Eine Million Bußgeld für Von Pierer

23. Oktober 2009, 09:34
10 Postings

Im Zusammenhang mit dem Schmiergeld-Skandal muss der ehemalige Vorstandschef mit einer beträchtlichen Summe rechnen

München - Ex-Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer droht in der Siemens-Schmiergeldaffäre laut einem Bericht ein Bußgeld von bis zu einer Million Euro. Der Konzern habe von der Staatsanwaltschaft "eindeutige Signale" zum Stand des Bußgeldverfahrens gegen den langjährigen Vorstandschef erhalten, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Siemens-Kreise, unter anderem aus dem Aufsichtsrat. Das Verfahren gegen seinen Nachfolger Klaus Kleinfeld solle dagegen mangels Schuld eingestellt werden, schrieb das Blatt.

Die Staatsanwaltschaft kommentierte den Bericht am Freitag auf Anfrage nicht. Pierer erklärte in einer über seinen Anwälte verbreiteten Stellungnahme, ihm sei nichts vom Erlass eines Bußgeldbescheides bekannt. Derzeit gebe es keinen Anlass einen solchen hinzunehmen. Die gegen ihn im Bußgeldverfahren und der Auseinandersetzung mit Siemens um Schadenersatzzahlungen vorgebrachten Vorwürfe wies Pierer zurück.

Vorwürfe gegen den Konzern

Gleichzeitig erhob der ehemalige Siemens-Chef Vorwürfe gegen den Konzern: Siemens wähle "erneut den hinlänglich bekannten Weg der Druckausübung über eine Berichterstattung". Insbesondere, dass versucht werde, eine angebliche öffentliche Festlegung der Staatsanwaltschaft zu publizieren, erstaune, heißt es in der Erklärung.

Ein Siemens-Sprecher sagte: "Die Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen ehemalige Vorstände des Hauses Siemens sind ausschließlich Angelegenheit der Staatsanwaltschaft. Spekulationen hierzu können wir nicht kommentieren." Zugleich betonte er, dass die Gespräche über Schadenersatzforderungen des Konzerns gegen Pierer und weitere Manager völlig unabhängig von den Verfahren der Staatsanwaltschaft geführt würden.

Schadenersatz

Der Konzern will sechs Millionen Euro Schadenersatz von seinem früheren Vorstandschef. Zuletzt hatte Siemens Pierer und anderen Managern ein Ultimatum bis Mitte November gestellt, um in die Schadensersatzforderungen einzuwilligen. Andernfalls drohte der Konzern seinen ehemaligen Chef auf Schadenersatz in unbegrenzter Höhe zu verklagen. Siemens muss sich rasch mit den Managern einigen, um ein Ergebnis noch rechtzeitig zur Hauptversammlung im Jänner präsentieren zu können.

Laut "SZ" soll das Verfahren gegen Pierers Nachfolger Klaus Kleinfeld mangels Schuld eingestellt werden. Aus dem Aufsichtsrat heiße es: Kleinfeld sei "von der alten Garde bei Siemens teilweise getäuscht worden" und habe das Ausmaß der Praktiken nicht erkennen können.

Der Konzern erwartet dem Bericht zufolge nun, dass er sich mit Kleinfeld auf einen Schadensersatz einigen kann, Siemens verlangt zwei Millionen Euro. Laut "SZ" sollen Kleinfelds Anwälte zur Bedingung gemacht haben, dass die Staatsanwaltschaft nicht gegen ihren Mandanten vorgeht, da ihm sonst das Ende seiner Karriere drohe. Kleinfeld leitet den US-Stahlkonzern Alcoa. Kleinfelds Nachfolger an der Siemens-Spitze ist der Kärntner Peter Löscher. (APA/AP)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ex-Chef Von Pierer

Share if you care.