Reconciliation: Das Wort klingt so einlenkend und friedlich wie seine ursprüngliche Bedeutung, versöhnlich eben. Man könnte also irrigerweise annehmen, dass die Verwendung dieses Wortes bedeutet, dass sich Republikaner und Demokraten von nun an innig lieben und die Gesundheitsreform ohne eine einzige Gegenstimme durchgeht.
Wahr ist vielmehr das Gegenteil: Reconciliation kann eine Kampfansage, sogar eine Kriegserklärung sein, da es im erweiterten Sinn bedeutet, dass eine Partei ein Gesetz durchdrücken kann, ohne der Gefahr eines Filibusters ausgesetzt zu sein. Es würden also 51 Stimmen genügen.
Da alle Verhandlungen zwischen den beiden Parteien bis dato nicht viel gebracht haben, erwägt man seitens der Demokraten, andere Wege einzuschlagen. Und obwohl das Spektrum der "reconciliation" bis jetzt noch nicht oft aufgebracht wurde, fürchten sich die Republikaner zu Recht davor: Immerhin haben sie selbst die berühmten Bush-Steuersenkungen mit Hilfe dieser Methode durchsetzen können. Da sich "reconciliation" in erster Linie auf budgetäre Fragen beschränken sollte, konnte der demokratische Senator Robert Byrd 1993 die Clinton'sche Health Reform mit einer Reihe von Bestimmungen verhindern.
Heute könnte es leichter sein, diese Caveats zu umgehen. Eines wird jedoch kaum zu vermeiden sein: die so genannte "sunset provision", dass nämlich Teile des Gesetzes sich innerhalb einer bestimmten Zeit von selbst erschöpfen und neu beschlossen werden müssen (siehe Bush Tax Cuts). Zu jenem Zeitpunkt müsste Barack Obama so erfolgreich mit seiner Reform gewesen sein, dass die Gesetze sozusagen durch den Kongress segeln.