"Wir müssen den Sportlern dienen"

22. Oktober 2009, 20:39
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Sport soll stärker in den Mittel­punkt gestellt werden, Dank an Vorgänger Wallner. Im Dezember kriegt das ÖOC einen neuen Vor­stand, dann neue Strukturen

Wien - "Grüß Gott. Ich freue mich riesig auf die neue Aufgabe." Mit diesen Worten hat Karl Stoss am Donnerstagabend seine Ära als elfter ÖOC-Präsident eingeleitet. Das Einleiten geht vorerst weiter, Stoss steht noch ohne Vorstand da, dieser war ebenso wie Stoss-Vorgänger Leo Wallner zurückgetreten. Ein neuer Vorstand soll bei der Generalversammlung am 3. Dezember gewählt werden. Bis dahin wird Stoss gemeinsam mit einer Wahlkommission Kandidaten suchen. Er schließt nicht aus, dass das eine oder andere Mitglied des alten Vorstands auch dem neuen angehört. Und er plant eine umfassende Strukturreform mit neuen Statuten. In den nächsten drei Monaten sollen "entsprechende Beschlüsse" gefasst sein. "Ich will nichts übers Knie brechen, aber auch nichts verschleppen bis zum Sankt Nimmerleinstag."

Bei der gestrigen Hauptversammlung des ÖOC im Haus des Sports in Wien-Wieden hatte Stoss zunächst über seine Pläne referiert. Seine Wahl für vier Jahre erfolgte einstimmig und unter viel Applaus, 38 der 39 Stimmberechtigten waren anwesend, der Taekwondo-Verband hatte sich entschuldigt. Nach der Versammlung trat Stoss (52) gemeinsam mit Wallner (73) auf, bei dem er sich ausdrücklich, um nicht zu sagen: demonstrativ bedankte. "Du warst ein ehrlicher, aufrichtiger Diplomat in Sachen Sport. Du hast Großartiges geleistet. Dein Rücktritt bedeutet kein Schuldeingeständnis."

Wallners leiser Abschied

Wallner sprach mit leiser Stimme, bedankte sich "bei meinem Büro" , nannte Stoss "den richtigen Mann zur richtigen Zeit" . Die Einstimmigkeit der Stoss-Kür und der Applaus hernach hatten Wallner beeindruckt, sie seien von "besonderer Art" gewesen. Wallner war dem ÖOC 19 Jahre lang vorgestanden, stets "in ehrenamtlicher Position" , wie Stoss betonte. Der Vorarlberger war Wallner im Mai 2007 schon als Casinos-Austria-Generaldirektor nachgefolgt. Gestartet war er nach einem Betriebswirtschaftsstudium bei der Vorarlberger Landesversicherung in Bregenz. Sein Weg führte ihn u.a. in die PSK, die Raiffeisen Zentralbank (RZB) und die Generali Vienna Versicherung. Nach der PSK-Übernahme durch die Bawag wurden ihm Friktionen mit Bawag-Chef Helmut Elsner nachgesagt. Stoss ging zur RZB, wo er von 2001 bis 2004 im Vorstand saß.

 

Nachgesagt wird ihm auch eine hohe Sportaffinität. Er war selbst aktiver Wasserballer und Schwimmer, ist passionierter Bergsteiger. Stoss will künftig "viel stärker den Sport in den Mittelpunkt stellen" , sagte auch: "Wir müssen den Sportlern dienen, nicht sie uns." Schon heute, Freitag, begibt er sich ins ÖOC-Büro, dort sei "ein absoluter Kassasturz" angesagt, er wolle "den Blick freihaben für eine erfolgreiche Zukunft. Wer nicht handelt, der wird behandelt."

Sportminister Norbert Darabos begrüßt die Stoss-Pläne, nennt den ÖOC-Präsidenten "einen Topmanager und sparsamen, sorgfältigen Vorarlberger" . Er, Darabos, werde kein Problem damit haben, wenn alte Vorstandsmitglieder wieder kandidieren, allerdings bestehe bei den Kassieren und Rechnungsprüfern "Erneuerungsbedarf". (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 23.10. 2009)

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    Karl Stoss, seit Donnerstag Präsident des ÖOC.

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