Zapfenstreich statt Tagwache

22. Oktober 2009, 14:05
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Das Bundesheer so wie wir es kennen hat sich überholt - Gefragt ist eine neue Aufgabenverteilung - Und zwar sofort

Österreichs Bundesheer liegt in seinen letzten Zügen: Kaputt gespart, zur Landesverteidigung unnötig, kaum öffentliches Ansehen, keine politische Beachtung. In den Schlagzeilen vorwiegend wegen interner Unfälle, wie dem in Allentsteig. Einzig die Auslandseinsätze erzielen internationalen Respekt.

In einer Zeit in der das Land eingebettet in einer sicheren Zone namens EU liegt, ist jede etwaige Bedrohung deutlich kalkulierbar. Seiner Kernaufgabe, der Landesverteidigung, könnte das Heer wegen mangelnder Kompetenzen und fehlender Ausrüstung im Ernstfall ohnehin nicht nachkommen. Die Scheinwache, die an der Grenze des Burgenlandes abgehalten wird, ist durch fehlende Befugnisse und den Fall der Schengengrenze mehr als obsolet.

Das Budget, das dem Bundesheer zur Verfügung steht, liegt unter dem EU-Schnitt - seit dem Fall des Eisernen Vorhangs vor zwanzig Jahren werden die finanziellen Mittel kontinuierlich gekürzt. Zu glauben, man könne all jene Bereiche für die das Heer momentan zuständig ist, weiter führen, ohne nicht auch in Zukunft Unfälle wie oben erwähnt zu erleben, ist nicht nur Selbsttäuschung sondern grenzt an Fahrlässigkeit.

Es bleiben für einen verantwortlichen Staat - der nicht vor hat, für seine Landesverteidigung mehr Geld in die Hand zu nehmen - also nur drei Wege. Erstens: Weg mit dem Milizheer und her mit einem (verkleinerten) Berufsheer. Man spart an Infrastruktur und zahlt Gehälter für ausgebildete Soldaten. Dafür ist ein Mehr an Geld nötig, aber langfristig ist es eine nötige Entscheidung.
Zweitens: Das Bundesheer verkleinert seinen Aufgabenbereich drastisch. Weg mit dem Grenzdienst, der Assistenz-Ausbildung, weg mit der Kommando-Struktur und den Kasernen. Her mit nur einem militärischem Schwerpunkt, wie dem der Auslandseinsätze oder dem der Katastrophenhilfe.
Drittens: Das Bundesheer wird geschlossen. An seine Stelle treten einzelne Gemeinschaften, die spezielle Aufgaben übernehmen. Ein ausgebauter Katastrophenschutz zum Beispiel, der im Falle einer Naturkatastrophe Hilfe leistet.

So wie bisher weiter zu machen ist in jedem Fall verantwortungslos von den handelnden (politischen) Personen, die meinen, nur still abzuwarten, würde das Problem von selber lösen. Und es geht auf Kosten derer, die ihren Dienst beim Heer mit Einsatz und Überzeugung leisten und versuchen müssen, in einem kaputt gesparten Heer den Betrieb aufrecht zu halten. (Saskia Jungnikl, derStandard.at, 22.10.2009)

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