EU-Kommissar Hahn als lachender Dritter

Thomas Mayer, DER STANDARD, 22. Oktober 2009, 19:33
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    foto: reuters/bader

Das Drama um die Nominierung des österreichischen EU-Kommissars nimmt scheinbar unaufhaltsam seinen Lauf. Verrückt. Den Schaden wird letztlich Österreich haben.

Seit 1995 hat Wien zweimal das einflussreiche Agrarressort besetzen können, 2004 dann die Außenpolitik der Kommission. Auch wenn viele das hierzulande vielleicht nicht so sehen wollen: Das war zum Nutzen Österreichs, eine Anerkennung. Natürlich ist ein Kommissar der Union verantwortlich. Aber es gibt ohne Zweifel auch eine positive Nebenwirkung für die nationalen Wünsche.

Auf dieser europäischen Ebene an wichtiger Stelle mitzuspielen, wie Franz Fischler und Benita Ferrero-Waldner das getan haben, war nicht nur eine symbolische Auszeichnung für ein kleines, pro-europäisches, zentral gelegenes und neutrales Land, das von der Öffnung nach Osten enorm profitiert hat (und dies weiter tun wird). Es war auch Ausdruck dafür, dass die Partner Österreich als wichtigen Mitspieler sehen.

Nicht nur das steht jetzt auf dem Spiel. Was ist seit vergangenem Donnerstag, seit dem Besuch von Präsident José Manuel Barroso in Wien in Kanzler und Vizekanzler gefahren, dass diese so wichtige Personalentscheidung derart aus dem Ruder laufen konnte?

Hat Werner Faymann wirklich geglaubt, seine Windungen in dieser Frage - zuerst schlägt er Mitte September bei Barroso selber den Ex-VP-Chef Wilhelm Molterer vor, wie mit Pröll vereinbart, drei Wochen später wirft er sich zur Überraschung Barrosos und am Koalitionspartner vorbei für Ferrero-Waldner ins Zeug - würden geheim bleiben? Glaubt man im Kanzlerbüro allen Ernstes, man könne mit den Diensten der Kommission und ihres Präsidenten, mit den diplomatischen Drähten in die wichtigsten Hauptstädte, die da involviert sind, so umgehen wie ein Wohnbaustadtrat in Wien mit seinen Magistratsbeamten?

Und Josef Pröll: Hat er wirklich geglaubt, die Sache würde quasi wie von selbst über die Bühne gehen? Hat er nicht mitgekriegt, welchen Aufstand die SPÖ-Kader gegen Molterer inszenieren würden?

Seltsam ist das alles.

Viele fragen sich jetzt, wie man aus diesem Schlamassel ohne Gesichtsverlust wieder rauskommen soll. Ich glaube, das geht im Grunde gar nicht mehr. Faymann hat durch sein unbedachtes Vorpreschen Ferrero-Waldner und Molterer als Kandidaten "kaputtgemacht". Einige Leser haben schon angefragt, wieso Ferrero-Waldner sich für so etwas überhaupt hergibt. Gute Frage. Ferrero-Waldner will derzeit auf Fragen nicht antworten, ließ sie mich gestern wissen.

Beide können ohne Gesichtsverlust des jeweiligen Parteichefs des Koalitionspartners kaum mehr EU-Kommissar werden. Pröll hat in der Regierung das Vorschlagsrecht, das kann er sich in aller Öffentlichkeit ja nicht gut von Faymann aus der Hand schlagen lassen. Wie hat sich der Kanzler das eigentlich vorgestellt? Und Faymann würde sich sehr schwertun, wenn Molterer doch als Agrarkommissar zum Zug käme.

Wenn diese Kandidatenzerstörung das Ziel war, Gratulation! Es ist Faymann perfekt gelungen. Da können der Kanzler und sein Vizekanzler einander die Hand reichen. Denn Pröll hat ihm dabei zugeschaut.

Der lachende Dritte könnte jetzt Wissenschaftsminister Johannes Hahn sein, als Kompromisskandidat. Wenn er Glück hat, kriegt er von Barroso die Forschungsagenden. Aber da sind Zweifel angebracht.

Frage an das Duo Faymann/Pröll: Welche Qualifikation für Europa hat der frühere nicht-amtsführende VP-Stadtrat von Wien, der einmal einen Glücksspielkonzern leitete, eigentlich?

Das ganz andere Szenario wäre freilich, dass beim EU-Gipfel nächste Woche (oder im November) durch christdemokratischen Einfluss das ganze Szenario für Österreich neuerlich auf den Kopf gestellt wird. Dort werden die echten Job-Schwergewichte - Präsident, Außenminister, die wichtigsten EU-Kommissare - festgelegt werden.

Ich habe Anzeichen, dass Angela Merkel da eine bisher völlig unsichtbare, aber wichtige Rolle spielt. Gesichert ist, dass Pröll mit ihr und auch mit EU-Ratspräsident Fredrik Reinfeldt, dem schwedischen Premierminister, ständig direkt in Kontakt steht. Das Gewicht der deutschen Regierungschefin ist im Verbund mit dem französischen Präsidenten nicht hoch genug zu veranschlagen.

Es könnte sogar sein, dass die Interessen Österreichs auf einen guten EU-Job von Merkel am Ende stärker vertreten werden als vom Bundeskanzler, weil der de facto alle ÖVP-Schwergewichte blockiert, und auch einen aus den eigenen Reihen, Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer, nicht einmal erwähnt.

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Truthlobby
00
27.10.2009, 13:15
jetzt haben offiziell alle

einen Schaden!

Heiner Müller
00
25.10.2009, 12:34
Man hat den Eindruck

daß Herr Mayer persönlich betroffen ist. Dabei ist die Sache eigentlich ganz normal verlaufen. Mit dem Molterer konnte die SP nicht, mit der Ferrero die VP nicht, also wirds halt der Hahn, mit dem können VP und SP. Eigentlich die normalste Sache der Welt, wenn es nicht Journalisten gäbe, die da auch noch mitmischen wollen, indem sie irgenwelche sinnlose Geschichten inszenieren.

NaderNader
01
23.10.2009, 18:00
Wahnsinn, der Mayer - ein echter Experte!

Mayer als Kommissar, das wär´s! Solche Wichtigmacher und Andeutungskaiser, genau solche Leute braucht die EU. Der soll mal einen ordentlichen Kaffeesudkurs zwecks Wahrheitsfindung belegen. Falls es dem Herrn Wichtig noch nicht aufgefallen ist: in jedem EU-Land gibt es ein Gerangel um den jeweiligen Kommissar. Und Österreich soll da anders sein? Einfach lächerlich.

Christiane Amanpour
 
01
23.10.2009, 12:04
Österreich hat sich lächerlich gemacht

Das Ganze ist ein furchtbares Gemurks, aber Hr. Mayer murkst tatkräftig daran mit.

Positiv an einer Nominierung von Hahn (für welches Amt eigentlich? Spielhallen-Wissenschaft?) könnte sein, dass er endlich nicht mehr öst. Wissenschaftsminister ist. Aber das ist natürlich eine Negativargumentation.

Der Standard könnte sich in einer selbstgemachten Falle verfangen. Faymann ist ZU medienhörig (Krone!), das weiß man. Jetzt wird ihm über den Standard andauernd ausgerichtet, dass die SP in ihren letzten Zügen liege. Also zappelt der Medienhörige herum. Tolles Ergebnis. Auftraggeber zufrieden?

Nur: Wer sind die Verhandlungspartner im Konfliktfall? Mit wem wird die Wirtschaft REDEN, wenn es Spitz auf Knopf geht?

Politisch kurzsichtig.

WunzelPunzel
00
23.10.2009, 12:12
nicht mehr öst. Wissenschaftsminister

schöne Aussicht - wenigstens eine.
Aber als g'lernter Österreicher: Es kommt nix bessers nach..

WunzelPunzel
00
28.10.2009, 08:20

dvonrennen war noch nie mein ding!!

Stimme der Vernunft
00
23.10.2009, 13:29
Wenns Ihnen in Oesterreich nicht passt...

... dann wanderns halt aus. Ich habs gemacht. Kein Vergleich. Suderns also nicht herum, sondern verlassen Sie das Land.

Nik M
00
23.10.2009, 12:00
Ferrero Waldner hat einen Teil der Aussenagenden

durch einen Unfall bekommen - das war keineswegs "eine Anerkennung". Eigentlich haette der Vertrag von Lissabon viel frueher in Kraft treten sollen, und Solana war als quasi EU Aussenminister vorgesehen. Ferrero-Waldner ist in eine Position gerutscht, die ihr eigentlich eine Nummer zu gross war - wie ein Poster hier geschrieben hat, sie hat Sprachkenntnisse und gute Umgangsformen. Das wars aber auch schon.

Hahn mit Zustaendigkeit fuer Forschung und Entwicklung waer 10x besser als Ferrero-Waldner ohne Ressort.

Heiner Müller
03
23.10.2009, 11:27
Nach der Hahn

vom Mayer poshum zum Vizebürgermeister gemacht worden ist, müßte man folgerichtig irgendwas im Wien auch nach ihm bennen. Vorschlag: Gio Gockel Platz

zimbo
 
00
23.10.2009, 11:26
Ö hat sowieso den Schaden.

Red Zone
24
23.10.2009, 09:59

ÖVP-"Schwergewichte"? Hahn? Tschuldigens, Herr Mayer, aber das ist lächerlich. Fragens einmal den Onkel Erwin in St. Pölten nach der Schwergewichtigkeit des Dschio, der hört bis Weihnachten nicht mehr zu lachen auf.

rompitasche
00
23.10.2009, 11:10
Stricherl links

wegen Ihrer Leseschwäche

skip it
00
23.10.2009, 10:50
koennen s' net lesen?...

...den hahn blockiert er eh net!

Nik M
44
23.10.2009, 09:12
Hahn ist auch nicht

weniger qualifiziert als Molterer und Ferrero Waldner, hat aber zusaetzlich noch Handschlagqualitaet, und scheint der eigenen Vernunft wenigstens gleich viel Gewicht wie dem Befehl des Tages der OevP-Stahlhelmfraktion zu geben. Mehr Anforderungen an einen Oe-Kommissar zu stellen scheint mir fast schon vermessen.

Ich waer froh ueber Hahn.

BobDuke
01
23.10.2009, 15:00
Froh wären,...

... wie schon andere hier schrieben, nur alle BMWF Abhängigen (Studenten, Forscher): endlich wäre der Gockl weit weg.

bunter wimpel
03
22.10.2009, 23:25
wer österreich aus dem CERN entfernt, der hat halt gut lachen, ha ha ha.

Heiner Müller
22
22.10.2009, 23:07
Mayer Kommentar

könnte man ja ohne Änderung als ÖVP-Parteitagsrede durchbringen. Kann ich nicht verstehen, daß sich ein unabhängiger Journalist so in den Sold einer Partei begeben kann.

skip it
01
23.10.2009, 12:34
das sind s' net g'wohnt, was?...

...da schreibt tatsaechlich einer, was sache ist.

und liefert tatsaechlich hintergrundinformation, die den tagtaeglichen bloedsinn der oest. politiker aller couleurs bloßstellt, allen selbstverbockten mist auf "bruessel" abzuschieben.

dem mayer uebertriebene oevp-naehe anzudichten ist uebrigens ein verwegenes unternehmen, hut ab!

Red Zone
00
23.10.2009, 09:57

Da schreibt sich jemand in Richtung eines neuen Jobs in Brüssel, so zumindest mein Eindruck.

hurchzua
00
23.10.2009, 08:42
geh bitte

die Kritik an Pröll liefert er als Pflichtübung ja mit

buddha
03
22.10.2009, 22:55
QUALITÄTSJOURNALISMUS??

"der ehemalige Wiener VP-Vizebürgermeister"???? meines wissens war hahn stadtrat (nicht einmal amtsführender), aber nie und nimmer wiener vizebürgermeister!!!

Thomas Mayer, DER STANDARD
03
22.10.2009, 23:51
Sorry! Er war natürlich in Wien noch weniger: nicht-amtsführender Stadtrat...

henriette mayr
00
23.10.2009, 10:17

dafür hat er mit novomatic in den jahren vorher die grundlagen für einschneidende änderungen im stadtbild geschaffen.

erste Stunde Relli
00
22.10.2009, 23:32

habe mich auch gewundert, und darüber dass das nicht mehr Leuten auffällt, ist doch ein recht gravierender Fehler.

Stifter
00
22.10.2009, 23:31

Richtig: er war Nicht-amtsführender Stadtrat!

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