Die Wahl des obersten Automobilisten

22. Oktober 2009, 12:09
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Vertreter von 224 Mitglieds- verbänden aus 132 Ländern wählen am Freitag - Zwei Stimmen für Ari Vatanen oder Jean Todt kommen aus Österreich

Paris - Dass die FIA nicht nur für die Formel 1 zuständig ist, zeigt schon die lange Liste der stimmberechtigten Clubs und Organisationen. Gar zu den Gründungsmitgliedern der FIA zählt der ÖAMTC, der in Paris durch Präsident Werner Kraus vertreten ist. Kraus hat zwei Stimmen zur Verfügung, da er auch für Österreichs zweiten Beitrag zur FIA, den touristischen ÖAMTC-Partner ÖCC (Österreichischer Camping Club), votiert. Für wen, das wollte Kraus im Vorfeld der Wahl nicht verraten. Jedenfalls hat auch der Leiter der FIA-Region 1 (Europa, Afrika und Naher Osten mit mehr als 35 Millionen Mitgliedern) Post von Michael Schumacher erhalten. Der siebenmalige Formel-1-Weltmeister legte den Adressaten darin wortreich seinen einstigen Ferrari-Rennleiter Todt ans Herz.

Aber gerade die quasi rote Vergangenheit könnte dem Wahlfavoriten Todt im Duell mit dem ehemaligen Rallye-Weltmeister Vatanen zum Nachteil gereichen. Der 57-jährige Finne, der ab 1999 zehn Jahre lang als Konservativer im Europa-Parlament saß, gilt nämlich als unabhängiger Kandidat. Dieses Profil hat er durch Angriffe auf Formel-1-Zirkusdirektor Bernie Ecclestone und den scheidenden Präsidenten Max Mosley geschärft.

Mosley, der nach fast 20 Jahren abtritt, hat sich ebenfalls deutlich für Todt ausgesprochen, was die Vatanen-Anhänger, darunter die Fahrergewerkschaft GPDA und die Teamvereinigung FOTA, dem 63-jährigen Franzosen noch weniger geneigt macht. Mosley ficht das nicht an. Der 69-jährige Brite, der in der FIA viel bewegt, aber auch viel Streit provoziert hat, rät Vatanen zu einer Lehrzeit in der Organisation. "Wenn er dort bewiesen hätte, dass er das Metier beherrscht, könnte er in vier oder acht Jahren Präsident werden."

Vatanen hat sich in der Wahlauseinandersetzung vor allem an Mosley gehalten, Todt aber nicht direkt angegriffen. Schließlich war dieser Peugeot-Sportchef, als der Finne 1984 zu den "Löwen" stieß. Vatanen gewann auf Peugeot fünf Rallyes, ehe er in Argentinien verunglückte und wegen seiner schweren Verletzungen monatelang ausfiel. Todt hielt ihm die Treue. Als Peugeot sich 1986 aus der Rallye-WM zurückgezogen hatte und der Dakar-Rallye zuwandte, erhielt Vatanen ein Cockpit. Er bedankte sich 1987 mit dem Sieg. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 23. Oktober 2009, sid, lü)

  • Todt und Vatanen am Freitag um die Mosley-Nachfolge.
    foto: epa/jens buettner / str

    Todt und Vatanen am Freitag um die Mosley-Nachfolge.

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