Papabile Sozialkompetenz

22. Oktober 2009, 19:41
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"Päpstin" Johanna Wokalek kürzte bei der Österreichpremiere die Frage-Prozedur ab

Soziale Kompetenz zu spielen ist eine Sache. Schauspielern helfen Professionalität, Drehbuch und Regie, dabei glaubhaft zu wirken: In ihrer Rolle als Papst, von dem zu diesem Zeitpunkt niemand weiß, dass er Päpstin ist, gelingt es Johanna Wokalek daher in kurzer Zeit, die Herzen des Volkes zu gewinnen. Weil sie dessen Anliegen vor Eitelkeit und Geltungsdrang klerikaler Hofschranzen und adeliger Wichtigmacher stellt.

Soziale Kompetenz auch im Alltag zu zeigen ist aber etwas anderes. Doch Mittwochabend, bei der Österreichpremiere von Sönke Wortmanns umjubelter Verfilmung von Donna W. Cross' Historiendrama Die Päpstin bewies Wokalek im Wiener Village-Cinema auch die: Als Barbara Rett nicht aufhörte, mit tiefschürfend-spannenden Fragen ("Wie ist es, eine Frau zu küssen, die eine Tonsur rasiert hat?") Hauptdarsteller David Wenham ebenso zu begeistern wie das Premierenpublikum, kürzte sie die Prozedur ab: "Ich glaube, die Leute sind gekommen, um den Film zu sehen, nicht, um uns reden zu hören." Dem war nur wenig entgegenzusetzen. (rott, DER STANDARD - Printausgabe, 23. Oktober 2009)

  • Premierenbesucher in Wien: Wenham, Wokalek.
    foto: andreas tischler

    Premierenbesucher in Wien: Wenham, Wokalek.

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