Stadt Wien stellt neugierige Fragen zum Krankenstand

22. Oktober 2009, 19:06
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Wer sich als Bediensteter der Stadt Wien krankmeldet, muss in bestimmten Fällen danach zum Gespräch erscheinen

Die Grünen sehen darin Drohungen, die Magistratsdirektion weist das zurück. 

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Wien - Wer bei der MA 48 (der Wiener Magistratsabteilung für Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark) zum dritten Mal innerhalb von zwölf Monaten oder länger als 15 Tage im Krankenstand war, muss danach ein "Rückkehrgespräch" führen. Der Fragebogen, nach dem dabei vorgegangen wird, liegt dem Standard vor. Am Beginn steht darauf die Frage: "Wollen Sie den Grund für Ihren Krankenstand bekanntgeben oder ist Ihnen die Bekanntgabe unangenehm?" Dann folgen mehrere Fragen zur Arbeitsfähigkeit, zu etwaigen Verbesserungsvorschlägen zur Verhinderung weiterer Krankenstände und zum Arbeitsklima.

Waltraut Antonov, Kontrollsprecherin der Grünen Wien, und Budgetsprecher Martin Margulies kritisierten diese Befragungen am Donnerstag scharf. Sie vermuten, dass diese Praxis in mehreren Magistratsabteilungen der Stadt üblich ist. Man ist zwar nicht verpflichtet, in dem "Rückkehrgespräch" Fragen zur Diagnose zu beantworten. Die Grünen vermuten aber, dass der Druck, es zu tun, groß sei. "Die Stadt verhält sich als Arbeitgeber gegenüber den Mitarbeitern nicht anders als die ÖBB. Es gibt dieselben Druckmaßnahmen, Drohungen und Mobbing", sagte Margulies.

Den Vorwurf des Drohens und Mobbens weist Rudolf Gerlich, Sprecher der Magistratsdirektion, vehement zurück. Rückkehrgespräche sind ihm zufolge ein legitimes Instrument, das Leiter von Magistratsabteilungen anwenden können. Wo konkret sie überall üblich seien, wisse er aber nicht, da es keine zentrale Erfassung gebe.

"Basiert auf Freiwilligkeit" 

Christian Meidlinger, Chef der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, hat mit den Gesprächen kein Problem: "Das basiert ja alles auf Freiwilligkeit."

Neben den Fragebögen sorgen bei den Grünen auch andere eingelangte Beschwerden für Aufregung. Antonov habe etwa von jemandem aus der Telefonvermittlung im Rathaus (MA 55) gehört, dass Mitarbeiterinnen nach einer Operation sofort wieder arbeiten gingen, aus Angst, Leistungszulagen nicht zu bekommen. Gerald Koch, Leiter der Personalabteilung der MA 55 sagt, das komme höchstens für kurze Zeit vor, wenn jemand mehrere Monate lang krank war und man nicht wisse, ob er danach sehr gute Leistungen erbringen könne. Eine schriftliche Mahnung an eine Bedienstete, "sich voll auf ihre Arbeit zu konzentrieren", da es sonst nicht möglich sei, "alle Wünsche für die Urlaube im Winter zu genehmigen", erklärt Koch damit, dass es bei den Telefonistinnen große Diskrepanzen in der erbrachten Leistung gebe, was man eben auch ansprechen müsse.

Dass es sich nur um Einzelfälle handelt, glaubt man bei den Grünen nicht: Bei ihnen seien mehrere Beschwerden aus den Abteilungen Kindergärten, Wiener Rettung und Gebäudemanagement eingegangen. Immer sei von Drohungen mit dienstrechtlichen Folgen oder Lohnkürzungen die Rede gewesen.

Bei der nächsten Gemeinderatssitzung am 30. Oktober werden die Grünen daher Anfragen an die jeweils für die Abteilungen zuständigen Stadträte stellen. Für Probleme der Bediensteten wollen sie einen Kummerkasten auf ihrer Homepage einrichten. (Gudrun Springer, DER STANDARD - Printausgabe, 23. Oktober 2009)

  • Wien wacht am Krankenbett: Die Stadt will als Arbeitgeber in manchen
Fällen in Rückkehrgesprächen ganz genau wissen, was hinter dem
Krankenstand von Bediensteten gesteckt hat.
    foto: standard/heribert corn

    Wien wacht am Krankenbett: Die Stadt will als Arbeitgeber in manchen Fällen in Rückkehrgesprächen ganz genau wissen, was hinter dem Krankenstand von Bediensteten gesteckt hat.

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