Kinderbeteiligung in Schulen und Gemeinden

22. Oktober 2009, 19:46
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Internationales Symposium "Kindheit und Gesellschaft" in Bregenz diskutiert über Umsetzung der Kinderrechte

Bregenz - "Ihr nennt uns die Zukunft, wir jedoch sind auch die Gegenwart", ließen die Kinder beim UN-Welt-Kinder-Forum 2002 die Erwachsenen in einer "Botschaft an die Welt" wissen. Die Bereitschaft, Bedürfnisse, Wünsche und Ideen von Kindern ernst zu nehmen ist aber auch nach 20 Jahren UN-Kinderrechtskonvention erst in Ansätzen vorhanden. Die österreichischen Regierungsparteien wollen zwar die Kinderrechtskonvention in die Verfassung aufnehmen, klammern aber in den Entwürfen den Teil Partizipation aus.

Ob es um Spielraumgestaltung, Schulalltag oder familiäre Entscheidungen geht, Kinder sollten "in den Dingen, die sie betreffen, um ihre Meinung gefragt werden", sagt Carmen Feuchtner, Geschäftsführerin des Vereins "Welt der Kinder". Seit 2000 ruft das Netzwerk jährlich Expertinnen und Experten aus allen Teilen der Welt zum interdisziplinären Symposium. Im Austausch von Wissen und Erfahrung wird nach Möglichkeiten gesucht, eine gerechte Welt für Kinder und Erwachsene zu schaffen. "Kindern und ihren lebenswichtigen Netzwerken Würde, Gegenwart und Zukunft zu geben" ist das Ziel. Die diesjährige Tagung (bis 24. Oktober im Festspielhaus) trägt den Titel: Kindheit und Gesellschaft III. Freiheit? Gleichwürdigung. Partizipation!

"Welt der Kinder" stößt in Vorarlberg Kinderbeteiligungsprojekte an und begleitet sie. Carmen Feuchtner: "Es gibt kein Rezept, aber viele Wege, Kindern die Möglichkeit zu geben, ihre Vorstellungen zu zeigen. Zunächst geht es darum, gut zuzuhören." Befragungen bewährten sich, um herauszufinden, welche Art der Beteiligung von den Kindern angenommen werde, was sich die Kinder von den Erwachsenen erwarten, wofür sie sich engagieren möchten.

In Schulen wurden Klassenräte eingerichtet und künstlerische Projekte durchgeführt, mit denen die Kinder aufzeigen, was sie verändern möchten. An einigen Schulen wird mit Kindern philosophiert. In den Gemeinden Bregenz und Lustenau entstanden fixe Kindertreffpunkte, die von den Kindern gestaltet und betreut werden. Immer mehr Gemeinden lassen Kinder bei der Spielraumgestaltung mitentscheiden und mitwirken. Diese Art der Partizipation wird vom Land Vorarlberg mit speziellen Fördermitteln belohnt. Einforderbar, wie von den Kinder- und Jugendanwaltschaften gewünscht, ist das Recht auf Beteiligung aber auch in Vorarlberg nicht. (Jutta Berger, DER STANDARD - Printausgabe, 23. Oktober 2009)

  • Kinder wollen mitgestalten, mitreden. Wie eine Gesellschaft die Anliegen der Kinder ins Zentrum rückt, wird in Bregenz beraten.
    foto: standard/christian fischer

    Kinder wollen mitgestalten, mitreden. Wie eine Gesellschaft die Anliegen der Kinder ins Zentrum rückt, wird in Bregenz beraten.

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