Einsprachigkeit als Nachteil

22. Oktober 2009, 18:24

Kreativ und flexibel - das Lernen fremder Sprachen erhöht die geistigen Fähigkeiten, so eine neue Metaanalyse

Graz - Das Lernen einer Fremdsprache und die damit verbundenen Denkprozesse können laut einer neuen Studie die Gedächtnisfunktion erhöhen. Demnach besitzen polylinguale Menschen die Chance auf eine höhere Lernfähigkeit, die Möglichkeit flexibler und komplexer zu denken und besser zu kommunizieren, so Maria Jesus Frigols Martin, Projektkoordinatorin beim Europäischen Fremdsprachenzentrum des Europarats in Graz. Auch die Kreativität werde erhöht.

"Es zeigt sich immer mehr, dass Menschen, die nur eine Sprache beherrschen, in unserer heutigen Zeit einen entscheidenden Nachteil haben", meinte Martin. Die Studie, die vor kurzem von der Europäischen Kommission veröffentlicht worden ist, zeige außerdem, dass die altersbedingte Minderung der geistigen Fähigkeit bei mehrsprachigen Menschen scheinbar langsamer vorangeht. Da die neurowissenschaftliche Forschung hinsichtlich des Einflusses der Polylingualität auf das Gehirn noch am Anfang stehe, werden weitere Daten mit Spannung erwartet.

Metaanalyse

Die Studie sei in Form einer Metaanalyse erhoben worden, erklärte der wissenschaftliche Teamkoordinator David Marsh von der Universität Jyväskylä in Finnland. Es wurden rund 1.400 qualitative Forschungsberichte erhoben und geprüft. Zum Beispiel floss eine Arbeit in die Ergebnisse mit ein, in der junge Computerspieler und ihre Fähigkeit, mehrere Sprachen anzuwenden, untersucht wurden. In einem anderen Bericht zeigte sich, dass mehrsprachige Menschen vorgezeigte Bilder schneller und komplexer sahen.

Widerlegt wurde die lange verbreitete Annahme, dass Verbesserungen der Denkstrukturen erst dann einsetzen, wenn Menschen eine zweite oder dritte Sprache auf hohem Niveau beherrschen. "Die elektrische Aktivität des Gehirns verändert sich bereits am Beginn des Erlernens einer ersten Fremdsprache", so Marsh. Das sei eine wichtige Motivation für jeden, der die Möglichkeit habe, eine Fremdsprache zu lernen oder im Gedächtnis zu behalten.

Lernen an sich

Als "besonders vielversprechend" bezeichnet der Studienleiter die durch Mehrsprachigkeit verbesserte Fähigkeit des Lernens an sich. Fremdsprachen erleichtern es demnach, sich auch andere Wissensgebiete anzueignen. "Durch das Speichern ähnlicher Inhalte entwickelt sich das Arbeitsgedächtnis weiter. Es gelingt mehrsprachigen Menschen daher eher, länger über ein Problem nachzudenken", so der Bildungsforscher. Höhere Schnelligkeit zeigte sich bei der Problemlösung und beim Aussortieren irrelevanter Informationen. (APA/red/pte)

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Posting 1 bis 25 von 75
1 2
aberdoch
11
23.10.2009, 21:34
These

Dieser in dem Artikel geäußerten These halte ich die Einsprachigkeit im angelsächsischem Raum entgegen:
Wer hat den Eindruck bei der Flut an Nobelpreisen und Entdeckungen an und durch US-Bürger, daß die Einsprachigkeit von Nachteil wäre? Im Wissenschaftsbereich muß man heute nur in Englisch veröffentlichen (ausschließlich), um überhaupt wahrgenommen zu werden. Schlußfolgerung: Nur die Kenntnis des US-Englischen ist für Anderssprachige von Vorteil. Alles andere fördert zwar die Bildung, ist aber an sich bedeutungslos ( so wie Jahrhunderte hindurch bei Latein).

Nick Tameer
00
25.10.2009, 18:05

Ich weiß ja nicht, wie viele Fremdsprachen Sie selbst beherrschen, aber mir scheint, wenn Sie auf den praktischen Nutzen der Beherrschung einer bestimmten Sprache abstellen, haben Sie den Artikel nicht richtig verstanden, denn darum geht es ja nicht. Außerdem wird auch gar nicht behauptet, dass Menschen,die keine Fremdsprache beherrschen, zu bedeutenden geistigen Leistungen schlechterdings außerstande sind. Möglicherweise unterschätzen Sie auch die amerikanischen Wissenschaftler, von denen nicht wenige übrigens "Migrationshintergrund" haben.

khaleb
00
24.10.2009, 18:11
this article is biased

das Europäische Fremdsprachenzentrum ist wohl kein unvoreingenommer Untersucher!

Nick Tameer
00
25.10.2009, 23:44

Mag sein, aber Leute, deren maximale fremdsprachliche Kompetenz über ein bestenfalls noch grammatisch einigermaßen korrektes Gestammel mit englischem Vokabular nicht hinausreicht, ein Bild, das viele Beiträge bzw. Argumente hier von ihren Autoren vermitteln - würde ich ebenfalls die Unvoreingenommenheit absprechen.

khaleb
00
28.10.2009, 23:01
aber LeuteN, deren .. würde ich ebenfalls die Unvoreingenommenheit absprechen.

nicht: aber Leute, deren ...,
DATIV, nicht ?
Ich biete Ihnen an, die Seite zu wechseln, andernfalls müssten sie den Schluss der Studie auf sich selbst anwenden.

LeChuck™
12
24.10.2009, 17:22

Wieviele dieser Nobelpreisträger sind bzw. waren einsprachig?

kernspaltung
03
23.10.2009, 20:18

sall schtimmt, desweiga sein miar tirolar oh a mortz drumm gscheidr als dr rescht!

hexe caracas
00
23.10.2009, 17:15
und damit sind gebürtige Österreicher

gegenüber den Ausländern benachteiligt und sie können gar nichts dafür...

rompitasche
00
23.10.2009, 14:32
polylingual?

als ich meine vierte Fremdsprache lernte, hieß das noch polyglott.

A Voice
00
23.10.2009, 20:37
Na seng S'

und jetzt verstehen Sie beides :-)

fansonggejaule
00
23.10.2009, 16:08

"Polylingualität" klingt eben besser als Polyglottismus,
weil ismen sind ja böse.

ubu roi
02
23.10.2009, 14:03

und gratulation an das "european center for modern languages", in dem vielsprachigkeit dermaßen ernst genommen wird, dass man ausschließlich auf englisch und französisch kommuniziert. hauptsache, man ist in graz und will osteuropa verstärkt ansprechen.

mikromalist
 
14
23.10.2009, 11:01
Ja, mensch kann nicht früh

genug anfangen Sprachen zu lernen, zB die Sprachen der Mathematik, Biologie, mehrere Programmiersprachen, ... die Sprache der Musik, ... ?
Was passiert da im Gehirn?
Englisch, als Weltsprache der Kommunikation würde reichen.
Als persönliche Anstecknadel können wir dann ja noch, je nach kultureller Herkunft, noch Tirolerisch, Ladinisch, Urdu, Suaheli ... pflegen?

Viontel
 
13
23.10.2009, 16:46

Sprachen sind ein sehr wertvolles Kulturgut, denn eine andere Sprache zu lernen heißt mehr als nur miteinander zu kommunizieren - schade, wenn einige das nicht verstehen. Ich finde es sehr schön, dass es viele verschiedene Sprachen gibt und werde sicher noch ein paar lernen! Mathe beherrsche ich aber trotzdem ganz gut und auch mit Noten kenne ich mich aus. Es ist Unfug, das Eine gegen das Andere aufzurechnen.

Englisch halte ich aber trotzdem für sehr wichtig- auch wenn es mir meist nur zur Verständigung dient.

mikromalist
 
02
23.10.2009, 20:29
Dann sollte doch folgerichtig,

jedes Individuum eine eigene Sprache haben?
Das wäre der Himmel an Kultur?
Kultur steckt im Inhalt, nicht in der Syntax.

Viontel
 
10
25.10.2009, 00:35

Das Problem ist offensichtlich, dass Sie eine Sprache als reine Syntax auffassen. Das ist es aber nicht. Das gleiche Gedicht kann zum Beispiel in einer Übersetzung eine vollkommen andere Wirkung entfalten.

Aber wozu rede ich eigentlich. Für Sie genügt es offensichtlich, wenn Sie englisch können - ich will es Ihnen ja auch nicht verübeln. Trotzdem sollten Sie sich damit abfinden, dass andere Leute Mehrsprachigkeit wichtig finden.

Wie auch immer: genau genommen spricht tatsächlich jeder von uns eine eigene Sprache. Die Art sich auszudrücken ist nämlich von Mensch zu Mensch individuell.

mikromalist
 
00
26.10.2009, 11:11
Ihr inhaltliches Argument scheint sehr gut,

(ich kann ja wirklich daneben liegen), aber Sie können es sich nicht verkneifen ein persönliches Urteil ins Treffen zu schicken (was mich dem Argument gegenüber vorsichtig macht. Warum? Weil es meist die schwachen Argumente sind, die mit grossem Getöse vorgetragen werden).
Ich bin kein Linguist, aber aus der Neugier der Theorie formaler Systeme, habe ich Chomsky studiert. Deshalb sind mir die Syntax und semantische Überleitung schon ein Begriff. Trotzdem, der Sprach-Transformationsprozess ist syntaktisch dominiert.
Was für "Sie" spricht sind die Studien Hofstadters zur "Verschlingung" von formalen und inhaltlichen Ebenen des Denkens.
Aber mein Argument ist nicht: entweder-oder sondern sowohl-als-auch :=)

Fermium - 100
00
23.10.2009, 16:37

bin genau ihrer meinung...englisch und das dafür sehr gut
würde von niemanden verlangen mit mir deutsch zu sprechen, aber ich bin auch nicht interessiert andere sprachen wirklich zu lernen, da lern ich wirklich lieber andere dinge.
wobei natürlich klar ist, dass es in vielen bereichen/berufen unabdingbar ist fremdsprachen zu lernen

mikromalist
 
00
23.10.2009, 20:23
Eine kleine Anektote?

In einem internationalen Forum zu komplexen systemen diskutiere ich in Off-Topic über Ideologien. Ein (ich glaube berühmter) User mit dem Nick "Fermion" (aus Oxford) hat die radikale Idee "Kapitalismus und freie Märkte können nicht gleichzeitig existieren, weil Kap freie Märkte ausschaltet". Etwas was ich selbst seit Jahren vertrete.
Ich bezeichne mich deshalb als "Fermionist".
In Abwandlung "Sprachen und freie Gesellschaften können nicht gleichzeitig existieren" (dh aber nicht Sprachen abzuschaffen).
Einverstanden?
Dann nenne ich mich gerne "Fermiumist" (ich bin allerdings noch nicht 100, sondern erst über 60) :=)

Und hier

Alexei Pavlov
00
26.10.2009, 04:38

"weil Kap freie Märkte ausschaltet"

Am komischsten finde ich aber, dass sowohl die Anhaenger, als auch die Gegner dieser These darueber diskutieren, ohne zB den Begriff "Markt" genau definiert zu haben.

mikromalist
 
01
27.10.2009, 09:44
Der "freie Markt" wäre ein grosser

flacher Tisch an welchem ökonomische Transaktionen mit dem Medium Geld abgewickelt werden.
Er Verliert dann seine Freiheit, wenn er umzäunte Gebiete enthält, Löcher, Mulden, die Ströme dirigieren, einfangen, ...
Herrsch an ihm offene Information, schliessen sich Arbitrage-Möglichkeiten rasch, Monopolbildung ist kaum möglich ...

Alexei Pavlov
00
27.10.2009, 11:04

Ich meinte die Definition des Begriffes "Markt", nicht seiner Unterart "freier Markt", der soweiso eine Abstraktion ist, die nicht erreichbar ist (wobei man trotzdem wirschaftlich-politische Entscheidungen trifft, als ob sie realisierbar waere).

mikromalist
 
00
27.10.2009, 15:32
Dann lassen Sie in meiner "Def"

einfach "flach" weg.

Nick Tameer
00
25.10.2009, 18:30

Richtig ist, dass der Kapitalismus die menschliche Freiheit insgesamt beschränkt, weil er die Tendenz hat, Aktivitäten, die sich mit der Kapitalverwertung nicht vereinbaren lassen, zu unterbinden, aber aufgrund gewisser Widersprüche innerhalb des kapitalistischen Wirtschaftens den Schluss zu ziehen, der Kapitalismus verhindere das mystische Arkanum des "freien Marktes" ist eine ziemlich sinn- und begriffslose These und dagegen hilft im Zweifel auch keine Fremdsprachenkenntnis. In welcher Wirtschaftsform sollen diese wahrhaft utopischen "freie Märkte" denn sonst existieren? Zurück zur einfachen Warenproduktion? Und welche heilsame Wirkung sollen sie entfalten, da sie doch zwangsläufig wieder zum Kapitalismus führen?

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