"Wir sind doch alle Bad Vöslauer"

22. Oktober 2009, 18:55
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Konflikt um türkisches Kulturzentrum endete mit integrationsförderndem Kompromiss

Bad Vöslau - Wenn Aydin Akyüz und Selfet Yilmaz an ihrem Tee nippen, kann ihnen jeder, der vorbeikommt, zuschauen. Wegen der "Transparenz" - ein Wort, das Obmann und Pressesprecher des Bad Vöslauer Vereins Atib, der die Moschee plante, oft in den Mund nehmen: Der Innenhof des grau gehaltenen Gebäudes ist einsehbar und frei begehbar, die Räume im Erdgeschoss sind straßenseitig verglast.

"Die ersten Entwürfe waren vielen Mitbürgern nicht transparent genug", sagt Yilmaz etwa, "dem Wunsch nach Offenheit sind wir entgegengekommen". Doch die Offenheit wurde im sechsmonatigen Mediationsverfahren für das Kulturzentrum samt Moschee nicht zuletzt zu Kontrollzwecken eingefordert: "Da kamen Argumente von den Stammtischen hoch. Misstrauen 'was die da drin wohl tun werden'", schildert der Bad Vöslauer Bürgermeister Christoph Prinz (Bürgerliste Flammer).

Auf den erzielten Kompromiss - keine Lautsprecher, kein Muezzinruf, auf zwölf Meter gestutzte Minarette und eine Minikuppel - ist Prinz stolz. Die Alternative zum mühevollen Aufeinanderzugehen hätte wohl "in der Verzögerung für die Baubewilligung" gelegen: "Das hätte noch mehr böses Blut geschaffen". So hingegen habe man den Streit - eine FPÖ-unterstützte Bürgerinitiative sammelte 1400 Unterschriften gegen den Bau - sogar nutzen können: "Seither sind über zehn Integrationsprojekte entstanden, etwa Deutschkurse".

Letzter Schliff 

Wenige Tage vor der offiziellen Eröffnung des Kulturzentrums Samstag um 14 Uhr - das Programm ist laut Yilmaz "eine Überraschung" - legen Männer in Hosen und Jackets in den Räumen letzten Schliff an. Es ist kalt, Sonnenkollektoren und Heizung arbeiten noch nicht. Teegläser klirren, eine Bohrmaschine surrt, türkisches Idiom vermischt sich mit niederösterreichischem Dialekt. "Das Zentrum soll ein Ort der Begegnung sein", sagt Yilmaz: "Egal ob ursprünglich österreichisch oder türkisch, wir sind doch alle Bad Vöslauer."

Und das Zentrum ist schon jetzt ein Ort zum Beten: Die Moschee ist im hinteren Teil des 1600-Quadratmeter-Gebäudes untergebracht: hell erleuchtet, prächtig blautürkis gekachelt, mit rotgold gemusterten Teppichen ausgelegt. Der untere Raum ist für Männer, der Balkon für Frauen reserviert. Dort betet an diesem Abend niemand - und unten verneigen sich gerade fünf Männer vor Gott. (Irene Brickner, DER STANDARD - Printausgabe, 23. Oktober 2009)

  • Männer beim Gebet in der neuen Haci-Bayram-Moschee. Während der Woche hält sich der Andrang in Grenzen.
    foto: standard/andy urban

    Männer beim Gebet in der neuen Haci-Bayram-Moschee. Während der Woche hält sich der Andrang in Grenzen.

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