Placebos gegen den Bonus-Wahn

22. Oktober 2009, 18:19

Die USA versprechen Härte gegen hohe Prämien – Trend geht aber zu laxen Regeln

Mit der Nachricht, er wolle die Managereinkommen in den vom Staat gestützten Firmen bis zu 90 Prozent kürzen, hat der amerikanische Ankündigungsweltmeister Barack Obama mehr Gerechtigkeit in der Wirtschaft in Aussicht gestellt.

Zuletzt sorgte die Meldung, dass in den USA Banken und Wertpapierhändler trotz der kaum noch überstandenen Krise heuer wieder Boni in der Rekordhöhe von 140 Milliarden Dollar zahlen, für Aufregung. Auch Manager einiger von der Regierung über Wasser gehaltenen Institute wie die Bank of America und Citigroup wollen sich Sondervergütungen in Milliardenhöhe holen. Selbst Finanzminister Timothy Geithner, der an sich als Freund der Wall Street gilt, sieht darin einen Affront und spricht vom "moralischen Imperativ" , solche Praktiken abzustellen.

Es dürfte ein kluger Schachzug Obamas gewesen sein, mit der Lösung des heiklen Problems den Rechtsanwalt Kenneth R. Feinberg zu beauftragen, der als Washingtons bester Mediator gilt. Nach 9/11 war er fast drei Jahre lang damit befasst, sieben Milliarden Dollar an Entschädigungen auf die Hinterbliebenen der Terroropfer aufzuteilen und hat dabei Feingefühl bewiesen.

Wie es aussieht, will er mit seinen Vorschlägen zu den Managereinkommen (die erst Ende des Monats offiziell veröffentlicht werden) einen Mittelweg beschreiten. Auf der einen Seite geht es darum, den Zorn der Steuerzahler zu dämpfen, die sich über den Bonus-Wahn echauffieren. Auf der anderen Seite will man den hoffentlich wieder auf Touren kommenden Konjunkturmotor nicht abwürgen. Um 90 Prozent gekürzt werden sollen deshalb nur die Barauszahlungen an Topmanager, ein Teil der Beträge könne auch durch Aktien ersetzt werden. Und es geht dabei ausschließlich um Topmanager von sieben Unternehmen, die Staatshilfe erhalten haben: die erwähnten Banken, den Versicherungskonzern AIG sowie die Autoriesen GM und Chrysler samt deren Finanztöchtern.

Ein Unternehmen wie Goldman Sachs, das heuer Boni in der Höhe von 20 Milliarden Dollar verteilen will, fällt nicht darunter, weil es die Staatshilfe in der Höhe von zehn Milliarden bereits zurückgezahlt hat. Aus der Führungsetage heißt es, dass man die "Ungleichheit akzeptieren" müsse, um wieder "Prosperität für alle" zu erreichen. Diese angesichts steigender Arbeitslosigkeit höchst präpotente Aussage machte einer der Topleute der Investmentbank diese Woche in London. Die britische Regierung war unter den Ersten, die sich an die Umsetzung der Beschlüsse zur Begrenzung der Mega-Boni machten, die im September beim Treffen der G-20 in Pittsburgh vereinbart wurden.

Als eine der Krisenursachen galt dort, dass Manager mit hohen Prämien für kurzfristige Erfolge zum Eingehen extremer Risiken verlockt worden sind. Deshalb sollten Prämienauszahlungen aufgeschoben und gegen einen Malus in schlechten Zeiten verrechnet werden können. Die Konkretisierung der Prinzipien durch die britische Finanzaufsicht sei aber nur "wenig verbindlich" , schrieb die Neue Zürcher Zeitung, die zugleich die Schweizer Behörden warnte, nicht übereifrig zu sein.

Offenbar schauen derzeit die Finanzwächter in allen Industriestaaten über die Schulter, um herauszufinden, ob sich andere nicht durch noch laxere Regeln Wettbewerbsvorteile herausholen wollen. In dieses Bild passt auch, dass in Österreich Bonuszahlungen in staatlich gestützten Firmen nicht untersagt werden, sondern lediglich "angemessen" sein müssen, was immer das heißt.

Es besteht nun die Gefahr, dass die Frage der übermäßigen Boni zur Beruhigung des Publikums angegangen, aber nur oberflächlich gelöst wird, während die wichtigere Verschärfung der Regeln für die Finanzmärkte ganz ausbleibt.(DER STANDARD; Print-Ausgabe, 23.10.2009)

 

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Posting 1 bis 25 von 46
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Nikopol
00
27.10.2009, 22:17
tja

wers braucht ...

Nikopol
00
27.10.2009, 22:21
sorry falscher thread, bitte loeschen

bewusstsein
01
23.10.2009, 18:25
aktionäre als korrektiv

die aktionäre und nicht der aufsichtsrat sollten über die vorstandsgehälter entscheiden! letztendlich sind sie die eigentümer des unternehmens.

t-bonesteak
00
26.10.2009, 14:01
ja. in der theorie geht alles.

in der praxis sieht es leider so aus:

die kontrollierende mehrheit liegt in den händen einiger weniger großinvestoren (die sind dann auch logischerweise im ar, ebenso wie an-vertreter). bei einer aktionärsversammlung sind alle anwesenden stimmberechtigt, nach dem grundsatz 1 aktie = 1 stimme. da v.a. kleinaktionäre niemals vollzählig erscheinen und sich auch nicht vertreten lassen, ist es ein leichtes mit 30-40 der anteile jeden beschluss durchzubringen, denn man haben will.

und die großinvestoren (banken, versicherungen, andere unternehmen) haben dieselben absurden gehaltsregelungen. so machen ein paar freunde regeln für ihresgleichen.

siehe z.b.: flughafen wien, wo 40% der aktien ausreichen, um alles zu bestimmen.

her wig
00
23.10.2009, 19:14

http://de.wikipedia.org/wiki/Akti... on.C3.A4rs

Sie könnten, wenn sie wollten.

politiker aus palmöl sind mir am liebsten
00
23.10.2009, 18:12
Der Grundtenor von 90% der Politikartikel in dieser Zeitung ist das Lamento, dass Politiker Realpolitik (realiter: nichts machen oder dubiose Lobby-Interessen) vertreten.


Jetzt gibt es einen Politiker, der das Primat der Politik wiederherstellen will und macht das, was dazu notwendig ist: er kündigt Schritte an in einer Deutlichkeit, die ihresgleichen sucht.

Noch dazu ist er der mächtigste Mann der Welt, dh die Chancen auf Realisierung stehen gut.

Man muß nur entscheiden als Autor, was man nun wirklich kritisieren möchte: Realpolitik (also nichts) oder Primat der Politik.

Und nicht jetzt darüber jammern, dass Obama nur ankündigt.

t-bonesteak
00
23.10.2009, 14:46
die diskussion um die boni ist sicherlich wichtig

allerdings verstellt sie die sicht auf die viel wesentlichere frage, wie es mit dem finanz- und wirtschaftssystem weitergehen soll.

Michael Aires
00
23.10.2009, 15:09
Pff...allgemeiner kann man wohl net bleiben.

Wie soll es weitergehen?
Tja-ha, wer weiss das wohl, wer nur, wer?
Und wie, ach wie. Tja tja.
Zum glück hätten wir mal die Prioritäten geklärt.
Dann ist die Lösung ja auch gleich näher.

t-bonesteak
01
23.10.2009, 15:20
pff..

z.b. wäre darüber zu diskutieren retail-banking und investment-banking klarer zu trennen, die bewertung von risiken, wertpapieren ist zu überdenken, überhaupt die gesamten bilanzierungsregeln. darüber hinaus muss das rating-system fundamental geändert werden. das börsewesen darf nicht von einer grundlegenden reformdiskussion ausgenommen bleiben. unternehmensbesteuerung

und die boni-frage: da genügt es nicht, alle paar tage herumzuplärren und eine nette aktion anzukündigen, sondern es muss das gesamte remunerationssystem überarbeitet werden (z.b.: fixgehalt vs. leistungsbezogene gehälter verbunden mit der frage, wie (und über welchen zeitraum) man die leistung eines managers definieren will). auch: kein bonus bei schlechter leistung, etc.

her wig
00
23.10.2009, 14:32
Der Markt regelt das selber.

Wenn diese Unternehmen ob so hoher Personalkosten ineffizient werken, dann gehen die Kunden eben zur Konkurrenz. Sagt die Theorie.

In der Praxis schaut's so aus, dass jene Marktteilnehmer, die das alles zahlen müssen, keine Wahl haben, denn zu Essen braucht jeder, und auch bei vielen anderen Rohstoffen ist wenig wahlfrei.

Bei jenen die profitieren gibt's auch wenig Grund zur Veränderung, denn das sind primär die Händler bzw. Spekulanten selbst.

Das kommt dabei heraus, wenn man die Logik des freien Marktes auf unfreie Güter anwendet: Wucher. Das ist illegal, gehört angeklagt und verurteilt. Die offene Frage ist eigentlich nur, wie.

magenta cyan
00
23.10.2009, 13:31
EIN JAHR.

seit einem jahr empören sich ranghohe politiker (anfangs noch) medienwirksam vor laudfenden kameras, unternommen wurde NICHTS. das verlogene politiker- pack soll einfach den mund halten und damit aufhören, ihre heuchlerischen und verlogenen äusserungen öffentlich kund zu tun. zumal sie dabei jedes mal aufs neue ihre rolle als lächerliche schoßhündchen der finanzbonzen untermauern.

Radio Eriwan
00
23.10.2009, 12:55
Sozusagen ein amerikanisches Transferkonto.

Verdeckter Transfer von Boni und Provisionen in die eigene Tasche ohne Zugriff durch die Finanz.

gucky
00
23.10.2009, 12:17
Wirtschaft contra Wissenschaft

Was mich an den Boni am meisten fasziniert, ist, dass die Wirtschaft derartig an ihnen festhält, obwohl es zig wissenschaftliche Arbeiten gibt, die belegen, das ein Bonussystem nur sehr beschränkt, z.B. bei manuellen Arbeiten, etwas bringt. Sobald Kreativität gefragt ist, werden die Leistungen schlechter, sobald eine Belohnung ins Spiel kommt.

Klingt komisch, ist aber so.

gistof
01
23.10.2009, 10:53
Warum soll der Staat

Gehälter eines Unternehmens wie Goldman begrenzen, wenn er weder an die etwas verborgt hat noch Anteile hat? Wenn die Aktionäre so blöd sind und diesen Zahlungen zustimmen, ist das deren Problem und deren Geld.

t-bonesteak
01
23.10.2009, 14:49
stimmt auf den ersten blick

blickt man aber ein zweites mal hin, dann sieht man folgendes:

die in der praxis bestimmenden aktionäre sind bei praktisch allen börsennotierten unternehmen ebenfalls börsennotierte unternehmen und diverse investmentfonds. die aufsichtsräte sind mehrheitlich vorstände dieser großaktionäre.

dass die nichts dagegen haben, dass sich ihre vorstands-kumpels die taschen vollstopfen, ist keine große überraschung.

Die Wanze auf der Pflanze im Ministerbüro
06
22.10.2009, 22:35

Es ist nicht einzusehen, weder diesseits noch jenseits des großen Teichs, dass Manager von Firmen, die der Staat durch großzügige Geldspritzen - also öffentliches Geld, unser aller Geld - sich in der Phase eines zarten Aufschwunges Bonifikationen gönnen, dass einem die Haare zu Berge stehen ob der Unverfrorenheit.

Dieselben Manager nämlich, die den Karren zuerst in den Mist gefahren haben.

Und wenn schon über Einkommensgerechtigkeit diskutiert wird, hier ist ein für alle schmerzloser Ansatzpunkt.

bob hope1
06
22.10.2009, 20:34
genau!

Ich bin für eine 99% Steuer auf Boni!
Und zwar ganz ohne Neid!

Markus M.
84
22.10.2009, 19:56
Neidgesellschaft.

Warum geht man eigentlich immer auf Manager von Grosskonzernen los und nicht auf z.B. Sportler und Schauspieler? Unter letzteren gibt es genug, die mehr als ein CEO verdienen, der Verantwortung fuer zigtausende Mitarbeiter traegt. Einen Ball kicken zu koennen, traegt wohl weniger zum gemeinsamen Wohlstand bei, als ein Grossunternehmen fuehren zu koennen. Dass die Gehaelter nur auf Gier beruhen sollen, ist ja auch ein laecherliches Argument. Der Pepi vom Wuerstelstand ums Eck ist wahrscheinlich nicht weniger gierig. Gier allein ist aber weder eine hinreichende noch notwendige Voraussetzung, ein Spitzenmanager zu werden. Die Realitaet ist, dass Gehaelter von Angebot und Nachfrage geregelt werden. Man finde sich damit ab.

t-bonesteak
00
23.10.2009, 14:52
ich sehe die gagen der sportler auch als hinterfragenswert

keine sorge. hier geht es aber um manager. und die immer wieder ins treffen geführte verantwortung ist ein ziemlich hohles argument, weil sie praktisch nie schlagend wird. selbst wenn sie ein unternehmen an die wand fahren, kriegen sie wahnwitzige abfertigungen. das hat mit verantwortung und leistung nichts mehr zu tun.

fussgängerüberführung
00
23.10.2009, 14:38
Das problematische an abstrus hohen fussballer oder skifahrergagen bzw. -transferzahlungen ist jedoch...

...dass diese unweigeirlich von allen bürgern getragen werden, die waschmittel, windeln oder sonstwas fürs tägliche leben kaufen....

nukularteilchen
02
23.10.2009, 11:10

Sportler und Schauspieler produzieren aber keine CDS Blase von 500.000 Milliarden und vernichten Millionen von Arbeitsplätze.

Markus M.
00
23.10.2009, 18:01
Ah ja, alle Manager der Welt sind schuld und nur die.

Niemals nicht sind die Millionen Ninjas (No Income, No Job or Assets) schuld, die auf Pump Haeuser geflippt haben, bis sie irgendwann auf einer hoffnungslos ueberteuerten Bude sitzenblieben und jetzt bei ihrem Kongressabgeordneten weinen, weil sie auf der Strasse sitzen. Niemals nicht sind die Politiker schuld, die Quasimonopole im Kreditbereich (Fannie Mae, Freddie Mac) mit astronomischen Bilanzen kreiert haben und aus Opportunismus bestaendig Druck ausgeuebt haben, kreditunwuerdigen Waehlern Haeuser zuzuschanzen. Niemals nicht ist die FED schuld, die auf politischen Druck Geld gedruckt hat. Niemals nichts sind die ca. 30000 Regulatoren schuld, die nichts bemerkt haben wollen. Aber alle Manager sind boese, vor allem die mit Bonus!

Ballaballa
02
23.10.2009, 10:03
Wass denn für eine Verantwortung, hmm?

Haftet er denn etwa für irgendetwas privat?

HarrySa
05
23.10.2009, 09:39
Wenn der Ball ..

aber nicht im Tor landet kann sich keiner der von Ihnen beanstandeten Sportlern auf den Markt ausreden und uns alle dazu vergattern den Ball ins Tor zu tragen um nachher zu behaupten wie toll er war. Also das nimmt einem doch keiner ab. Und das mit der Gier ist ja auch an den Haaren herbeigezogen. Und warum müssen wir uns damit Abfinden, dass wir abgezockt werden. Das sehe ich anders.

stefan81
00
23.10.2009, 08:32

sehe ich auch so. dieser neid ist einfach was widerliches. selber hart arbeiten und schauen dass man erfolgreich wird und nicht die, die es aus welchem grund auch immer geschafft haben ansteigen.

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