Obama kappt Boni und Managerlöhne

22. Oktober 2009, 18:16
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Der US-Präsident will Bar-Gehälter von Managern staatlich gestützter Firmen um durchschnittlich 90 Prozent kürzen

Kenneth R. Feinberg ahnt bereits, wie die Schelte auf ihn einprasseln wird. "Am besten, ich ziehe weg, zum Planeten Pluto" , witzelt er und malt sich aus, wie er sich zwischen alle Stühle setzt. Den Konzernen schmecke nicht, wie er Gehälter und Boni beschränken wolle, den verärgerten Steuerzahlern hingegen gehe nicht weit genug, was er verlange.

Als "Pay Czar" , als Zahlungszar der US-Regierung, hat Feinberg im Keller des Finanzministeriums vier Monate lang Akten studiert. Akribisch durchforstete er die Bücher jener Banken und Autobauer, die im Zuge der Krise die meisten staatlichen Hilfsgelder kassierten, um überleben zu können. 250 Milliarden Dollar sind an die sieben marodesten Kandidaten geflossen, so viel wie das Bruttoinlandsprodukt Portugals.

Drastische Einschnitte

Nun hat der Zar verkündet, worauf sich die Geretteten im Gegenzug einlassen müssen. Citigroup, Bank of America, die Versicherung AIG sowie die Autohersteller General Motors und Chrysler und deren Finanztöchter haben drastische Einschnitte bei der Entlohnung ihres Spitzenpersonals hinzunehmen. Bei den jeweils 25 bestbezahlten Managern werden die Gehälter um durchschnittlich 90 Prozent gekürzt. Härtere Auflagen wird es auch für die Nutzung von Privatjets, für Limousinen samt Chauffeur und lukrative Extras geben. Überschreiten die Kosten dafür 250.00 Dollar pro Jahr, muss die Regierung ihren Segen geben.

An der Zusatzvergütung in Aktien will Feinberg im Grunde nicht rütteln. Aber: Die Begünstigten müssen ihre Papiere zwei Jahre halten, bevor sie das erste Drittel verkaufen dürfen.

Wie auf einem Basar soll es zugegangen sein im Keller des Ministeriums, berichten Eingeweihte. Jeden Vorschlag Feinbergs, der einst Staatsanwalt war, spezialisiert auf Wirtschaftskriminalität, versuchten die Manager fintenreich zu entschärfen. Daumenschrauben, warnten sie, führten nur dazu, dass die besten Leute zur Konkurrenz wechseln und das eigene Unternehmen noch schlechter dasteht. Es entspann sich ein viermonatiges Feilschen, bestimmt vom Willen der Riege Barack Obamas, endlich ein konkretes Signal zu setzen.

Wut, Arbeitslosigkeit und Rettungsschirm

In den USA kocht die Wut, weil die Banken trotz ihrer Fehlleistungen bald wieder Rekordboni ausschütten, während der Steuerzahler zwar den Rettungsschirm aufspannen durfte, aber nun im Regen steht. Übervorsichtig gewordene Kreditinstitute tun sich schwer damit, Geld zu verleihen. Die Arbeitslosigkeit steigt, demnächst könnte die Zehn-Prozent-Schwelle durchbrochen werden. Von Sozialismus für die Wall Street ist die Rede, von rauem Kapitalismus für den Rest. Also will der Präsident mit Feinbergs Katalog ein Ventil öffnen, mittels dessen man Dampf ablassen kann. Laut einer Umfrage von ABC News finden es 71 Prozent der Amerikaner richtig, Boni und Managergehälter zu begrenzen.

Branchenriesen wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley haben die krisenbedingte Stütze komplett zurückgezahlt; für sie gilt das neue Regelwerk nicht. Und auch Pleitekandidaten wie Ken Lewis, Vorstandschef der Bank of America, dürften ganz gut mit dem engeren Korsett zurechtkommen. Auf Druck Feinbergs verzichtete Lewis, der Ende Dezember seinen Sessel räumt, gänzlich auf Gehalt und Bonus für 2009. Seine Pension, 53 Mio. Dollar, bleibt unangetastet.(Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 23.10.2009)

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    Er legt die US-Manager an die Gehaltskette: Kenneth Feinberg

  • Durchschnittlich soll die Vergütung der 25 bestbezahlten Manager der Unternehmen um 90 Prozent gekappt werden.
    foto: photodisc

    Durchschnittlich soll die Vergütung der 25 bestbezahlten Manager der Unternehmen um 90 Prozent gekappt werden.

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