"Senden unverantwortlicherweise die falschen Signale"

29. März 2003, 19:28
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Impact-Factors als internationales Qualitätsmessinstrument: Eine Kritik an der Kritik des jüngsten Ärzterankings

Rankings von Wissenschaftern auf Basis von Publikationen in internationalen Fachzeitschriften führen immer zum selben Ergebnis: Reflexartig melden sich die Kritiker und bemühen sachliche und unsachliche Argumente, um das Ranking als verzerrt oder irrelevant darzustellen, weil sich Forschung angeblich nicht messen lasse.

Aktuellstes Beispiel ist die "Bestenliste" deutschsprachiger Mediziner, basierend auf den Impact-Factors ihrer Publikationen: Sie wird als nutzlos und subjektiv abgestempelt, weil sie nichts über die Patientenbetreuung aussage, auf einer winzigen Auswahl an Fachblättern beruhe, die nur vermeintlich die Resonanz einer Zeitschrift messe - DER STANDARD berichtete. Diese Kritik mag all jenen aus der Seele sprechen, die jede Messung von Forschungsleistungen verhindern wollen. Die Kritik ist aber haltlos.

Im Zuge eines Rankings des Publikationsoutputs von Medizinern über nicht gemessene Patientenbetreuung zu lamentieren zeugt von Unkenntnis davon, was denn Forschung überhaupt ist und welchen Zweck sie hat. Solche Rankings messen, wie präsent einzelne Forscher in den international bedeutendsten Fachzeitschriften vertreten sind. Damit zeigen die Listen, welche Forscher und Institutionen im Konkurrenzkampf um knappen Publikationsplatz erfolgreich sind. Es wäre ein Missverständnis zu glauben, Wissenschaft bestehe nur darin, neue Ideen oder Ergebnisse zu produzieren. Wissenschaft bedeutet auch Wettbewerb dieser Ideen, der sich eben im Wettbewerb um Publikationen spiegelt.

Reihungen anhand Impact-Factors basieren auf den Publikationen in den weltweit führenden Fachzeitschriften. In der Disziplin Volkswirtschaftslehre zum Beispiel sind in den entsprechenden Datenbanken mehr als 160 Fachzeitschriften nach Impakt-Faktoren gerankt - und das sind sämtliche Zeitschriften, die auch bei persönlichen Befragungen deutschsprachiger Ökonomen als die wichtigsten eingestuft wurden. Medizinische Zeitschriften in den Datenbanken sind ähnlich umfassend. Impact-Factors sind ein Maß der relativen Zitationshäufigkeit der Artikel in einer Zeitschrift und sie sind über einen längeren Zeitraum betrachtet sehr stabil.

Ein hoher Impact-Factor sagt selbstverständlich noch nichts über die Qualität einer Arbeit aus, sondern ist ein Indikator für die Bedeutung des Publikationsorgans. Sich einer Quantifizierung des Forschungsoutputs aber mit dem Argument entziehen zu wollen, dass jede Forschungsleistung nur individuell, aber nicht im Vergleich zu anderen Arbeiten beurteilt werden könne, ist das fadenscheinige Argument jener, die sich dem Wettbewerb im Wissenschaftsbetrieb nicht stellen wollen. Solche Personen und Kritiken schädigen den Wissenschaftsstandort Österreich, senden an junge Forscher unverantwortlicherweise die falschen Signale und stellen sich Unis auf dem Weg zur Weltklasse entgegen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30. 3. 2003)

Von Matthias Sutter

Der Autor ist Theologe und Wirtschaftswis- senschafter, Universitätspro- fessor am Institut für Finanzwissenschaft in Innsbruck.

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