Denkmal für Hitler-Attentäter in München

23. Oktober 2009, 16:02
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Widerstandskämpfer Georg Elser war 1945 im KZ Dachau ermordet worden - Historiker-Streit wieder aufgeflammt

München - Zum 70. Jahrestag des Hitler-Attentats von 1939 widmet die bayerische Hauptstadt München dem Widerstandskämpfer Georg Elser die Kunstinstallation "8. November 1939". Das von der Frankfurter Künstlerin Silke Wagner geschaffene Denkmal für den kurz vor Kriegende von den Nazis ermordeten Einzelkämpfer und Schreinergesellen soll am 27. Oktober an dem nach ihm benannten Georg-Elser-Platz enthüllt werden, wie die Stadt am Donnerstag mitteilte.

Zur Erinnerung an Georg Elser liest am Abend Stefan Hunstein aus dem Verhörprotokoll der Gestapo vom 23. November 1939, das er dramaturgisch zu einer knapp halbstündigen Fassung verdichtete.

Wandinstallation

Das Denkmal ist eine abstrakte Wandinstallation mit einem Durchmesser von mehr als fünf Metern. Täglich um 21.20 Uhr, dem Zeitpunkt der Bombenexplosion im Bürgerbräukeller, mit der Georg Elser Adolf Hitler und die Führungsspitze der NSDAP töten wollte, werden rote Neonröhren für eine Minute aufleuchten.

Das Denkmal wolle damit die Aufmerksamkeit auf diese eine Minute lenken, die der Geschichte des 20. Jahrhunderts eine andere Wendung hätte geben können, wenn Elser mit seinem in monatelanger Arbeit vorbereiteten Attentat erfolgreich gewesen wäre.

Fehlschlag

Hitler hatte am Tag des Attentats entgegen den Gewohnheiten der vorangegangenen Jahre die Veranstaltung im Bürgerbräukeller zur Erinnerung an den Münchner November-Putsch der Nazis von 1923 vorzeitig verlassen: Wegen Nebels konnte er nicht nach Berlin fliegen, sondern musste mit dem Zug fahren. Elsers genau ausgetüftelter Plan mit Zeitzünder für die Bombe lief ins Leere.

Die Wucht der Explosion riss die Säule auseinander, Decke und Galerie stürzten ein. Sieben Nazis und eine Kellnerin starben. Elser wurde am Abend am Grenzübergang Konstanz festgenommen und schließlich im KZ Dachau auf schriftlichen Befehl von SS-Reichsführer Heinrich Himmler am 9. April 1945 ermordet.

Historiker-Streit

 

Indessen ist der Historiker-Streit über Georg Elser wieder aufgeflammt: Der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, Peter Steinbach, würdigte Elser als Vorbild. Der Chemnitzer Professor Lothar Fritze verkenne mit seinem Terrorismus-Vorwurf den Weitblick und die moralische Größe des schwäbischen Schreiners, sagte Steinbach am Donnerstagabend auf einem Symposium in München.

"Fritze vergleicht Elser mit der RAF", sagte der Mannheimer Professor empört. Tatsächlich aber habe Elser den Krieg stoppen wollen, die Verlogenheit und "das abgrundtief Böse" der Nazis gehasst und von einer herrschaftsfreien Welt geträumt. Er sei ein einfacher Mann gewesen, aber "er ist dem Ziel, Hitler zu beseitigen, denkbar nahe gekommen", sagte Steinbach. Elser habe mehr Verantwortung, Mut und Tatkraft bewiesen als die meisten, die ihm später Verantwortungslosigkeit vorgeworfen hätten.

"Zu Unrecht lange verkannt"

Auch der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle verteidigte Elser als Menschen, der "aus seiner sittlichen Grundprägung heraus das Attentat" ausgeführt habe. "Eine gott- und gewissenlose Despotie darf, ja muss beseitigt werden, und zwar von jedem Einzelnen", sagte der CSU-Politiker. Elser sei eine wichtige Figur im Widerstand gegen Hitler und zu Unrecht lange verkannt worden.

Steinbach sagte: "An Elser zu erinnern heißt nicht, alle aufzufordern, es ihm gleich zu tun, wenn man sich über die Regierung ärgert. Es kommt auf die Werte an." Die Botschaft laute nicht "Jetzt werdet alle Attentäter", sondern "Schaut genau hin". (APA/AP/red)

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