Konsequenz der Dominanz der Männlichkeit

3. April 2003, 10:06
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Soldatinnen im Kriegs-Einsatz: Sensibilisierung für weibliche Gegenkonzepte wird erschwert

Feminismus und Friedensbewegung - beinahe eine Tautologie, bedenkt frau ob aller Differenziertheit innerhalb der Frauenbewegung deren Einbettung in friedensbewegte Traditionen. So wie Männlichkeit und Miltiarismus Zwillinge sind, Militarismus und Krieg, Krieg und Staatlichkeit, Staatlichkeit und Männlichkeit, sind es auch Weiblichkeit und Pazifismus, Pazifismus und Friede, Friede und überkommene Staatlichkeit.

Diese Dichotomien, aus instrumenteller Vernunft entstanden, bestimmen mit die gesellschaftliche Idee von Geschlecht, ordnen die Geschlechter den jeweiligen Sphären zu, die im Fall Frau ihren Ausschluss aus politischen und wirtschaftlichen Kontexten ermöglicht hatte, ihre Verfügbarkeit, ihre Unterdrückung. Aus der Erfahrung der Unterdrückung in einer von männlichen Wert- und Ordnungsprinzipien bestimmten Lebenswelt haben Frauen weibliche Gegenstrategien entwickelt, die in feministischen Bewegungen durch Auseinandersetzung mit Technokratie, Expertokratie, Bürokratie, ganz allgemein mit den Prinzipien, die sich im öffentlichen Bereich nach der Abspaltung und Ghettoisierung des weiblichen Prinzips in den privaten Bereich entwickelt haben, politisiert wurden.

Doch die Übernahme dominanter männlicher Strategien erschwert die Sensibilisierung für Gegenkonzepte, nicht nur, weil Politikerinnen wie Frau Merkel, die sich immer wieder größte Mühe gibt, zu betonen, sie mache Politik als Mensch, nicht als Frau, in den vorgezeichneten Wertekanon der Weltpolitik miteinstimmen: Die Frauenbewegung hat mit der gnädigen Zulassung von Frauen beim Bundesheer einen entscheidenden Kampf verloren. Mit emanzipatorischer Selbstbestimmung hat das ganz sicher nichts zu tun.
15 Prozent der US-SoldatInnen im Irak sind Frauen. In anderen Bereichen wird diese Quote wohl noch lange schwer erkämpft sein, als Geschossfutter sind sie gut genug.

Die Soldatinnen selber werden das wahrscheinlich anders empfinden: ein pervers sozialisiertes System, so Erich Fromm, sorgt für Entlohnung (keine schlechte), Nahrung, ärztliche Betreuung, Unterkunft und Kleidung in Friedenszeiten, und im Krieg wird gegen Systempfeiler wie Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Langeweile, die Frauen nur zu gut bekannt sind, indirekt rebelliert. Dass das ein ungemein schlechterer Weg zur Veränderung ist als an die Ursachen der Strukturen der Unterdrückung zu gehen und sie zu zerstören, in den politischen Systemen im Nahbereich, die die Unterdrückung perpetuieren, aber ein anerkannterer, aufgewertet (ist ja auch männlich...), ist offensichtlich. Die Alternativen müssen lautstärker und breiter kommuniziert werden. (bto)

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    15 Prozent der US-SoldatInnen, die im Irak-Krieg im Kampfeinsatz sind, sind Frauen.
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