BNP-Chef Griffins Fernsehauftritt sorgte für Proteste

22. Oktober 2009, 14:08
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Vorsitzender der rechtsextremen Partei kam durch Hintertür ins BBC-Gebäude - sechs Demonstranten festgenommen

London - Der britische TV-Sender BBC hat mit der Einladung eines rechtsextremen Parteichefs in seine wichtigste Polit-Talkshow "Question Time" einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Etwa 500 protestierten am Donnerstag in London lautstark gegen den geplanten Auftritt des Chefs der rechtsextremen British National Party (BNP), Nick Griffin. Dabei kam es auch zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Die Demonstranten vor dem Fernsehstudio im Westen der britischen Hauptstadt hielten Plakate mit der Aufschrift "Stoppt den BNP-Faschisten" oder "Die BNP ist eine Nazi-Partei" hoch. Nach Angaben der Polizei drangen etwa 30 Demonstranten in das BBC-Gebäude ein. Draußen kam es zu Zusammenstößen zwischen einigen Demonstranten und der Polizei. Dabei seien drei Beamte verletzt worden, einer von ihnen wurde mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus gebracht. Sechs Menschen wurden festgenommen. Die Protestierenden zündeten auch Rauchbomben.

Antifa-Aktivisten und Vertreter der Gewerkschaft Broadcasting, Entertainment, Cinematograph and Theatre Union (BECTU) hatten angekündigt, die Zufahrten zu dem Studio, in dem das Programm aufgezeichnet werden soll, zu blockieren.

Griffin wurde in der Sendung mit seinen eigenen Zitaten konfrontiert. Er wies Vorwürfe zurück, er sei ein Nazi. Vielmehr sei er "in den Augen der britischen Nazis der verhassteste Mann in Großbritannien", da die BNP unter seiner Führung nicht länger "eine offen anti-semitische und rassistische Organisation" sei, sondern sogar "als einzige Partei Israel hundertprozentig bei seinem Vorgehen gegen Hamas-Terroristen unterstützt" habe.

Auch den Holocaust wolle er nicht leugnen, sagte Griffin. Er habe sich lediglich sehr kritisch gezeigt "gegenüber der Art, wie der Holocaust missbraucht wird, um ernsthafte Diskussionen über Einwanderung zu verhindern". Aus seiner Sicht müsse sein Heimatland "im Wesentlichen ein britisches und christliches Land bleiben".

Nach dem Urteil vieler Zuschauer schadete sich Griffin mit dem Auftritt selbst. Er habe nervös gewirkt und sich ständig widersprochen, sagte Show-Besucher David Kernohan. "Das Publikum hat ihn schlicht bloßgestellt. Er hat sich lächerlich gemacht."

Griffin freut sich über TV-Auftritt

Die BNP, die bis vor Kurzem keine nicht-weißen Mitglieder aufnahm, wollte sich durch den TV-Auftritt ihres Vorsitzenden als Mainstreampartei präsentieren und hofft auf zahlreiche neue Mitglieder. Bereits jetzt kann sich die rechtsextreme Partei über Spenden in Rekordhöhe freuen, sagte Griffin zur "Times".

Die rechtsextreme Partei führte bisher in der britischen Politik-Landschaft eine Randexistenz, bei den Europawahlen im Juni kam sie aber mit Parolen wie "Britische Jobs für britische Arbeiter" auf mehr als sechs Prozent und zwei Mandate im Europaparlament. Griffin hatte unter anderem gesagt, im Falle eines EU-Beitritts der Türkei würden "80 Millionen muslimische Niedriglohn-Türken Großbritannien überschwemmen". Außerdem forderte er, Boote mit Flüchtlingen aus Afrika zu "versenken".

BBC-Chef verteidigt Einladung

Die BBC verteidigte die Einladung des rechtsextremen Parteichefs. Den Vorsitzenden der BNP nicht im Programm des öffentlich-rechtlichen Senders zu berücksichtigen, käme einer Zensur gleich, erklärte BBC-Chef Mark Thompson. Ein BBC-Sprecher erklärte, der Sender entscheide nicht darüber, welche Parteien gemocht würden. "Diese Entscheidung treffen allein die Wähler."

Die Regierung von Premierminister Gordon Brown zeigte sich empört, dass der rechtsextremen Partei mit "Question Time" eine Plattform vor Millionen Fernsehzuschauern geboten wird. Der frühere Anti-Apartheid-Aktivist und Kabinettsminister Peter Hain sagte dem Sender GMTV, die BBC begehe einen Fehler. Die BNP sei als "rassistische Partei mit faschistischen Wurzeln" gefährlich.

Griffin beschimpft Obama

Der ehemalige Amateurboxer Griffin sorgt immer wieder mit extremen Aussagen für Aufregung: so bezeichnete er US-Präsident Barack Obama als "rassistischen, afrozentristischen Frömmler", der durch die offizielle Entschuldigung des US-Senats für die Sklaverei "schwarze Jugendliche ermutige, weiße Kinder anzugreifen".

Für die TV-Debatte, an der auch Justizminister Jack Straw, die Tory-Abgeordnete Lady Warsi, Chris Huhne von den oppositionellen Liberaldemokraten und die schwarze US-Schriftstellerin Bonnie Greer teilnehmen werden, hat Griffin angekündigt, auf die "korrupten, verräterischen Schweine, die unsere schöne Inselnation zerstören" losgehen zu wollen. Der Auftritt sei ein "Meilenstein" und könnte der Partei dazu verhelfen, zu den "ganz Großen" zu gehören.

Der irische Buchmacher Paddy Power bietet eine Wette, wer als erster das Podium verlässt, an. Sollte dies Moderator David Dimbleby sein, winkt eine Quote von 50:1. (bed/derStandard.at, 22.10.2009)

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    Nick Griffin über seine Kontakte zum Ku Klux-Klan: "Das ist eine fast gänzlich gewaltfreie Organisation".

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    Demo vor dem BBC-Gebäude: Polizist mit BNP-Anhänger

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    Die Demonstranten bezeichneten Griffin als "Nazi-Nick"

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    Die muslimische Tory-Abgeordnete Lady Sayeeda Warsi nimmt an der Debatte teil.

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