Branchenkenner erwartet Filetierung

22. Oktober 2009, 16:52
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Die Zukunft von Quelle Österreich ist nach dem Aus für die deutsche Mutter nach wie vor ungewiss

Wien - Die Chance, dass Quelle Österreich einen Investor findet, liege bei zehn bis 15 Prozent, sagte ein Branchenkenner. Die Möglichkeit, die Austro-Niederlassung "in Bausch und Bogen" an den Mann zu bringen, ist seiner Meinung "kleiner als 5 Prozent", wahrscheinlicher sei eine Filetierung der gesamten Gruppe. Die Otto-Gruppe hat laut dem Insider Interesse vor allem an Spezialversendern wie "Baby Walz" oder "Hess Natur", aber auch an der Elektro-Marke "Privileg".

Als Grund für die pessimistische Einschätzung in Österreich führt er unter anderem das vor kurzem eröffnete Logistikcenter in Linz an, das ein neuer Eigentümer übernehmen müsste. Auch das Quelle-eigene IT-System könnte sich als Stolperstein erweisen, da Abschreibungskosten anfallen würden, sollte der Käufer es nicht brauchen. Gerade bei der Otto Gruppe, die in Österreich bereits mit Universal vertreten ist und zuletzt als potenzieller Käufer für Quelle ins Spiel gebracht worden war, sieht der Branchenexperte hier Überschneidungen.

30 Millionen-Beitrag zum Postumsatz

Sollte Quelle Österreich zusperren müssen, sind auch Jobs bei der Post gefährdet. Quelle und die Spezialversender tragen laut dem Branchenkenner an die 30 Mio. Euro zum Postumsatz in Form von Paketen und Briefen bei. Quelle alleine würde 20 Mio. Euro bringen. Fallen diese Summen weg, sieht der Insider bis zu 500 Post-Arbeitsplätze gefährdet. Bei der Post hieß es dazu, dass die finanziellen und personellen Folgen eines Aus für Quelle hierzulande noch nicht abschätzbar seien.

Bei der Deutschen Post hat die Quelle-Pleite zur Folge, dass drei DHL-Logistik-Standorte mit rund 400 Mitarbeitern geschlossen werden sollen. Insgesamt addiert sich die Zahl der von der Arcandor-Insolvenz und dem Quelle-Aus bisher direkt betroffenen DHL-Beschäftigten damit auf 960.

Folgen für die ÖBB

Eine Ende für Quelle Österreich wäre nach Ansicht des Branchenkenners auch nicht ohne Folgen für die ÖBB, da sie ein Lager für den Versandhändler betreiben. Darüber hinaus wickeln die ÖBB auch die gesamte Distribution von "Weißware", also Kühlschränke, Waschmaschinen & Co in Österreich und Südtirol ab.

Was die gesamte Quelle-Gruppe angeht, so rechnet der Experte mit einer Filetierung. Er glaubt, dass die Marke gekauft und in einer anderen Form weiter betrieben wird. Für die Marken "Quelle" und "Privileg" sowie die Adressen werde es ein "hartes Bieterrennen" geben, erwartet der Experte. Weniger interessant sei hingegen die Logistik.

Schneller Verkauf für Spezialversender

Mit dem Verkauf der Spezialversender aus der Arcandor-Gruppe soll es nach dem Aus für Quelle schnell gehen. In Unternehmenskreisen hieß es am Donnerstag, die Firmen wie Baby Walz, Hess Natur, Madeleine oder Peter Hahn könnten innerhalb von zwei bis drei Wochen verkauft sein. Damit könnte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg der Gläubigerversammlung am 11. November bereits Käufer für die übriggebliebenen Teile des Primondo-Versandhandelskonzerns präsentieren. Sein Sprecher wollte sich nicht auf einen Zeitplan festlegen: "Es soll zügig durchverhandelt werden", sagte er nur.

Für die Spezialversender, den Einkaufssender HSE24 und die Quelle-Auslandstöchter in Österreich, der Schweiz und Osteuropa hätten sich weitere Interessenten gemeldet. 32 hatten sich schon gemeldet, bevor die Verhandlungen über einen Komplettverkauf von Quelle gescheitert waren. Auch die vier Bieter, die von Geboten für den gesamten Konzern Abstand genommen hatten, seien wieder dabei. Unter ihnen sind Kreisen zufolge die Finanzinvestoren TPG und Golden Gate, die Erfahrung im Einzelhandel haben.

Vom Verkaufserlös, der nach einem Bericht der Zeitung "Die Welt" allein für die Spezialversender auf 200 bis 300 Mio. Euro geschätzt wird, werden die Gläubiger von Arcandor aber nicht profitieren. Die Primondo Specialty Group, zu der die Spezialversender gehören, ist an den Pensionsfonds von Arcandor verpfändet, bei dem sich Arcandor 500 Mio. Euro geliehen hatte. Insolvenzverwalter Görg hatte schon im August gesagt, die Mitspracherechte der verschiedenen Pfandgläubiger erschwerten den Verkaufsprozess: "In diesem Haus gibt es nichts, was nicht schon jemand anderem gehört." Die Gläubiger des Reisekonzerns Thomas Cook hatten ihr Pfand bereits zu Geld gemacht und Cook-Aktien für rund eine Milliarde Euro am Markt platziert.

Dem Pensionsfonds gehört auch die Valovis Bank, die Quelle jahrelang die Forderungen gegenüber ihren Kunden vorfinanziert hatte. Die fehlende Bereitschaft, dieses Geschäft fortzusetzen, hatte nach Angaben des Insolvenzverwalters mit zum Aus von Quelle Deutschland beigetragen. (APA)

 

 

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