Zähes Ringen um die Zukunft von Karstadt

22. Oktober 2009, 14:17
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Mitarbeiter sollen Sanierungsbeitrag leisten - Gewerkschaft entscheidet Freitag über Aufnahme von Verhandlungen

Düsseldorf - Nach dem Aus für die Arcandor-Tochter Quelle wächst auch bei den Karstadt-Beschäftigten die Sorge um die Zukunft des insolventen Warenhauses. Derzeit ringen die Gewerkschaft Ver.di und Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg um den Sanierungsbeitrag der Mitarbeiter. Am (morgigen) Freitag entscheidet die Ver.di-Tarifkommission, ob sie Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag aufnimmt und damit den Kurs Görgs unterstützt.

Ein Sprecher des Insolvenzverwalters sagte am Donnerstag, erst wenn der Beitrag der Beschäftigten klar sei, könne der Investorenprozess richtig in Gang gesetzt werden. Für ein tragfähiges Konzept müsse der Insolvenzverwalter auch die Höhe der Lohnkosten beziffern können. Eine Ver.di-Sprecherin erklärte auf Nachfrage dagegen, die Frage, ob Mitarbeiter zu Einschnitten bereit seien, dürfe nicht über die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens entscheiden. Ein Wirtschaftsprüfer habe die Überlegungen Görgs sorgfältig unter die Lupe genommen und werde seine Einschätzung am Freitag der Tarifkommission vorstellen. "Danach sehen wir weiter", erklärte sie.

Konkret verlangt Görg Kreisen zufolge die Wiederinkraftsetzung des sogenannten Zukunftspakts mit den Beschäftigten aus dem Jahr 2008 - allerdings ohne die darin ursprünglich vorgesehenen Sicherheiten wie Standort- und Beschäftigungssicherung.

Optimismus

Der Sprecher Görgs zeigte sich mit Blick auf die Zukunft Karstadts inzwischen optimistisch: "Wir haben hier im Vergleich zu Quelle eine ganz andere Situation", sagte er. Karstadt verfüge über ein "auskömmliches finanzielles Polster" und eine gesicherte Finanzierung. Im Einzelhandel bezahlten die Kunden anders als im Versandhandel ihr Geld direkt an der Kassa und nicht über Ratenkredite. Auch Görg hatte am Dienstag erklärt, er halte den Investorenprozess bei Karstadt für überwiegend erfolgversprechend.

Das Insolvenzverfahren für den zahlungsunfähigen Handels- und Touristikkonzern Arcandor war vom Essener Amtsgericht am 1. September offiziell eröffnet worden. 19 der 126 Karstadt-Waren- und Sporthäuser stehen zur Disposition - pro Filiale sind durchschnittlich zwischen 120 bis 250 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt arbeiten rund 30.000 Beschäftigte bei der Warenhauskette, die im letzten ordentlichen Geschäftsjahr 2007/08 über 270 Mio. Euro Verlust machte.

Gerüchte

Interesse an einer Übernahme von Karstadt-Filialen hatte in den vergangenen Monaten immer wieder der Handelskonzern Metro bekundet. Zuletzt warnte der neue stellvertretende Vorstandsvorsitzende Thomas Unger im "Handelsblatt" jedoch davor, dass die "Werthaltigkeit der Karstadt-Warenhäuser" durch Warten nicht besser werde. "Wir brauchen die Erweiterung mit Karstadt-Häusern nicht um jeden Preis", betonte er. Der Plan der Metro sah vor, Kaufhof mit Karstadt zu einer Warenhaus AG zu verschmelzen. Rund 60 der 90 Häuser sollten demnach übernommen und in das Galeria-Kaufhof-Konzept integriert werden.

Der Sprecher Görgs wollte sich zu möglichen Käufern von Karstadt am Donnerstag nicht äußern. "Das Interesse am Markt ist da", betonte er lediglich. Anders als bei Quelle, wo die unsichere Finanzierungslage zur Eile getrieben habe, gebe es bei der Investorensuche für Karstadt keinen Zeitdruck. Für das Versandhaus Quelle hatte Insolvenzverwalter Görg am Montag nach monatelanger Zitterpartie das endgültige Aus verkündet. (APA/AP)

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