Kopf des Tages: Rajaratnam

22. Oktober 2009, 18:54
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Auftakt zur Jagd auf skandalöse Investoren: Der 52-jährige Raj Rajaratnam war bis zu seiner Verhaftung ein Darling der Wall Street

Er ist der Erste, der die harte Hand der US-Behörden zu spüren bekommt. Weitere sollen folgen, so die US-Börsenaufsicht SEC, die sich wegen des vermuteten Insidertradings von Raj Rajaratnam einmal mehr den Vorwurf gefallen lassen muss, Überprüfungen von Akteuren auf dem Finanzmarkt in der Vergangenheit nur äußerst lasch durchgeführt zu haben.

Der 52-jährige Gründer der Galleon Group war bis zu seiner Verhaftung vor einer Woche ein Darling der Wall Street. Er trat in Talkshows auf, spendete im Wahlkampf großzügig für Barack Obama und Hillary Clinton. Und er öffnete seinen 3,5 Milliarden Dollar schweren Hedgefonds für Überprüfungen durch die SEC - obwohl er dies nach US-Rechtslage gar nicht musste.

Als geborener Tamile spendete er auch oft und reichlich für seine Heimat Sri Lanka, deren reichster Bürger er war: etwa beim Tsunami-Unglück im Winter 2004 oder an die pro-tamilische Wohltätigkeitsorganisation TRO. Die Spendengelder nach Sri Lanka ließen kurzfristig den Verdacht aufkommen, Rajaratnam unterstütze die militante Organisation der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE). Jedenfalls ermittelte die sri-lankische Zentralbank in diese Richtung - fand jedoch keine belastenden Beweise.

Bis zu seiner Verhaftung war für Rajaratnam, der auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, alles ausgezeichnet gelaufen. Er studierte in England und den USA, gründete 1997 seinen Hedgefonds Galleon, der sich auf Investments in Informationstechnologie konzentrierte. Mit Ehefrau und drei Kindern lebte er in einem vornehmen Teil Manhattans.

Auf die Schliche kamen ihm die Behörden durch Abhöraktionen - eine Methode, die erstmals beim Verdacht auf Insiderhandel angewandt wurde. Ein ganzes Netzwerk von Vorab-Informanten aus den Unternehmen IBM, Google, AMD und Hilton gingen ihm dabei zur Hand, fünf Informanten wurden gleichzeitig mit Rajaratnam festgenommen. Die IT-Firmen IBM und Intel beurlaubten zwei im Zuge der Affäre verdächtigte Topmanager bis auf weiteres.

Trotz der Vorab-Informationen hat der Galleon-Hedgefonds auch Verluste geschrieben - was der Illegalität des Handelns aber keinen Abbruch tut. Doch Rajaratnam, der gegen eine Kaution von 100 Millionen Dollar auf freiem Fuß ist, betrachtet sich als unschuldig. Es würden so viele Informationen an ihn und seine Mitarbeiter herangetragen, sagte er. Und viele Informationen seien von zweifelhafter Qualität.(Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 23.10.2009)

 

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