierung: Der Botschafter Irans bei der Internationalen Atomenergieagentur (IAEO) in Wien, Ali Asghar Soltanieh, sagte, die Antwort werde es erst kommende Woche geben. Laut IAEO sieht Teheran den Vorschlag positiv und hat bis Mitte der nächsten Woche um Zeit gebeten. Eigentlich lief die Frist am Freitag aus.

Zuvor hatten die Regierungen in Washington, Paris und Moskau dem IAEO-Vorschlag zur weiteren Anreicherung iranischen Urans in Russland zugestimmt. Nach Angaben von Diplomaten sieht der am Mittwoch vorgelegte Plan vor, den größten Teil des auf 3,5 Prozent angereicherten iranischen Urans in Russland auf 20 Prozent weiterverarbeiten zu lassen. Das wäre genug für den Forschungsreaktor, für den der Iran den Brennstoff braucht. In dem Reaktor werden Isotopen für medizinische Zwecke hergestellt. Dass jemand dem Iran atomaren Brennstoff verkauft, ist wegen der Sanktionen unwahrscheinlich.

Sollten das Abkommen nicht zustande kommen, drohen dem Iran neue Sanktionen. Mit Frankreich, das sich besonders lautstark für ein Drehen an der Sanktionenschraube ausspricht, kam es diese Woche zu Spannungen. Teheran wollte Paris aus dem Deal ausgeschlossen haben, ursprünglich hatte eine zweite Phase der Brennstoffherstellung in Frankreich stattfinden sollen.

Der Deal hätte den Vorteil, dass auf diese Weise ein Großteil des iranischen Urans unter internationale Kontrolle käme und nicht in waffenfähiges Material umgewandelt werden könnte. Allerdings geht es dabei nicht um den Stopp der Urananreicherung im Iran, den der UNO-Sicherheitsrat verlangt. (guha/DER STANDARD, Printausgabe, 24.10.2009)

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