Bill and Hillary ad infinitum

20. November 2008, 14:08
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Aus mir unerfindlichen Gründen nehmen einige meiner Leser an, ich sei lange Zeit hindurch eine "glühende" Anhängerin von Hillary Clinton gewesen. Das trifft nicht zu: Seitdem sie George W. Bush aus reinem Opportunismus (Demokraten und Frauen dürfen nicht als "schwach" gelten, weil sie sowieso schon als "doves" verschrien sind) ihre Stimme für den Irakkrieg gegeben hat, war ich ihr gegenüber mehr als skeptisch eingestellt. Dennoch erschien sie als tragbare Alternative zu jedem republikanischen Kandidaten. Was ich sehr wohl in meinem Blog immer wieder aufzeigen wollte, war die oftmals absolut frauenfeindliche Haltung der Medien ihr gegenüber, wohl am besten illustriert durch die nahezu hämischen Berichte nach ihrem Schwächemoment in New Hampshire.

Wie viele andere hatte ich nicht zu hoffen gewagt, dass Barack Obama es jemals zum Kandidaten geschweige denn zum Präsidenten schaffen würde. Die Geschichte hat mich freudig überrascht und eines besseren belehrt und wie viele Amerikaner habe ich in dem Augenblick, als feststand, dass Obama der 44. Präsident der Vereinigten Staaten sein würde, Tränen der Bewegung und Rührung vergossen.

Was ich mich jedoch im Augenblick frage ist, warum Obama Hillary Clinton die Rolle der Außenministerin angeboten hat. Ich bin sehr dafür, dass er ihr für die vielen Fehlgriffe während des Wahlkampfes verzeiht, aber warum muss die ganze Misere mit den Clintons fortgesetzt werden?

Man erinnert sich noch an Bill Clintons unrühmlichen Abgang einer oftmals brillanten Präsidentschaft, als er einen der Steuerhinterziehung angeklagten wichtigen Geldgeber, Marc Rich, pardonierte. Der vermutlich designierte Justizminister Eric Holder hat dabei keine besonders gute Figur abgeschnitten, aber es war Bill Clinton, der die Entscheidung traf.

Seit Monaten kursieren Gerüchte um zweifelhafte Geldgeber für Clintons Global Initiative und seine Presidential Library. Müssen wir, nachdem wir ihm für Monica und Marc Rich und vieles andere schon verziehen hatten und ihn im Rückspiegel als geradezu großartigen Präsidenten und noch großartigeren Expräsidenten zu betrachten begannen, noch einmal durch den Morast, der die Clintons offenbar unweigerlich begleitet?

Dazu kommt, dass Hillarys außenpolitische Expertise weder offenkundig noch bewiesen ist. Sie würde einerseits als Aushängeschild dienen, andererseits hätte Bill wieder eine Möglichkeit, auf seine einmalige Art und Weise mitzumischen. Eines ist klar: die Medien (da schliesse ich mich nicht aus) haben wieder Stoff zum Spekulieren, zum Hinterfragen und zum Füllen ihrer Sendezeiten.

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