Gegen Sarkozy ist Grasser ein Vetternwirtschaft-Würstl

12. Oktober 2009, 22:12
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Seit den Abendnachrichten gibt es in Frankreich nur noch ein Thema: die schranken-, scham- und endlose Vetternwirtschaft von Nicolas Sarkozy. In den zwei Jahren seiner Amtszeit ist er bisher dadurch aufgefallen, dass er seinen Milliardärsfreunden Geschäfte und "Möglichkeiten" zuschanzt und im Gegenzug deren Gastfreundschaft und Unterstützung genießt.

Der jüngste Coup des französischen Staatspräsidenten aber schlägt in seiner Unverblümtheit wohl alles bisher dagewesene. Er will seinen Sohn Jean, einen auffallend hübschen Jüngling von 23 Jahren, der gerade ein paar Semester Rechtswissenschaftsstudium hinter sich hat, zum Präsidenten der Verwaltungsbehörde EPAD im Stadtviertel La Défense im Nordwesten von Paris machen.

Das ist nicht irgendeine Region und nicht irgendeine Behörde. La Défense ist das Finanz- und Wirtschaftszentrum Frankreichs, vor zwei Jahrzehnten aus dem Nichts hochgezogen. 2000 Unternehmen sind dort tätig. Die EPAD ist für die Immobilienentwicklung tätig, ein Milliardengeschäft, bei dem die Politik - in dem Fall die UMP Sarkozys - kräftig mitmischt. Seit langem steht die Präsidentenpartei im Verdacht, von den Baukonzernen eifrig geschmiert zu werden.

Man könnte meinen, dies sei eine rein innerfranzösische Angelegenheit. Es ist zugleich aber auch eine zutiefst europäische, genauso wie der Umstand, dass Italiens Premierminister Silvio Berlusconi Gesetze und die Meinungsfreiheit notorisch mit den Füßen tritt. Solche Leute treffen in der Union die wichtigsten Entscheidungen, die alle Mitgliedsländer berühren. Man muss ihnen also ganz genau auf die Finger schauen.

Karl-Heinz Grasser mag angesichts der Schmieren-Dimensionen, in denen die Sarkozys baden, ganz wehmütig werden. Verglichen mit La Défense war er bei der Buwog-Privatisierung geradezu ein Würschtl. Aber es kommt nicht auf die Summen an, die im Spiel sind. Entscheidend ist die Skrupellosigkeit, die da an den Tag gelegt wird. Die muss gestoppt werden, so öffentlich wie möglich.

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