Putschisten beschallen Zelaya mit ohrenbetäubendem Lärm

22. Oktober 2009, 09:12
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Mit Aufnahmen von Militärmärschen und Schweinegrunzen soll Präsident am Schlafen gehindert werden

Tegucigalpa - Die Putschisten in Honduras verstärken den Druck auf den in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa verschanzten rechtmäßigen Präsidenten Manuel Zelaya. Wie dessen juristischer Berater Rasel Tomé dem Sender Radio Globo sagte, wurden der Präsident und seine mit ihm in der Botschaft ausharrenden Anhänger in der Nacht zum Mittwoch von Soldaten mit ohrenbetäubender Musik, Militärmärschen und Aufnahmen von Tierschreien beschallt, um sie am Schlafen zu hindern.

Quelle: Youtube

Die "psychologische Kriegsführung" fand demnach wenige Stunden vor einem Treffen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) in Washington statt. Diese rief die Konfliktparteien auf, den Stillstand in den Krisengesprächen zu überwinden und den Dialog fortzusetzen. Der Streit dreht sich vor allem um Zelayas Wiedereinsetzung in das Präsidentenamt vor der für den 29. November vorgesehenen Präsidentschaftswahl.

Vorbild US-Invasion in Panama

Die Methode ist nicht neu: bei der US-Invasion in Panama 1989 beschallten die Marines die Vatikan-Botschaft, in die Staatsschef Noriega geflüchtet war, mit Rockmusik. Auch im unstrittenen US-Gefangenenlager Guantanamo wurde Musik angewendet, um Gefangene am Schlafen zu hindern.

Zelaya, dessen reguläre Amtszeit bis zum Jänner dauert, begrüßte die OAS-Erklärung. Zugleich forderte er, eine Frist für den Dialog zu setzen. Der US-Vertreter bei der OAS, Lewis Amselem, sagte, die Gespräche dürften nicht dazu dienen, Zeit zu schinden. Die De-facto-Regierung von Roberto Micheletti habe bisher weniger Kompromissbereitschaft gezeigt als Zelaya.

Zelaya war Ende Juni entmachtet und vom Militär außer Landes gebracht worden. Ende September kehrte er heimlich in seine Heimat zurück und sitzt seither in der brasilianischen Botschaft fest. Gemäß der honduranischen Verfassung darf er nicht erneut für das Präsidentenamt kandidieren. Internationale Beobachter haben angekündigt, dass sie die Präsidentschaftswahl nicht als gültig anerkennen würden, sollte Zelaya zuvor nicht in sein Amt zurückkehren. (APA)

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    Technischer Aufwand: mit Hilfe einer Hebebühne entfernt ein Polizist eine "Goriletti"-Puppe.  Putschpräsident Micheletti ist über Vergleiche mit den "Gorillas" genannten Militärdiktatoren Lateinamerikas nicht erfreut.

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    Kein guter Ton. Zelaya beklagt sich über Beschallung der brasilianischen Botschaft mit Märschen und Schweinegrunzen  vom Band.

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