Abzug von achtzig finnischen Afghanistan-Soldaten "technischer Lapsus"?

22. Oktober 2009, 21:26
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Spitzenpolitiker von Armee-Entscheidung offenbar überrumpelt

Helsinki - Der überraschende Rückzug von 80 finnischen Soldaten der NATO-geleiteten ISAF-Truppe aus Afghanistan unter führenden Politikern für Verwirrung gesorgt. Sowohl Präsidentin Tarja Halonen, Ministerpräsident Matti Vanhanen als auch Außenminister Alexander Stubb gaben sich am Donnerstag überrascht darüber, dass die Armeeführung die erst im August zur Überwachung der Präsidentenwahlen nach Afghanistan entsandten Zusatztruppen wieder nach Hause beorderte, ohne eine mögliche - und letztlich tatsächlich angekündigte - Stichwahl in dem kriegsgebeutelten Land abzuwarten.

Halonen sprach laut der finnischen Nachrichtenagentur STT von einem "technischen Lapsus". Sie sei davon ausgegangen, dass die befristete Verdoppelung der finnischen Truppenstärke auf 200 Soldaten zumindest für so lange Zeit gedacht wäre, bis das Ergebnis der Wahlen feststünde. Der derzeit mit Halonen auf einer Nahostreise befindliche Stubb versuchte, die Panne herunter zu spielen und betonte, an der prinzipiellen Linie Finnlands in Afghanistan ändere der Rückzug der Soldaten nichts. Ein längerer Aufenthalt sei "technisch nicht möglich gewesen".

Ministerpräsident Matti Vanhanen sprach im Parlament in Helsinki am Donnerstag von einem "gröberen Informationsausfall" zwischen Regierung und Armee. Er gab an, über die Rückholung der Truppen erst aus den Medien erfahren zu haben. Verteidiungsminister Jyri Häkämies hatte die Armee-Entscheidung vergangene Woche ausdrücklich verteidigt. In Finnlands Öffentlichkeit waren nach wiederholten Meldungen über die Involvierung finnischer und schwedischer ISAF-Soldaten in schwere Kämpfe in letzter Zeit Zweifel bezüglich der fortgesetzten Teilnahme an der Militärmission laut geworden. (APA)

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